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Björn Höcke, ein Hassredner? Eine linguistische Analyse seiner Dresdner Rede vom 17. Januar 2017

Titel: Björn Höcke, ein Hassredner? Eine linguistische Analyse seiner Dresdner Rede vom 17. Januar 2017

Masterarbeit , 2017 , 128 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Catrin Busch (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sprache ist das Kommunikationsmittel schlechthin: Sie bildet seit Jahrtausenden die Grundlage für das gegenseitige Verständigen und Verstehen von heute mehr als sieben Milliarden Menschen weltweit. Währenddessen liegt die Aufmerksamkeit eigentlich mehr auf dem was wir sagen, als auf dem wie wir es sagen. Strukturen und Gebrauchsmuster der Sprache bleiben für die meisten eigentlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle – aber eben nur eigentlich. Denn Sprache ist nie wertfrei, nur „selten objektiv in der Information und ebenso selten ideologieindifferent“: Jedes sprachliche Zeichen, das wir zur Realisierung der sprachlichen Inhalte wählen, verrät etwas über unsere Werte und Vorstellungen. Dementsprechend ist Sprache „not only an instrument of communication or even knowledge but also an instrument of power. Die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft sind in der Lage, versteckt Wertungen zu transportieren und zu verbreiten. Und genau das macht Sprache so gefährlich: Sie sei das stärkste Rauschgift, das die Menschheit verwende, soll der britische Dichter Rudyard Kipling einmal gesagt haben. Ein Beispiel dafür, wie Inhalt und Sprache zum Gegenstand der Kommunikation werden können, liefert die Rede von Björn Höcke, Thüringer Landes und Fraktionsvorsitzender der Alternative für Deutschland. Der 45Jährige löste im Januar dieses Jahres eine Diskussion darüber aus, wo ‚ehrliches und demokratiekonformes‘ Sprechen endet und ‚manipulierendes und demokratiefeindliches‘ Sprechen beginnt. Die Auseinandersetzung darum, was Höcke sagt und wie er das versprachlicht, entwickelte sich schnell zur Frage, ob das eine Demokratie noch vertragen kann – oder vertragen muss. Der Redner, Björn Höcke, ist seit April 2013 AfD-Mitglied und wird dem nationalkonservativen Flügel zugerechnet. Wiederholt sorgte er in den letzten Monaten für kontroverse Diskussionen, wie um den „ lebensbejahende(n) afrikanische(n) Ausbreitungstyp “ Deutschlands. Am 17. Januar 2017 hielt Höcke eine Rede vor der Nachwuchsorganisation der AfD, der Jungen Alternative, in Dresden. Darin bezeichnete er das Berliner HolocaustMahnmal als „Denkmal der Schande“ und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ in der deutschen Erinnerungskultur. Während er auf der einen Seite einen Sturm der Entrüstung auslöste und Strafanzeigen wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingingen, sorgte er bei Anderen für lebhaften Beifall und laute Zurufe. Wie ist es möglich, dass ein und dieselbe Rede derart polarisiert?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politik (in) der Sprache

3. Rede als Textsorte

3.1 Politische Rede

3.2 Hassrede

4. Methodik

5. Zur Rede

6. Analyse und Interpretation: Höckes Redestrategien

6.1 Vereinfachung

6.2 Emotionalisierung

6.3 Pseudowissenschaft

6.4 Intertextualisierung

6.5 Freunde und Feinde

6.5.1 Freunde

6.5.2 Feinde

6.6 Personalisierung

6.7 Historisierung

7. Ergebnisse

8. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Dresdner Rede von Björn Höcke vom 17. Januar 2017 mit dem Ziel, rhetorische und linguistische Strategien aufzudecken, die darauf abzielen, bestimmte politische Wirkungen zu erzielen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob sich die Rede als politische Rede oder als Hassrede klassifizieren lässt und inwiefern der Redner dabei gezielt ideologische und propagandistische Muster einsetzt.

  • Analyse der sprachlichen Vereinfachungsstrategien zur Manipulation von komplexen Sachverhalten.
  • Untersuchung der emotionalisierenden Rhetorik und des Einsatzes von Wir-Gefühl und Ausgrenzung.
  • Bewertung der historischen und intertextuellen Bezüge in Bezug auf nationalsozialistisches Gedankengut.
  • Erforschung der Identitätsbildung durch Freund-Feind-Schemata und Personalisierung.
  • Klassifizierung der Rede anhand linguistischer Kriterien der Hassrede und Propaganda.

Auszug aus dem Buch

6.2 Emotionalisierung

Neben der Vereinfachung fällt zudem die große Anzahl emotionaler Sprechhandlungen auf. Mithilfe des Appels an Gefühle und Emotionen stärkt Höcke das Gemeinschaftsgefühl. Besonders auf sprachlicher Ebene treten vermehrt Merkmale auf, die die Adressaten in ihrer Ideologie weiter manifestieren sollen.

Bereits in der Anrede präsentiert sich Höcke als enger Vertrauter der Anwesenden: Er begrüßt die JA-Vertreter als „Liebe Freunde“ (1). Insgesamt werden die Hörer im Laufe der Rede 34 Mal mit liebe Freunde oder junge Freunde angesprochen. Mit der direkten Verwendung des Personalpronomens Du wird die Nähe zwischen Höcke und der Gruppe offenbar. Mithilfe gefühlsbetonter Lexeme spricht er außerdem seinen Dank für die Einladung aus: Höcke ist „einfach nur überglücklich“ (ebd.) in Dresden sprechen zu dürfen, was ihm schon lange ein „Herzensanliegen“ (2) sei. Der AfD-Politiker richtet die Rede zielgruppenspezifisch aus: Er lobt die Dresdner für ihr Engagement im Rahmen der Pegida-„Spaziergänge“ (22), die innerhalb von wenigen Wochen und Monaten „weltweite Aufmerksamkeit erzwungen“ (15) hätten. Er spricht ihnen zu, indem er gängige Vorurteile über sie entkräftet und sie dafür lobt, dass diese Spaziergänger trotz dieser unflätigen Provokation dieser Wirrköpfe [scil. „sogenannte Antifaschisten“], trotz einer staatsgefährdenden Politik der Altparteien zu Tausenden in so vornehmer und vorbildlicher Weise ihre Bürgerrechte wahrnahmen (24).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Sprache als Machtinstrument ein und stellt die Dresdner Rede von Björn Höcke als zentralen Untersuchungsgegenstand zur Frage der Abgrenzung von demokratischem Sprechen und Hassrede vor.

2. Politik (in) der Sprache: Dieses Kapitel erläutert die enge Verbindung von Sprache und Politik, definiert den politischen Wortschatz sowie das Ideologievokabular und differenziert zwischen Persuasion und Manipulation.

3. Rede als Textsorte: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Rede als Textsorte, wobei besonders auf die Struktur, Funktion und die Aufgaben eines Redners im politischen Kontext eingegangen wird.

3.1 Politische Rede: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die Typologie politischer Textsorten und unterscheidet zwischen konsens- und dissensorientierten Reden.

3.2 Hassrede: Hier wird der theoretische Rahmen für Hassrede diskutiert, deren linguistische Parameter erörtert und die Abgrenzung von der Meinungsfreiheit thematisiert.

4. Methodik: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der rhetorischen und linguistischen Analyse, um die Strategien der Rede zu identifizieren.

5. Zur Rede: Dieser Teil ordnet die Rede von Björn Höcke in ihren historischen und situativen Kontext ein und beschreibt sowohl den Redner als auch die Adressatenschaft.

6. Analyse und Interpretation: Höckes Redestrategien: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen rhetorischen Strategien Höckes, wie Vereinfachung, Emotionalisierung und Pseudowissenschaft.

6.1 Vereinfachung: Analyse der Strategie zur Reduktion komplexer politischer Sachverhalte auf simple, emotionale Konzepte.

6.2 Emotionalisierung: Untersuchung des Appells an Gefühle zur Stärkung des Gruppenzusammenhalts und zur Identifikation mit dem Redner.

6.3 Pseudowissenschaft: Beleuchtung der Nutzung von wissenschaftlich klingenden Begriffen zur Steigerung der rhetorischen Autorität.

6.4 Intertextualisierung: Erläuterung der Verwendung von Zitaten und Anspielungen zur Einbettung in bestimmte ideologische Diskurse.

6.5 Freunde und Feinde: Analyse des dichotomischen Weltbildes und der Abgrenzung gegenüber Feindbildern.

6.5.1 Freunde: Darstellung der positiven Identitätszuschreibungen und der Eigengruppen-Stärkung.

6.5.2 Feinde: Untersuchung der kollektiven Feindbilder und der Diffamierung politischer Gegner.

6.6 Personalisierung: Analyse der Inszenierung des Redners als charismatische Führungspersönlichkeit.

6.7 Historisierung: Untersuchung des bewussten Rückgriffs auf geschichtliche Ereignisse und Begriffe zur ideologischen Aufladung der Rede.

7. Ergebnisse: Zusammenfassung der identifizierten Strategien und deren Bewertung hinsichtlich ihrer propagandistischen Funktion.

8. Schlussbetrachtung und Ausblick: Fazit der linguistischen Untersuchung zur Einstufung der Rede und Diskussion über das Potenzial von dog-whistle-politics sowie zukünftige Forschungsbedarfe.

Schlüsselwörter

Björn Höcke, AfD, Politolinguistik, Hassrede, Rhetorik, Populismus, Politische Sprache, Vereinfachung, Emotionalisierung, Propaganda, Identitätsbildung, Historisierung, Ideologievokabular, Diskursanalyse, Fremdenfeindlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Hausarbeit untersucht die sprachlichen Strategien in der Dresdner Rede von Björn Höcke aus dem Jahr 2017, um zu klären, wie der Redner persuasive und manipulative Techniken einsetzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse politischer Kommunikation, dem Einsatz von Hassrede-Elementen, der rhetorischen Strategien wie Emotionalisierung und Vereinfachung sowie dem Gebrauch historischer Bezüge.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die wissenschaftliche Beantwortung der Forschungsfrage: „Ist Björn Höcke ein Hassredner?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine rhetorische und linguistische Analyse angewandt, die auf Textlinguistik, Diskursanalyse und Modellen der politischen Rhetorik basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert sieben spezifische Redestrategien: Vereinfachung, Emotionalisierung, Pseudowissenschaft, Intertextualisierung, Freund-Feind-Schema, Personalisierung und Historisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie politische Sprache, Populismus, Propaganda, Rhetorik, Ideologie und Diskursanalyse charakterisieren.

Wie geht die Autorin mit dem Begriff des "Volkes" um?

Catrin Busch zeigt auf, dass Höcke den Begriff "Volk" semantisch umdeutet, um ihn als ethnische Kategorie exklusiv zu besetzen, was Anleihen an den Sprachgebrauch des Nationalsozialismus offenbart.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der "Altparteien" in der Rede?

Die Arbeit analysiert, wie Höcke den Begriff "Altparteien" als Stigmawort und Kampfbegriff verwendet, um politische Gegner abzuwerten und sich selbst sowie die AfD als die einzige Alternative zu inszenieren.

Ende der Leseprobe aus 128 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Björn Höcke, ein Hassredner? Eine linguistische Analyse seiner Dresdner Rede vom 17. Januar 2017
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Autor
Catrin Busch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
128
Katalognummer
V412037
ISBN (eBook)
9783668637993
ISBN (Buch)
9783668638006
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Björn Höcke AfD Rede Politische Rede Hassrede Junge Alternative Dresden Populismus Rechtsextremismus Linguistik Sprachwissenschaft Rhetorik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Catrin Busch (Autor:in), 2017, Björn Höcke, ein Hassredner? Eine linguistische Analyse seiner Dresdner Rede vom 17. Januar 2017, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412037
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