„Das Wasser sei das triste, Melancholie weckende Element, das Element der Verzweiflung und des ausgesprochen weiblichen Todes.“ Hier schreibt Gaston Bachelard über den „Complexe d’Ophélie“.
Er geht hierbei auf Shakespeares Ophelia in seinem 1600-1601 verfassten Drama „Hamlet“ ein, die ihren Tod durch Ertrinken findet.
Über 300 Jahre später nimmt unter anderem Georg Heym dieses Thema in seinem Gedicht „Ophelia“, das 1911 in seinem ersten Gedichtband „Der ewige Tag“ erscheint, wieder auf.
Dieses Werk gilt als das erste bedeutsame Zeugnis des lyrischen Expressionismus.
Im Gegensatz zu anderen Gedichten, die sich auf den Ophelia Komplex beziehen, gibt Heym ihr ihre Körperlichkeit zurück und hält sich näher an Shakespeares Original.
Doch Georg Heym verschönt die Situation nicht, er beschreibt zumindest im ersten Teil den schlimmen Zustand der Wasserleiche und nimmt keine Rücksicht auf den Leser. Das Nest von Wasserratten (1), der lange, weiße Aal (13) oder die Fledermäuse (10) lösen Ekel und Schauer bei den Menschen aus.
In der zweiten Strophe wechselt die Beschreibung und es wird die Landschaft, die Ophelias Leiche durchschwimmt, beschrieben.
Hier schließt Heym die Industrialisierung mit ein und gibt dem Gedicht eine apokalyptische, endzeitliche Stimmung, die, neben der häufigen Verwendung von Farben aus dem Gebiet der Malerei, typisch für Heym und den frühen Expressionismus sind.
Doch mit welchen Mitteln Georg Heym dies verwirklicht und mit welchem Ziel er diese moderne Welt mit einbezieht, soll folgende Analyse seines Gedichts „Ophelia“ darstellen.
Gliederung
A. Einleitung: Das Ophelia Motiv bei Georg Heym
B. Hauptteil: Textanalytische Übung
I. Der Aufbau des Gedichts
II. Die Kommunikationsstrukturen
III. Die Metrische Analyse
a) Die Metrische Analyse von Teil I
b) Die Metrische Analyse von Teil II
IV. Die Syntaktische Analyse
V. Die Rhetorische Analyse
a) Die Amplifikationsfiguren
b) Die Bildlichkeitsfiguren
C. Schluss: Die apokalyptische Weltanschauung von Georg Heym und der frühe Expressionismus im Gedicht „Ophelia“
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Georg Heyms Gedicht „Ophelia“ einer tiefgreifenden textanalytischen Untersuchung zu unterziehen, um die eingesetzten literarischen Mittel und deren Funktion im Kontext der expressionistischen Weltsicht und Industrialisierung aufzuzeigen.
- Strukturelle Analyse von Aufbau und Metrik des Gedichts.
- Untersuchung der distanzierten Kommunikationsstrukturen.
- Syntaktische Analyse zur poetischen Formgebung.
- Rhetorische Analyse von Amplifikations- und Bildlichkeitsfiguren.
- Einordnung des Werks in den frühen Expressionismus und die apokalyptische Ästhetik.
Auszug aus dem Buch
II. Die Kommunikationsstrukturen
Ähnlich dem Aufbau, fällt einem bei der Lektüre des Gedichts gleich eine gewisse Kommunikationsstruktur ins Auge. Das Gedicht wird von einem unbekannten, artikulierenden Ich vorgetragen, das den Zustand von Ophelias Leiche und deren Weg, den sie hinter sich lässt, beschreibt. Der Erzähler bleibt also dem Leser verborgen.
Es ist offensichtlich, dass ausschließlich die dritte Person auftaucht und nur die eine Rolle vergeben ist. Die Kommunikation findet somit nur auf einer Ebene statt. Der Autor und auch das artikulierende Ich greifen nicht in das Geschehen ein und objektivieren somit die Darstellung, obwohl uns das Gedicht von diesem artikulierenden Ich erzählt wird.
Es werden weder Anreden, Eigennamen, Imperative noch Wünsche im Gedicht vorgefunden. Auch findet man keine Personalpronomina der ersten und zweiten Person vor, was den Leser auf einer Distanz zum Text hält. Ebenso distanziert sich der Autor vom Geschehen, da er keine eigenen Erlebnisse oder Meinungen im Gedicht präsentiert. Auf die Verwendung von wörtlicher Rede wird komplett verzichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Das Ophelia Motiv bei Georg Heym: Das Kapitel führt in das Motiv der Ophelia bei Georg Heym ein und ordnet das Gedicht als frühes Zeugnis des lyrischen Expressionismus ein.
B. Hauptteil: Textanalytische Übung: Der Hauptteil bietet eine methodische Untersuchung des Gedichts, beginnend mit dessen Aufbau und formalen Merkmalen.
I. Der Aufbau des Gedichts: Hier wird die zweigeteilte Struktur des Gedichts in 12 Strophen und der Weg der Leiche durch verschiedene Stationen analysiert.
II. Die Kommunikationsstrukturen: Dieses Kapitel erläutert die objektivierende, distanzierte Erzählweise des artikulierenden Ichs.
III. Die Metrische Analyse: Die Analyse konzentriert sich auf den Jambus und die spezifischen metrischen Unterschiede zwischen den beiden Teilen des Gedichts.
IV. Die Syntaktische Analyse: Hier wird der poetische Stil durch Inversionen, Enjambements und syntaktische Zäsuren untersucht.
V. Die Rhetorische Analyse: Dieses Kapitel widmet sich der Untersuchung der Assonanzen, Alliterationen sowie der Personifikationen und Metaphern.
C. Schluss: Die apokalyptische Weltanschauung von Georg Heym und der frühe Expressionismus im Gedicht „Ophelia“: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und deutet das Gedicht als Ausdruck der Entfremdung und apokalyptischer Endzeitvisionen.
Schlüsselwörter
Georg Heym, Ophelia, Expressionismus, Lyrik, Textanalyse, Industrialisierung, Metrik, Syntax, Rhetorik, apokalyptisch, Entfremdung, Motivgeschichte, Literaturwissenschaft, Gedichtanalyse, Ästhetik des Häßlichen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten textanalytischen Untersuchung von Georg Heyms Gedicht „Ophelia“ aus dem Jahr 1911.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die formale Struktur, die Sprache, die metrische Gestaltung sowie die Einbettung des Gedichts in den expressionistischen Kontext der Industrialisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die literarischen Mittel aufzuzeigen, mit denen Heym seine apokalyptischen Visionen und das Gefühl der menschlichen Entfremdung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine systematische Textanalyse angewandt, die sich in Aufbau, Kommunikation, Metrik, Syntax und Rhetorik untergliedert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil ist eine praktische Übung, in der die formale Beschaffenheit des Gedichts, vom Aufbau über den Rhythmus bis hin zu bildlichen Figuren, akribisch analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Georg Heym, Expressionismus, Lyrikanalyse, Industrialisierung und apokalyptische Endzeitvisionen definiert.
Wie geht Heym mit dem traditionellen Ophelia-Motiv um?
Im Gegensatz zu anderen Autoren kehrt Heym zur Körperlichkeit der Leiche zurück und verwebt das Motiv mit einer modernen, düsteren Industrielandschaft.
Welche Funktion hat die Naturdarstellung im Gedicht?
Die unberührte Natur im ersten Teil steht im scharfen Kontrast zur industrialisierten, entfremdeten Umgebung im zweiten Teil des Gedichts.
- Arbeit zitieren
- Christian Lübke (Autor:in), 2005, "Ophelia" von Georg Heim - Eine Gedichtanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41100