Die Arbeit stellt die Verwandtschaft der zwei Hoffmannschen Texte heraus und diskutiert gleichzeitig die grundlegenden Unterschiede, durch die "Der Sandmann" der negativen Ästhetitik zugeordnet wird, während "Der goldne Topf" den Weg für die positive Ästhetik der Vermittlung zwischen Kunst und Leben bereitet. Dabei kommen auch poetologische Aspekte zur Sprache.
Sowohl Der goldne Topf als auch Der Sandmann thematisieren die Entwicklung einer Künstlerfigur und ihr Verhältnis zur Realität. Die Forschung weist mehrmals auf die Verwandtschaft beider Werke hin; sie werden sogar als Text und Gegentext bezeichnet. Gegenstand dieser Arbeit ist daher ein differenzierter Vergleich der Erzählungen, um die zahlreichen Gemeinsamkeiten in Inhalt, Struktur, Figurenzeichnung und Motivik aufzuzeigen. Aufschlussreicher als die Frage nach den Parallelen ist allerdings diejenige nach den wesentlichen Unterschieden. An diesen lässt sich das den Texten zugrunde liegende Ästhetikmodell genau analysieren. Wegen ihrer thematischen Nähe zum Sujet der Ästhetik werden die Komplexe ‚Künstler und Wahnsinn’ sowie ‚Duplizität des Seins’ im selben Kontext erörtert.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung.
- 2 Hoffmanns Quellen und geistesgeschichtlicher Hintergrund
- 2.1 Der Atlantis-Mythos
- 2.2 Sprache und Natur
- 2.3 Geschichte der Automaten in Literatur und Technik
- 2.4 Alchemistische Anleihen
- 2.5 Nachtseiten der Naturwissenschaft.
- 2.5.1 Animalischer Magnetismus
- 2.5.2 Psychische Krankheiten in der romantischen Medizin
- 3 Zur Poetik Hoffmanns
- 3.1 Die Callotsche Manier
- 3.2 Die Manier der Nachtstücke
- 3.3 Das serapiontische Prinzip
- 4 Dualismen auf der Inhaltsebene
- 4.1 Der goldne Topf - Vom Dualismus zur Duplizität
- 4.1.1 Die bürgerliche und die phantastische Welt
- 4.1.2 Figuren zwischen bürgerlicher und phantastischer Sphäre.
- 4.1.3 Verschiebung der Wahrnehmung.
- 4.1.4 Mystische Kräfte.
- 4.1.5 Text und Subtext.
- 4.2 Der Sandmann - Autonomie der Imagination
- 4.2.1 Projektion innerer Bilder auf die Außenwelt
- 4.2.2 Verschiebung der Wahrnehmung
- 4.2.3 Die Automaten und ihre Schöpfer
- 4.2.4 Wahn oder Wirklichkeit?
- 4.1 Der goldne Topf - Vom Dualismus zur Duplizität
- 5 Absolutismus und Relativierung der Subjektivität – Weiterführender Vergleich der Dualismen im Kontext von Hoffmanns Ästhetik
- 5.1 Der Glaube an das Wunderbare
- 5.2 Selbstspiegelung in den Frauenfiguren
- 5.3 Die Rolle mystischer Mächte
- 5.4 Ironie und Trauma – Vergleich zweier Szenen
- 5.5 Duplizität und Ästhetikkonzepte
- 15.6 Spiegelkonfigurationen in Struktur und Handlung
- 6 Einleitung der Vermittlung auf der Ebene der Erzähler
- 6.1 Umsetzung von Hoffmanns Poetik.
- 6.2 Die Poetik des Spiegelbildes: Selbstreflexion und Fiktion als Wege aus den Aporien der negativen Ästhetik
- 7 Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert E.T.A. Hoffmanns Erzählungen "Der goldne Topf" und "Der Sandmann" in einem vergleichenden Kontext. Sie untersucht die zahlreichen Gemeinsamkeiten beider Werke, insbesondere in Bezug auf Inhalt, Struktur, Figurenzeichnung und Motivik. Die Arbeit befasst sich jedoch insbesondere mit den wesentlichen Unterschieden, um das den Texten zugrunde liegende Ästhetikmodell zu analysieren. Dabei werden Themen wie "Komplexe, Künstler und Wahnsinn" sowie "Duplizität des Seins" im Kontext von Hoffmanns Ästhetik erörtert.
- Das Verhältnis von Realität und Phantastik in Hoffmanns Werk
- Die Rolle der Künstlerfigur und ihre Beziehung zur Wirklichkeit
- Die Herausforderungen der künstlerischen Subjektivität im Spannungsfeld von Poesie und Leben
- Die ästhetische Frage nach einer der Kunstproduktion förderlichen Wirklichkeitsauffassung
- Die Bedeutung der Duplizität des Seins in Hoffmanns Erzählungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die Thematik und Zielsetzung der Arbeit erläutert. Anschließend werden in Kapitel 2 Hoffmanns Quellen und der geistesgeschichtliche Hintergrund der Erzählungen beleuchtet. Kapitel 3 widmet sich der Poetik Hoffmanns und analysiert seine Erzähltechniken. In Kapitel 4 werden die Dualismen auf der Inhaltsebene der beiden Erzählungen im Detail betrachtet. Hierbei werden die phantastischen Elemente und ihre Beziehung zur Realität analysiert. Kapitel 5 beleuchtet den Vergleich der Dualismen im Kontext von Hoffmanns Ästhetik.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, "Der goldne Topf", "Der Sandmann", Vergleich, Ästhetik, Dualismus, Duplizität, Künstlerfigur, Realität, Phantastik, Kunst, Subjektivität, Wahnsinn, Poetik, Spiegelbild, Selbstreflexion, Fiktion.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheiden sich „Der goldne Topf“ und „Der Sandmann“ ästhetisch?
„Der goldne Topf“ wird der positiven Ästhetik (Vermittlung zwischen Kunst und Leben) zugeordnet, während „Der Sandmann“ die negative Ästhetik und das Scheitern thematisiert.
Was versteht E.T.A. Hoffmann unter der „Duplizität des Seins“?
Es bezeichnet das gleichzeitige Bestehen einer bürgerlichen, alltäglichen Realität und einer phantastischen, oft wunderbaren oder unheimlichen Sphäre.
Welche Rolle spielt der Wahnsinn für Hoffmanns Künstlerfiguren?
Wahnsinn wird oft als Folge einer extremen Verschiebung der Wahrnehmung dargestellt, wenn die Imagination die Oberhand über die Außenwelt gewinnt.
Was ist das „serapiontische Prinzip“?
Es ist Hoffmanns poetologisches Prinzip, das fordert, dass ein Dichter das, was er beschreibt, erst innerlich klar geschaut haben muss, bevor er es darstellt.
Welche Bedeutung haben Automaten in Hoffmanns Werk?
Automaten symbolisieren die Künstlichkeit und die Gefahr des Identitätsverlusts, besonders prominent in der Figur der Olimpia in „Der Sandmann“.
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- Eleni Stefanidou (Author), 2005, E.T.A. Hoffmanns "Der goldne Topf" und "Der Sandmann". Ein Textvergleich im Kontext von Hoffmanns Ästhetik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40330