Unabhängig von dem Gegenstand, der in der Literaturwissenschaft betrachtet wird – sei es ein Autor, ein Werk oder eine Gattung – muss man stets davon ausgehen, dass Literatur nicht im luftleeren Raum entsteht. Verschiedene Faktoren sozialer, politischer und auch literarischer Natur übten ihren Einfluss aus und haben dazu beigetragen, dass die Dichtungen, die uns überliefert wurden, so sind wie sie sind. Gleiches gilt auch für das Genre des Fastnachtspiels. Um jene Stücke zu verstehen, gilt es sie „in das Beziehungsfeld, in das Ensemble der literarischen Gestaltungen ihrer Zeit zu setzen“ . Aufgabe dieser Arbeit soll es daher sein die (literar-)historischen Quellen der Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts näher zu analysieren und anschließend beispielhaft an einigen Stücken des Autors Hans Folz aufzuzeigen.
In Kapitel zwei werde ich daher zunächst einen kurzen Überblick über den Anlass und die Entwicklung des Fastnachtspiels geben. Im Mittelpunkt des dritten Kapitels stehen die literarischen und historischen Quellen, aus denen die Fastnachtspiele ihre Themen und Motive bezogen. Kapitel vier beschäftigt sich schließlich mit ausgewählten Fastnachtspielen von Hans Folz, wobei die zuvor ermittelten dichterischen und gesellschaftlichen Einflüsse exemplarisch an seinen Werken nachgewiesen werden sollen. Abschließend werde ich die Ergebnisse dieser Arbeit in einer Schlussbetrachtung noch einmal kurz zusammenfassen.
Die Literaturlage zu diesem Thema gestaltet sich nicht sehr umfangreich. Dies liegt zum einen an der Tatsache, dass die Derbheit der Fastnachtspiele in Kombination mit den überzogenen „Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts“ die Forschung erst spät einsetzen lässt. Dabei waren diese sehr beliebten Stücke nicht einfach auf das Niveau der Bürger herabgesetztes Kulturgut mit primitiven Possen, sondern Darstellungen des menschlichen Fehlverhaltens in all seinen Facetten, stets mit der Absicht zur moralischen Belehrung . Dies wurde jedoch erst spät in der Wissenschaft entsprechend gewürdigt. Zum anderen lenkten die (methodisch unkorrekten) Untersuchungsansätze von Rudwin und Stumpfl, wonach die Fastnachtspieltradition volkskundlich zu erklären sei und auf heidnisch-germanischen Ritualen beruhe, in eine falsche Richtung.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zum Ursprung des Fastnachtspiels
- Die Fastnachtzeit
- Vorläufer des Fastnachtspiels
- Die Quellen des Fastnachtspiels
- Spruchdichtung
- Nachklassische höfische Minnedichtung
- Neidhartdichtung
- Geistliche Stoffe
- Volksbücher
- Schwankdichtung
- Politische und zeitgeschichtliche Ereignisse
- Sonstige Quellen
- Die Quellen der Fastnachtspiele von Hans Folz
- Nachklassische höfische Minnedichtung – Das Urteil der Frau Venus
- Geistliche Stoffe - Hans Folz' Antisemitismus
- Volksbücher - Salomon und Markolf
- Schwankdichtung – Derbe Zoten
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den (literar-)historischen Quellen der Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts und analysiert anhand von Beispielen aus dem Werk von Hans Folz deren Einfluss auf die Entwicklung dieser Gattung.
- Der Ursprung und die Entwicklung des Fastnachtspiels
- Die literarischen und historischen Quellen der Fastnachtspiele
- Der Einfluss von Hans Folz' Werken auf die Fastnachtspiele
- Der Einfluss von Moralvorstellungen auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Fastnachtspielen
- Die Bedeutung von Fastnachtspielen als Darstellung des menschlichen Fehlverhaltens
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Entstehung der Fastnachtspiele im Kontext der mittelalterlichen Fastnacht und deren Vorläufern. Kapitel zwei analysiert die vielfältigen Quellen, die die Themen und Motive der Fastnachtspiele beeinflusst haben, darunter Spruchdichtung, Minnedichtung, Schwankdichtung, Volksbücher, Geistliche Stoffe und politische Ereignisse. Kapitel drei befasst sich mit dem Einfluss von Hans Folz' Werken auf die Fastnachtspiele und untersucht seine Verwendung von Quellen wie der höfischen Minnedichtung, geistlichen Stoffen, Volksbüchern und Schwankdichtung.
Schlüsselwörter
Fastnachtspiel, 15. Jahrhundert, Hans Folz, Quellen, Nürnberger Fastnachtspiele, Literaturgeschichte, Minnedichtung, Schwankdichtung, Geistliche Stoffe, Volksbücher, Antisemitismus, Moral, Fehlverhalten, Spruchdichtung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Ursprung des Fastnachtspiels?
Fastnachtspiele entstanden im 15. Jahrhundert im Kontext der vorösterlichen Fastenzeit als volkstümliche Unterhaltung mit moralisch belehrendem Charakter.
Welche Rolle spielte Hans Folz für diese Gattung?
Hans Folz war ein bedeutender Autor Nürnberger Fastnachtspiele, der verschiedene Quellen wie Schwankdichtung und geistliche Stoffe in seine Werke integrierte.
Aus welchen Quellen schöpften die Fastnachtspiele?
Sie nutzten Spruchdichtung, Minnedichtung, Neidhartdichtung, Volksbücher, Schwankdichtung und nahmen Bezug auf zeitgeschichtliche Ereignisse.
Warum wurde das Fastnachtspiel in der Forschung lange vernachlässigt?
Aufgrund der oft derben und obszönen Sprache entsprachen die Stücke lange Zeit nicht den moralischen Vorstellungen der Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts.
Hatten Fastnachtspiele eine tiefere Bedeutung?
Ja, sie dienten der Darstellung menschlichen Fehlverhaltens in all seinen Facetten, oft mit der Absicht zur sozialen Kritik oder moralischen Belehrung.
- Quote paper
- Michael Münch (Author), 2004, Das Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts - Ursprung, Entwicklung und Quellen., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40289