Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Crowding-out im Bereich der Bereitstellung öffentlicher Güter. Die Kernfrage ist, ob eine staatliche mit Steuermitteln zwangsfinanzierte oder aber eine freiwillige private Bereitstellung vorteilhafter ist. Ferner wird untersucht, ob es zu einem Crowding-out kommt, mit anderen Worten: Führt eine Versorgung durch den öffentlichen Sektor dazu die intrinsische Motivation der Bürger zu einem eigenen Beitrag zur Bereitstellung öffentlicher Güter zu verdrängen? Hierbei wird unterstellt, dass eine intrinsische Motivation von vorn herein besteht, so dass die Handlung selbst schon Ziel ist und dem Anbieter einen direkten Nutzen stiftet, ohne dass es einer Kompensation dafür erfordert.
Ausgangspunkt ist der 2003 erschienene Aufsatz von J. Stephens Ferris und Edwin G. West mit dem Titel „Private versus Public Charity: Reassessing Crowding Out from the Supply Side“. Darin greifen die Autoren die Crowding-out-Debatte auf und untersuchen ein Modell, in dem staatliche und private Wohlfahrt vollkommene Substitute im Konsum sind, auf der Angebotsseite jedoch unterschiedliche Kosten der Bereitstellung angenommen werden. Sie zeigen, dass bei der Bereitstellung bestimmter öffentlicher Güter wie etwa der Sozialhilfe weniger als vollständiges Crowding-out beobachtet wird.
Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 erfolgt ein Überblick über frühere Untersuchungen der Crowding-out-Problematik bei öffentlichen Gütern. Schließlich liegt in Kapitel 3 der Fokus auf dem Aufsatz von Ferris und West, wobei deren Modell und die empirische Überprüfung ihrer Hypothese genauer betrachtet wird. Die Ergebnisse dieser Untersuchung folgen in Kapitel 4. Abschließend wird in Kapitel 5 kritisch überprüft, ob sich das von Ferris und West aufgestellte Modell und deren Aussagen auf den europäischen – insbesondere den deutschen – Sozialstaat übertragen lassen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Bisherige Aufsätze zur Problemstellung
- Private Bereitstellung öffentlicher Güter
- Bereitstellungskostenansatz nach Coates
- Definition von „bedürftig“
- Verwendete Theorien und Methoden
- Modell
- Empirische Überprüfung
- Ergebnisse des Aufsatzes
- Kritische Stellungnahme
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Problematik des Crowding-out im Bereich der Bereitstellung öffentlicher Güter. Im Zentrum steht die Frage, ob staatliche, mit Steuermitteln zwangsfinanzierte Bereitstellung oder freiwillige private Bereitstellung vorteilhafter ist. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung, ob eine öffentliche Versorgung zu einer Verdrängung der intrinsischen Motivation von Bürgern führt, selbst einen Beitrag zur Bereitstellung öffentlicher Güter zu leisten.
- Crowding-out-Effekt bei der Bereitstellung öffentlicher Güter
- Vergleich zwischen staatlicher und privater Bereitstellung öffentlicher Güter
- Intrinsische Motivation und ihre Beeinflussung durch staatliche Intervention
- Untersuchung des Modells von Ferris und West
- Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den europäischen Sozialstaat
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
Die Einleitung stellt die Problematik des Crowding-out im Bereich der Bereitstellung öffentlicher Güter vor. Die Kernfrage ist, ob eine staatliche oder private Bereitstellung vorteilhafter ist und ob es zu einem Crowding-out der intrinsischen Motivation der Bürger kommt.
- Kapitel 2: Bisherige Aufsätze zur Problemstellung
Kapitel 2 beleuchtet verschiedene Ansätze zur Bereitstellung öffentlicher Güter und diskutiert die Rolle des Staates bei Marktversagen. Dabei wird auch die Bedeutung der intrinsischen Motivation von Bürgern für die Bereitstellung öffentlicher Güter hervorgehoben.
- Kapitel 3: Verwendete Theorien und Methoden
Kapitel 3 konzentriert sich auf den Aufsatz von Ferris und West, analysiert deren Modell zur Bereitstellung öffentlicher Güter und die empirische Überprüfung ihrer Hypothese.
- Kapitel 4: Ergebnisse des Aufsatzes
Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung von Ferris und West.
Schlüsselwörter
Crowding-out, öffentliche Güter, Bereitstellung, staatliche Intervention, private Bereitstellung, intrinsische Motivation, Sozialtransfers, Modell von Ferris und West, Sozialhilfe, europäischer Sozialstaat, Marktversagen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet "Crowding-out" bei öffentlichen Gütern?
Es beschreibt den Effekt, dass staatliche Bereitstellung (z.B. durch Steuern) privates Engagement oder freiwillige Spenden für dasselbe Gut verdrängen kann.
Was versteht man unter intrinsischer Motivation in diesem Kontext?
Es ist die innere Bereitschaft der Bürger, Beiträge zu öffentlichen Gütern zu leisten, weil die Handlung selbst als sinnvoll empfunden wird, ohne externe Belohnung.
Was ist das Kernargument des Aufsatzes von Ferris und West?
Die Autoren zeigen, dass staatliche und private Wohlfahrt oft keine vollkommenen Substitute sind und dass Crowding-out in der Praxis oft geringer ausfällt als theoretisch angenommen.
Ist staatliche Sozialhilfe vorteilhafter als private Wohltätigkeit?
Die Arbeit untersucht diese Frage kritisch und wägt die Effizienz staatlicher Zwangsfinanzierung gegen die Motivationsvorteile privater Bereitstellung ab.
Lassen sich US-amerikanische Modelle auf den deutschen Sozialstaat übertragen?
Das letzte Kapitel der Arbeit prüft kritisch, inwieweit die Ergebnisse von Ferris und West auf die spezifischen Strukturen des europäischen bzw. deutschen Sozialstaats anwendbar sind.
- Quote paper
- Beate Piedo (Author), 2004, Freiwillige vs. zwangsfinanzierte Bereitstellung öffentlicher Güter: Crowding-out intrinsischer Motivation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39646