Die Privatisierung der Deutschen Bahn AG ist über die letzten Jahre sehr kontrovers in den Medien diskutiert worden. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick auf die verschiedenen Privatisierungsmöglichkeiten geben.
Im ersten Kapitel wird die Entwicklung der deutschen Eisenbahn in der BRD bis zur Verabschiedung der Bahnreform beschrieben, und auf die Notwendigkeit einer Reform eingegangen. Darauf aufbauend werden das Konzept und der aktuelle Stand der Umsetzung geschildert. Das zweite Kapitel dreht sich um das System der Eisenbahn mit den zentralen Fragen der Existenz eines Monopols und die Gestaltungsmöglichkeiten des Monopols hinsichtlich der Privatisierung. Das dritte und letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Betrachtung von Modellstrukturen. Es wird das Modell der Spartentrennung mit dem des vertikal integrierten Unternehmens verglichen und die Privatisierungsmöglichkeiten erläutert.
Ziel der Arbeit ist die Darstellung der Bahnreform, einen Einblick in die Monopolproblematik des Eisenbahnsektors und Alternativen zur Gestaltung der dritten Stufe der Bahnreform zu vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bahnreform von 1994
2.1. Die Entwicklung der Deutschen (Bundes-)Bahn von 1949 bis 1993
2.2. Gründe und Ziele
2.3. Stufen
2.4. Der aktuelle Stand
3. Hinterfragung des staatlichen Monopols
3.1. Das System Eisenbahn
3.2. Marktversagen
3.2.1. Öffentliches Gut
3.2.2. Externe Effekte
3.2.3. Zusammenfassung
3.3. Wettbewerbsversagen
3.3.1. Natürliches Monopol
3.3.2. Ruinöse Konkurrenz
3.3.3. Zusammenfassung
3.4. Privates Monopol
4. Strukturmodelle
4.1. Vertikal integriertes Unternehmen
4.2. Trennung von Netz und Transport
4.2.1. Staatliches EIU
4.2.2. Private EIUs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effekte der Bahnreform von 1994, analysiert die Monopolproblematik im Eisenbahnsektor und bewertet verschiedene Strukturmodelle hinsichtlich ihrer Privatisierungsmöglichkeiten und Wettbewerbsfähigkeit.
- Historische Entwicklung der Deutschen Bundesbahn
- Analyse von Markt- und Wettbewerbsversagen im Schienennetz
- Vergleich von vertikal integrierten Modellen vs. Spartentrennung
- Bewertung der Privatisierungsmöglichkeiten von Netz und Transport
- Rolle staatlicher Regulierung in einem privaten Eisenbahnmarkt
Auszug aus dem Buch
3.1. Das System Eisenbahn
Die Eisenbahn ist auch wie der Straßen-, der Luft- und der Wasserverkehr ein Verkehrsträger des Verkehrsmarktes. Bei allen Verkehrsträgern existieren zwei große Teilbereiche: die Infrastruktur und die Verkehrsmittel. Dabei kommt der Infrastruktur eine Schlüsselrolle zu, da diese erst den Transport der Verkehrsmittel ermöglicht. Bei der Eisenbahn mit ihrem Rad-Schiene-System ist dies in besonderem Maße der Fall. Dieses System ist charakterisiert „durch die strenge Spurbindung der Schienenfahrzeuge, die daraus resultierenden Notwendigkeiten einer genauen Fahrplanbildung und einer zentralen Verkehrslenkung.“ Die Anbieter von Schienenverkehrsleistungen sind somit auf den Infrastrukturbetreiber, der für eine zuverlässige Durchführung der Fahrten und der Einhaltung des Fahrplans verantwortlich ist, angewiesen.
In der Bundesrepublik Deutschland war die Eisenbahn bis zur Bahnreform 1994 ein staatliches Sondervermögen mit dem Namen Deutsche Bundesbahn, das wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt wurde, aber gleichzeitig die Verpflichtung zur besten Verkehrsbedienung hatte. Aufgaben dieses staatlichen Unternehmens bestanden in der Bereitstellung und Wartung der Netzinfrastruktur, im Netzmanagement sowie im Betrieb des Netzes – somit war die DB ein vertikal integriertes Unternehmen. Diese Struktur wird traditionell dadurch begründet, dass durch die hohen Investitionskosten zum Aufbau der Infrastruktur ein natürliches Monopol entstanden ist und staatliche Regulierung bzw. ein staatliches Monopol am besten geeignet ist, um einem Marktversagen und einem Wettbewerbsversagen entgegenzuwirken. Auch durch die Bahnreform hat sich bis jetzt nichts bei der Infrastruktur geändert – Eigentümer ist weiterhin der Bund. Es stellen sich somit Fragen hinsichtlich des Vorhandenseins von Markt- oder Wettbewerbsversagen und der Möglichkeit der privaten Bereitstellung der Infrastruktur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Relevanz der Bahnreform sowie die Forschungsziele zur Monopolproblematik und zu den Strukturmodellen der Bahn vor.
2. Die Bahnreform von 1994: Behandelt die historische Entwicklung der Bundesbahn, die Gründe für die Reform sowie deren Umsetzung in mehreren Stufen bis zum aktuellen Stand 2005.
3. Hinterfragung des staatlichen Monopols: Analysiert theoretisch, ob im Eisenbahnwesen echtes Markt- oder Wettbewerbsversagen vorliegt und ob private Lösungen für das Trassennetz möglich sind.
4. Strukturmodelle: Vergleicht das Modell des vertikal integrierten Unternehmens mit der Trennung von Netz und Transport und diskutiert die jeweiligen Privatisierungsansätze.
5. Fazit: Zieht Bilanz über das bisherige Scheitern der Kernziele der Bahnreform und schätzt die zukünftige Entwicklung der Organisationsstrukturen ein.
Schlüsselwörter
Bahnreform, Deutsche Bahn AG, Spartentrennung, Privatisierung, Eisenbahninfrastruktur, natürliches Monopol, Wettbewerbsversagen, Marktversagen, vertikal integriertes Unternehmen, Trassenmarkt, Trassenpreise, Schienenverkehr, Wettbewerb, Gemeinwirtschaftliche Aufgaben, Regulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert die Bahnreform von 1994, deren Ziele, die bisherige Umsetzung sowie die ökonomischen Hintergründe des Monopols im deutschen Eisenbahnsektor.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Entwicklung der Bahn, die ökonomische Bewertung der Infrastruktur als natürliches Monopol und der Vergleich von Strukturmodellen für die Zukunft der Bahn.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Es wird untersucht, ob die bisherige Organisation der Bahnreform zweckmäßig ist, wo im System ein Monopol vorliegt und welche Alternativen (wie Privatisierung) zur Gestaltung der dritten Stufe der Bahnreform bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wirtschaftspolitische Analyse, die theoretische Konzepte (Markt- und Wettbewerbsversagen) auf den Eisenbahnsektor anwendet und aktuelle Reformvorschläge sowie politische Rahmenbedingungen bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine ökonomische Hinterfragung des staatlichen Monopols und eine detaillierte Gegenüberstellung von Strukturmodellen für das Bahnunternehmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Bahnreform, Spartentrennung, Privatisierung, Wettbewerb und Eisenbahninfrastruktur charakterisiert.
Warum ist die Trennung von Netz und Transport laut Arbeit so bedeutend?
Sie gilt als Bedingung für einen funktionierenden Wettbewerb, da nur so sichergestellt werden kann, dass diskriminierungsfreier Zugang für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen gewährleistet ist.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor im Fazit?
Der Autor stellt fest, dass die Kernziele der Bahnreform bisher kaum erreicht wurden und eine tatsächliche Trennung von Netz und Transport politisch schwierig umzusetzen ist, da sich eher zentral gesteuerte Modelle durchsetzen.
- Quote paper
- Sebastian Poncé (Author), 2005, Bahnreform: Spartentrennung und Privatisierungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39642