Anhand der Geschichtensammlung Cathedral (1983) lässt sich recht gut zeigen, welchen Wandel Carvers Geschichten insbesondere im Vergleich zu seinem vorigen Buch What We Talk About When We Talk About Love (1981)1 durchgemacht haben. Im späteren Band, Cathedral, sind sowohl Geschichten, die den vertrauten und düsteren Charakter der früheren Kurzgeschichten beibehalten, als auch solche, die sozusagen ein „neues“ positiveres Format aufweisen, das es gilt zu untersuchen. Mit Cathedral hat Carver meines Erachtens eine stilistische Bandbreite erreicht, die weit über den Minimalismus früherer Tage hinausgeht.
Diese Arbeit ist zweigeteilt. Sie wird zunächst die Stimmung der Carver-Geschichten generell analysieren und auf die Lebenssituation der Charaktere zurückführen, wobei die Geschichte „Preservation“ näher beleuchtet werden soll, welche ich als exemplarisch für den düsteren Ton und die Passivität der Charaktere in Carvers Geschichten ansehe. Im zweiten Teil wird besagter Wandel Carvers anhand der beiden inhaltsverwandten Geschichten „The Bath“ und „A Small, Good Thing“, die aus unterschiedlichen Schaffensperioden Carvers stammen, näher beleuchtet. Den Anspruch einer „in depth“-Analyse der genannten Fragestellung kann diese Arbeit nicht erheben, da dies den Rahmen sprengen würde. An vielen Stellen kann deswegen bedauerlicherweise nur an der Oberfläche gekratzt werden. Jedoch ist dieses Thema so ergiebig, dass auch eine unvollständige Analyse, wie die gegenwärtige, bereits zu interessanten Ergebnissen führen wird und eventuell Anstoß für weitere Analysen in diese Richtung geben kann.
Inhaltsverzeichnis
- I. EINLEITUNG
- II. CARVERS UNIVERSUM DER „,MODERNISIERUNGSVERLIERER”
- 2.1. Bestandsaufnahme
- 2.2. Passivität und Lethargie
- III. DER WANDEL
- 3.1. Biographische Bezüge
- 3.2. Konkret: Der Wandel anhand „The Bath” und „A Small, Good Thing”
- IV KONKLUSION UND AUSBLICK
- V LITERATURLISTE
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Wandel in Raymond Carvers Kurzgeschichten, insbesondere im Vergleich zwischen seinen Sammlungen What We Talk About When We Talk About Love (1981) und Cathedral (1983). Der Fokus liegt auf der Entwicklung der Grundstimmung und der Darstellung der Charaktere. Dabei wird die Frage nach dem Einfluss der persönlichen Entwicklung Carvers auf seine literarische Arbeit beleuchtet.
- Die Lebenssituation der Arbeiterklasse in Carvers Geschichten
- Die Darstellung von Passivität und Lethargie bei Carvers Charakteren
- Die Veränderung des Tons in Carvers Geschichten nach Cathedral
- Der Einfluss von Carvers Biographie auf seine literarische Arbeit
- Die Rolle von Kommunikation und Selbstreflexion in Carvers Geschichten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und erläutert die Vorgehensweise. Sie verweist auf die Bedeutung von Cathedral als Wendepunkt in Carvers Schaffen und kündigt die bevorstehende Analyse der Grundstimmung und der Charaktere an.
Kapitel II beschäftigt sich mit der Grundstimmung in Carvers Kurzgeschichten, die durch einen düsteren Ton und die Darstellung des Lebens der Arbeiterklasse geprägt ist. Es wird auf die Passivität und Lethargie der Charaktere eingegangen und ihre scheinbare Unfähigkeit, ihre Situation zu ändern, beleuchtet. Carvers eigene Biografie und seine Rolle als Beobachter der Lebensrealität dieser Menschen werden ebenfalls thematisiert.
Kapitel III untersucht den Wandel in Carvers Geschichten anhand der beiden Geschichten „The Bath“ und „A Small, Good Thing“. Diese Geschichten stammen aus unterschiedlichen Schaffensperioden und veranschaulichen die Entwicklung der Grundstimmung und der Charaktere in Carvers Werk.
Schlüsselwörter
Raymond Carver, Kurzgeschichte, Minimalismus, Arbeiterklasse, Passivität, Lethargie, Grundstimmung, Wandel, Kommunikation, Selbstreflexion, „Cathedral”, „What We Talk About When We Talk About Love”, „The Bath”, „A Small, Good Thing”, „Preservation”, „The Bridle”
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich die Sammlung "Cathedral" von Carvers früheren Werken?
In "Cathedral" zeigt Carver eine größere stilistische Bandbreite. Während frühere Werke rein minimalistisch und düster waren, finden sich hier auch positivere Formate und Ansätze von Selbstreflexion.
Was ist mit Carvers "Universum der Modernisierungsverlierer" gemeint?
Es beschreibt die Lebensrealität der amerikanischen Arbeiterklasse in seinen Geschichten, die oft von Passivität, Lethargie und einer scheinbaren Ausweglosigkeit geprägt ist.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in Carvers Kurzgeschichten?
Kommunikation – oder oft das Scheitern derselben – ist ein zentrales Thema. Die Arbeit untersucht, wie sich die Fähigkeit der Charaktere zur Kommunikation im Laufe seines Schaffens verändert.
Welchen Einfluss hat Carvers Biografie auf seine Texte?
Die Arbeit beleuchtet biographische Bezüge, insbesondere wie Carvers persönliche Entwicklung seine literarische Darstellung der Grundstimmung und der Charaktere beeinflusst hat.
Welche Kurzgeschichten werden detailliert analysiert?
Besonders im Fokus stehen die Geschichten "Preservation" als Beispiel für den düsteren Ton sowie ein Vergleich zwischen "The Bath" und "A Small, Good Thing".
- Quote paper
- Michael Reichmann (Author), 2005, Raymond Carver: Eine Studie zum 'minimalen' Wandel in der Grundstimmung seiner Kurzgeschichten ab "Cathedral", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39477