Wenn man indessen jedoch fragt: ‚Was sind typische Probleme und was sind erfolgreiche Lösungen in der Schule?’ fällt es einem jeden Lehrer leichter, für die jeweiligen Probleme „Beispiele“ zu finden, als solche für Lösungen. Demgemäß konnten auch bspw. zwei große Untersuchungen zur Arbeitssituation von Lehrern entsprechend zeigen, dass alle Lehrer folgende Bedingungen als stärkste Belastungen empfanden: 1. schwierige Schüler, 2. Klassenstärke, 3. Stundenzahl. Siehe jedoch: Auch hier werden wiederrum „nur die Phänomene/ Symptome“ benannt, aber keine Lösungen! „Liegt das in der Natur der Sache oder an unserer Denkweise?“ (Hubrig & Herrmann, 2005) So kann man in der Schule wiederrum beobachten, dass Lehrer - die mit schwierigen Schülern zu tun haben - häufig Ideen entwickeln, wie: „Woran das liegen könnte, oder wer oder was „Schuld“ daran ist.“
„Wer lebt, stört.“ (Tankred Dorst)
Doch muss man wirklich für die Lösung eines Problems seine Ursachen kennen? Und sind Schuldzuweisungen in diesem Sinne eher nicht hinderlich?
Gegenstand dieser Arbeit wird es indessen sein, in diesem Zusammenhang die Frage zu klären, ob bzw. inwiefern Lehrer, bei einem problematischen Schülerverhalten, von einem systemischem Denken und Handeln in ihrem Unterricht profitieren können.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Symptome im Schulalltag
- Die Wahrnehmung/ Interpretation der Symptome aus Lehrersicht
- Sowie dessen Einfluss, auf die pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung
- Das Konfliktpotenzial zweier unterschiedlicher Beobachterinteressen
- Systemisches Denken über Symptome - Konfliktlösung in der Schule
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, ob und inwiefern Lehrer bei problematischem Schülerverhalten von einem systemischen Denken und Handeln im Unterricht profitieren können. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie die Wahrnehmung von Symptomen durch Lehrer die pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung beeinflussen kann.
- Die Rolle der Lehrerperspektive bei der Wahrnehmung und Interpretation von Schülerverhalten
- Die Auswirkungen von Schuldzuweisungen und Ursachenfokussierung auf die Lösung von Problemen im Unterricht
- Die Bedeutung von Ressourcenorientierung und systemischem Denken für eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung
- Die Herausforderungen und Möglichkeiten der Konfliktlösung im schulischen Kontext
- Die Bedeutung von systemischem Denken für die pädagogische Praxis
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeit ein und stellt die Bedeutung der Konfliktlösung in der Schule in den Vordergrund. Sie beleuchtet die Schwierigkeit, Lösungen für schulische Probleme zu finden und weist auf die weitverbreitete Tendenz hin, Symptome zu benennen, ohne jedoch die Ursachen genauer zu analysieren.
Symptome im Schulalltag
Dieses Kapitel befasst sich mit der Wahrnehmung und Interpretation von „problematischem Schülerverhalten“ aus Lehrersicht. Es wird deutlich, dass Lehrer häufig eine personale Ausrichtung einnehmen, die zu Schuldzuweisungen und einer Fokussierung auf Defizite des Schülers führt. Diese Perspektive kann negative Auswirkungen auf die pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung haben.
Die Wahrnehmung/ Interpretation der Symptome aus Lehrersicht
In diesem Abschnitt wird die Rolle der Lehrerperspektive bei der Wahrnehmung und Bewertung von Schülerverhalten untersucht. Es wird argumentiert, dass die typischen Aufgaben eines Lehrers - wie die Bewertung von Leistungen, Korrektur von Verhalten und Aussortierung von schwachen Schülern - zu einer Typisierung von Schülern als „Problemschüler“ führen können.
Sowie dessen Einfluss, auf die pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung
Dieser Abschnitt beleuchtet die Auswirkungen des Schuldzuweisenden Denkens auf die pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung. Es wird deutlich, dass die Fokussierung auf Defizite des Schülers dazu führt, dass seine Ressourcen übersehen werden. Dies kann zu einer negativen Dynamik in der Beziehung führen und die Lösung von Konflikten erschweren.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema problematisches Schülerverhalten, Unterrichtsstörungen, systemisches Denken, Konfliktlösung, Lehrerperspektive, pädagogische Beziehung, Schuldzuweisung, Ressourcenorientierung und Konfliktpotenzial.
Häufig gestellte Fragen
Was wird unter systemischem Denken im Schulkontext verstanden?
Systemisches Denken betrachtet problematisches Schülerverhalten nicht als isoliertes Defizit eines Einzelnen, sondern als Teil einer Beziehungsdynamik, bei der Lösungen wichtiger sind als die reine Ursachen- oder Schuldsuche.
Welche Faktoren belasten Lehrer laut Untersuchungen am stärksten?
Die drei größten Belastungsfaktoren für Lehrkräfte sind schwierige Schüler, die Klassenstärke und die hohe Stundenzahl.
Warum sind Schuldzuweisungen bei Unterrichtsstörungen oft hinderlich?
Schuldzuweisungen führen zu einer Fokussierung auf Defizite und übersehen vorhandene Ressourcen. Dies erschwert die Lösung des Konflikts und belastet die pädagogische Beziehung zusätzlich.
Wie beeinflusst die Lehrerperspektive die Wahrnehmung von Schülern?
Durch Aufgaben wie Bewerten und Korrigieren neigen Lehrer oft zu einer Typisierung, die Schüler schnell als "Problemschüler" abstempelt, was eine objektive Konfliktlösung erschweren kann.
Muss man die Ursachen eines Problems kennen, um es zu lösen?
Die Arbeit hinterfragt dies kritisch und legt nahe, dass im systemischen Ansatz die Orientierung an Lösungen und Ressourcen effektiver sein kann als die reine Analyse vergangener Ursachen.
- Quote paper
- Sabine Schmidt (Author), 2017, Vom Konflikt zur Kooperation. Systemisches Denken über Symptome. Problematisches Schülerverhalten/ Unterrichtsstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384900