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Das mittelalterliche Städtewesen zur Zeit der Hohenstaufer

Titel: Das mittelalterliche Städtewesen zur Zeit der Hohenstaufer

Seminararbeit , 2004 , 25 Seiten , Note: sehr gut (1,0)

Autor:in: Nicolai Clarus (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es gibt wohl nur wenige Forschungsbereiche, die sich ihrer Erschließung so sehr zu erwehren vermögen, wie das Thema der Stadt im Mittelalter. Die praktischen Gründe hierfür sind naheliegend: Städte sind dynamische Zentren pulsierenden Lebens, sie überdauern die Jahrhunderte nicht in statischen Zuständen gleich bleibender Größe, Form und Bebauung. Nur in den wenigsten europäischen Städten wird man heute noch Reste der wirklich mittelalterlichen Bebauung vorfinden können. Gebäude verfielen, wurden abgerissen oder renoviert, fielen Bränden und Bombardements zum Opfer. Die Fundamente dieser Gebäude wurden im Laufe der Zeit immer wieder überbaut, so dass zum heutigen Zeitpunkt in den meisten Fällen nichts mehr an das mittelalterliche Stadtbild erinnert.1 Ausgenommen von diesem Prozess sind häufig lediglich die städtischen Sakralbauten, die, obwohl auch sie im Laufe der Jahrhunderte äußerliche und innerliche Veränderungen erfahren haben, zumindest noch im Kern Bauelemente des Mittelalters enthalten und noch immer an derselben Stelle stehen, wie zum Zeitpunkt ihrer Errichtung. Dieser zweite Gesichtspunkt ist es, der für die Erforschung der mittelalterlichen Stadt häufig von unschätzbarem Wert ist, da Kirchenbauten schon im Mittelalter als Repräsentationsbauten einzelner Stadtviertel galten und als solche zumeist im Zentrum der Bebauung situiert waren. Dem Erforscher der mittelalterlichen Stadtstrukturen, sei er nun Archäologe, Bauforscher oder Kunsthistoriker, wird somit zumindest ein erster Ansatzpunkt geliefert. 1 KRUML, Milos: Die mittelalterliche Stadt als Gesamtkunstwerk und Denkmal, Wien: VWGÖ 1992 (Dissertationen der technischen Universität Wien, 51), S. 79; MECKSEPER, Cord: Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1982, S. 105.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kontroversen um die mittelalterliche Stadt

2.a) Forschungsansätze

2.b) Fragestellung

3. Das mittelalterliche Welt- und Stadtbild

4. Stadtgründungen im „staufischen Jahrhundert“

5. Elemente der mittelalterlichen Stadt

5.a) Das Hofstättensystem

5.b) Straßensysteme

5.c) Der Stadtumriss

6. Die Stadtgründung in der Praxis

7. Städtische Wohnbauten

7.a) Holzbauten

7.b) Steinbauten

8. Öffentliche Bauten

8.a) Die Stadtmauer

8.b) Markt- und Wirtschaftsbauten

9. Aufstieg und Niedergang mittelalterlicher Städte

9.a) Lübeck: Vom Burgwall zur Handelsmetropole

9.b) Mailand: Vom Machtzentrum zum Schutthaufen

10. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit sich in den Städtegründungen der Stauferzeit eine bewusste Programmatik der Herrscher widerspiegelt und ob diese Städte primär als ökonomische Gefüge oder als künstlerische Denkmäler politischer Ambitionen zu verstehen sind.

  • Analyse mittelalterlicher Weltbilder und deren Einfluss auf den Städtebau.
  • Untersuchung der staufischen Städtepolitik und ihrer strategischen Motive.
  • Darstellung baulicher Grundelemente wie Hofstätten, Straßensysteme und Stadtbefestigungen.
  • Kontrastive Fallstudien zur Entwicklung von Lübeck und Mailand.
  • Kritische Reflexion über die Planbarkeit und Durchführung mittelalterlicher Stadtgründungen.

Auszug aus dem Buch

a) Forschungsansätze

Das Stichwort „Ansatzpunkt“ führt sodann auch zum zweiten generellen Problem der Erforschung dieses Themenbereichs. Die Stadt im Mittelalter ist ein interdisziplinäres Thema und bietet als solches ein exzellentes Diskussionsforum für all diejenigen Vertreter ihres Fachbereichs, die ihre eigene Herangehensweise an das Thema als einzig richtigen Ansatz gegenüber allen anderen Methoden verteidigen zu müssen glauben.

So geht etwa der topographische Ansatz davon aus, dass allein die Lage der Stadt innerhalb bestimmter geographischer Gegebenheiten, wie etwa der Lage zum Meer, an Flüssen oder anderen wichtigen Verkehrsadern ihre Bedeutung ausmache, da die Situierung über Aufstieg und Niedergang einer Stadt entscheide. Der ökonomische Ansatz stellt hingegen den Markt als zentrales Merkmal der Stadtentwicklung heraus, da dieser als Anziehungspunkt für örtliche Handwerker und Fernhändler die wirtschaftliche Entwicklung, und somit die Bedeutung der ganzen Stadt bestimme. Der Sozialwissenschaftliche Ansatz ist geprägt vom Gemeindebegriff des Politologen Max Weber. Ihm zufolge führt der Freiheitsdrang der Städter zur Bildung von Genossenschaften, wodurch sich ein Verbundscharakter einstelle, der schließlich in einer teilweisen Autonomie der Städte münde, die ihre gesellschaftliche Bedeutung ausmache. Problematisch gestaltet sich auch der Versuch, die Bedeutung der Stadt an ihrer mittelalterlichen Terminologie festzumachen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Schwierigkeiten bei der Erforschung mittelalterlicher Stadtstrukturen aufgrund ständiger baulicher Überformungen und hebt die Bedeutung erhalten gebliebener Sakralbauten als Ausgangspunkte hervor.

2. Kontroversen um die mittelalterliche Stadt: Das Kapitel diskutiert verschiedene interdisziplinäre Forschungsansätze sowie die übergeordnete Fragestellung, ob staufische Städte als Instrumente politischer Programmatik zu deuten sind.

3. Das mittelalterliche Welt- und Stadtbild: Hier werden die hierarchischen Grundsätze des mittelalterlichen Weltbildes und deren Übertragung auf das Ideal einer symmetrischen, ordnungsgemäßen Stadtstruktur dargelegt.

4. Stadtgründungen im „staufischen Jahrhundert“: Dieser Abschnitt beleuchtet die ökonomischen und territorialen Beweggründe für die Wellen von Stadtgründungen und Stadtrechtsverleihungen unter den Staufern.

5. Elemente der mittelalterlichen Stadt: Das Kapitel definiert die wesentlichen Bestandteile einer planmäßigen Stadtanlage, namentlich das Hofstättensystem, das Straßennetz und den Stadtumriss.

6. Die Stadtgründung in der Praxis: Es wird die Frage aufgeworfen, wie Stadtgründungen technisch und organisatorisch umgesetzt wurden, wobei die Rolle der Lokatoren und spezialisierter Arbeitskräfte im Vordergrund steht.

7. Städtische Wohnbauten: Hier wird die Entwicklung vom mobilen Holzhaus zum steinernen Bürgerhaus sowie die soziale und tätigkeitsbezogene Differenzierung innerhalb der Stadtbevölkerung beschrieben.

8. Öffentliche Bauten: Dieses Kapitel behandelt die strategische und symbolische Bedeutung der Stadtmauer sowie die Entwicklung von Markt- und Wirtschaftsbauten.

9. Aufstieg und Niedergang mittelalterlicher Städte: Anhand der Fallstudien Lübeck und Mailand werden die unterschiedlichen Entwicklungsverläufe von der Handelsniederlassung zur freien Stadt beziehungsweise die Eskalation eines Konflikts mit der Kaisermacht analysiert.

10. Fazit: Die Zusammenfassung resümiert, dass sich kein einheitlicher staufischer Stadtgründungsstil nachweisen lässt, wohl aber eine bewusste Herausbildung der Stadt als Machtfaktor und Rechtsbereich in dieser Epoche.

Schlüsselwörter

Stauferzeit, Stadtgründung, Städtepolitik, Mittelalter, Stadtbau, Hofstättensystem, Stadtmauer, Lübeck, Mailand, Stadtrecht, Zähringer, Friedrich Barbarossa, Stadtentwicklung, Herrschaftssicherung, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die staufische Städtepolitik des Mittelalters und die Frage, ob hinter den damaligen Stadtgründungen ein planmäßiges, politisches Programm der Herrscher stand.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind der mittelalterliche Städtebau, die ökonomischen Motive der Stadtgründungen, die Rolle der Rechtsprechung und die symbolische Bedeutung städtischer Architektur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob sich eine Programmatik der Stadtgründer erkennen lässt, die über rein wirtschaftliche Interessen hinausgeht und die Stadt als Denkmal für das politische Programm des Herrschers definiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine interdisziplinäre historische Untersuchung, die archäologische Erkenntnisse, schriftliche Überlieferungen und kunstgeschichtliche Ansätze vergleichend auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konstitutive Elemente wie Hofstätten und Stadtmauern, die praktische Umsetzung von Stadtgründungen sowie die unterschiedlichen Entwicklungen von Lübeck und Mailand.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Stauferzeit, Städtepolitik, Stadtgründung, Stadtrecht, Stadtbau, Autonomie und das Verhältnis zwischen Herrscher und Bürgergemeinde.

Wie unterscheidet sich die Entwicklung von Lübeck und Mailand?

Lübeck entwickelte sich unter den Welfen und Staufern erfolgreich von einer slawischen Siedlung zur bedeutenden Handelsmetropole, während Mailand aufgrund seiner aggressiven Expansionspolitik in eine zerstörerische Konfrontation mit Kaiser Friedrich Barbarossa geriet.

Warum wird die Stadtmauer als mehr als ein Verteidigungsbauwerk gesehen?

Die Stadtmauer diente nicht nur dem Schutz gegen Angriffe, sondern war auch ein zentrales Symbol für die Rechtsgrenze und die teilweise Autonomie der städtischen Bürgergemeinde gegenüber dem Umland.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das mittelalterliche Städtewesen zur Zeit der Hohenstaufer
Hochschule
Universität Hamburg  (Kunstgeschichtliches Seminar)
Veranstaltung
Staufische Architektur in Italien und Deutschland
Note
sehr gut (1,0)
Autor
Nicolai Clarus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V38426
ISBN (eBook)
9783638374934
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städtewesen Zeit Hohenstaufer Staufische Architektur Italien Deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nicolai Clarus (Autor:in), 2004, Das mittelalterliche Städtewesen zur Zeit der Hohenstaufer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38426
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Leseprobe aus  25  Seiten
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