Wenn vom "Pulverfass Balkan" die Rede ist, dann wird gemeinhin von den Konflikten und von dem möglichen Konfliktpotential der Völker und Staaten auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien gesprochen. Dieses Klischee scheint in starkem Maße die abwertende und zum verächtlichen neigende mitteleuropäische Haltung zu diesen Völkern zu kennzeichnen. Bismarck will 1878 auf dem Berliner Kongress noch das "orientalische Geschwür" heilen , für Hans-Peter Schwarz ist es ein "tribalistischer Nationalismus" und die Süddeutsche Zeitung schreibt mit großer Selbstverständlichkeit von den "wild gewordenen albanischen Nationalisten" und "wild gebliebenen Serben und Kroaten" . Solche arroganten und respektlosen Redensarten sind jedoch nicht angebracht, zumal auf stereotypierenden Niveau verstellen sie allzu leicht den Blick für eine qualifizierte Beurteilung komplexer Geschehen, wie die vergangenen elf Jahre es oft genug gezeigt haben.
Gestützt auf wissenschaftlicher Literatur, als auch auf Zeitungsartikeln und Internetveröffentlichungen soll hier ein Teilaspekt der moderneren Konfliktgeschichte ausgeleuchtet werden. Die vorgelegte Arbeit wird sich im Folgenden mit dem Begriff des "Nationalismus" auseinander setzen, einen Abriss der modernen Konfliktgeschichte liefern, dies am Beispiel der Geschichte Kroatiens verdeutlichen und am Schluss mit einem Fazit enden.
Inhaltsverzeichnis
- Das Pulverfass Balkan
- Die multiethnische Gesellschaft und ihr Zerfall
- Zur Gesellschaftsstruktur Jugoslawiens
- Definition des Begriffes „Nationalismus“
- Nationalismus und Gewalt
- Eskalation und Kriegsverbrechen
- Kroatiens Weg zur Nation
- Der historische Rahmen
- Die Herausbildung des kroatischen Nationalismus
- Nationale Konsolidierung
- Krieg, Nachkriegsordnung und Separation
- Radikalisierung und Ustaša
- Der „Kroatische Frühling“
- Der Weg in die Unabhängigkeit
- Die Notwendigkeit einer neuen Sichtweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Geschichte des Zerfalls Jugoslawiens und der Entstehung des kroatischen Nationalstaats. Sie analysiert den Einfluss des Nationalismus auf die Konfliktdynamik und beleuchtet die Rolle der Gewalt in diesem Prozess.
- Die multiethnische Gesellschaft Jugoslawiens und deren Zerfall
- Die Bedeutung des Nationalismus als treibende Kraft des Konflikts
- Die Eskalation von Gewalt und die Rolle von Kriegsverbrechen
- Die Entwicklung des kroatischen Nationalismus und die Konsolidierung der Nation
- Der Krieg, die Nachkriegsordnung und die Seperation Kroatiens
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel behandelt das Klischee vom „Pulverfass Balkan“ und betrachtet die historischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien. Es kritisiert dabei den abwertenden Blick Mitteleuropas auf die südosteuropäischen Völker und die Gefahr der Stereotypisierung in der Beurteilung komplexer Ereignisse.
Kapitel 2 analysiert die multiethnische Struktur der jugoslawischen Gesellschaft und deren Zerfallsprozess. Es beleuchtet die Schwierigkeit, ethnisch homogene Staaten in der Region zu schaffen, und die Rolle des Nationalismus im Konfliktverlauf. Außerdem werden unterschiedliche Definitionen des Begriffs „Nationalismus“ vorgestellt und die Eskalation von Gewalt im Kontext des Nationalismus analysiert.
Kapitel 3 widmet sich dem historischen Hintergrund und der Entstehung des kroatischen Nationalismus. Es betrachtet die Herausbildung der kroatischen Nation und die Konsolidierung im Laufe der Geschichte.
Kapitel 4 beleuchtet den Verlauf des Krieges, die Nachkriegsordnung und die Seperation Kroatiens. Es geht auf die Radikalisierung und die Rolle der Ustaša ein sowie auf den „Kroatischen Frühling“ und den Weg in die Unabhängigkeit.
Schlüsselwörter
Die Arbeit behandelt die Schlüsselthemen Nationalismus, Multiethnizität, Gewalt, Konflikt, Zerfallsprozess, Jugoslawien, Kroatien, Geschichte, Ustaša, „Kroatischer Frühling“ und Seperation.
- Quote paper
- Felix Hessmann (Author), 2002, Der Zerfall Jugoslawiens und die Entstehung des kroatischen Nationalstaats, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3816