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Anarchismus als Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft

Titel: Anarchismus als Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 31 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Jasmin Becker (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Was ist eigentlich Anarchismus? Die Antwort auf diese Frage wird häufig so gefaßt, daß
der Begriff des Anarchismus als Bezeichnung für gefährliche, abwegige, die Zivilisation
bedrohende Ideologien schlechthin dienen kann. „In jeder Tasche eine Bombe, angefüllt
mit Dynamit, den Mordstahl in der einen, die Brandfackel in der anderen Hand - so stellt
sich ein Gegner des Anarchismus in der Regel einen Anarchisten vor. Er erblickt in ihm
einen Menschen, der, halb Narr, halb Verbrecher, nichts weiter im Sinn hat als die
Ermordung eines jeden, der nicht seiner Meinung ist, und dessen Ziel der allgemeine
Wirrwarr, das Chaos ist.“ Diese Worte des Anarchisten Johann Most scheinen immer
noch die Vorstellung dessen, was ein Anarchist ist zu prägen.
Deshalb soll im folgenden erörtert werden, was Anarchismus wirklich bedeutet. Da man
sich zum Verständnis des Anarchismus nicht auf eine Strömung innerhalb der
Theorie-Richtungen beschränken kann, werden hier die verschiedenen Strömungen
kurz vorgestellt. Außerdem wird die Geschichte des Anarchismus beschrieben und es
werden einige der bekanntesten Anarchisten kurz vorgestellt.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Ideale des Anarchismus

3. Strömungen des Anarchismus

3.1. Individual-Anarchismus

3.2. Sozial-Anarchismus

3.3. Anarcho-Kommunismus

3.4. Anarcho-Pazifismus

3.5. Anarcho-Sozialismus

3.6. Anarcho-Syndikalismus

3.7. Anarcho-Liberalismus

4. Geschichte des Anarchismus

4.1. Die Anfänge

4.2. Die Internationale

4.3. Die Zeit der Propaganda durch die Tat

4.4. Anarchismus nach 1890

4.5. Der spanische Anarchismus

4.6. Der Anarchismus nach dem Zweiten Weltkrieg

5. Bedeutende Anarchisten

5.1. William Godwin

5.2. Max Stirner

5.3. Pierre Proudhon

5.4. Michael Bakunin

5.5. Peter Kropotkin

5.6. Johann Most

6. Schluß: Anarchismus - soziale Utopie oder Hoffnungsschimmer?

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen des Anarchismus als Philosophie der herrschaftsfreien Gesellschaft und setzt sich kritisch mit dessen historischen Strömungen, bedeutenden Vordenkern sowie dem theoretischen Potenzial anarchistischer Utopien für die heutige Zeit auseinander.

  • Historische Herleitung und Definition anarchistischer Ideale.
  • Differenzierung der verschiedenen theoretischen Strömungen des Anarchismus.
  • Analyse der Geschichte der anarchistischen Bewegung, inklusive ihrer Krisen.
  • Biografische Skizzierung einflussreicher Persönlichkeiten.
  • Reflektion über die Relevanz des Anarchismus in modernen Konsumgesellschaften.

Auszug aus dem Buch

3.1. Individual-Anarchismus

Die bedeutendsten Vertreter diese Schule waren William Godwin(1756-1846) und Max Stirner (1806-1856).

Godwins Ziel war eine Einheit von sozialer Gerechtigkeit und individuellem Glück. Er nahm die Formbarkeit des Individuums durch Ideen an und lehnte jeden Zwang und jede Gleichmacherei ab. Die Freiheit sei so unlösbar an das Individuum gebunden, daß mit diesem auch die Gesellschaft in Fesseln liegt. Er lehnte die Staatsgewalt ab nicht ohne zu begreifen, daß sie sich nur in einer mündigen Gesellschaft erübrigen kann. Jede Zusammenarbeit über das Notwendige hinaus ist seiner Meinung nach freiheitsbeschränkend. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen sollten auf ein Minimum beschränkt werden, um ihren Konfliktstoff maximal zu entschärfen. Selbst die Familie sollte aufgelöst werden. In seinem Hauptwerk „Untersuchung über politische Gerechtigkeit“ (1793) erwog er die Abschaffung des Privateigentums, aber nicht zur gemeinschaftlichen Nutzung, sondern nur um es den sozial Bedürftigen zugänglich zu machen: „Alles, was man gewöhnlich unter Kooperation versteht, ist in gewissem Maße von Übel... Wir können nicht in den Gleichklang von Uhren gezwungen werden.“

Max Stirner trieb den Individual-Anarchismus noch weiter. Nur der zum einzigen gesteigerte Einzelne könne sein eigener Schöpfer statt nur ein Geschöpf sein. Statt sich für eine fremde Sache aufzuopfern soll der Mensch lieber ein Egoist sein, der jenseits von Gut und Böse steht. Jede äußere Herrschaft sei von einer inneren Herrschaft und jeder Zwang von freiwilliger Knechtschaft begleitet und nur wenn die Knechtschaft überwunden wird, läßt sich auch die Herrschaft abwälzen. Er kritisiert, daß das eigentlich Persönliche zur reinen Privatsache gemacht wird: „Das Bürgertum ist nichts anderes als der Gedanke, daß der Staat, alles in allem, der wahre Mensch sei, und des Einzelnen Menschenwert darin bestehe, ein Staatsbürger zu sein.“ Der Individual-Anarchismus war am weitesten in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Frankreich und Deutschland verbreitet und 1919/20 bildete sich weitgehender Organisationsfeindlichkeit zum Trotz eine individualanarchistische Internationale, die zwei europäische Konferenzen durchführte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung hinterfragt die verbreitete Stigmatisierung des Anarchismus als Synonym für Chaos und Gewalt und skizziert den Plan, die verschiedenen Strömungen und historischen Akteure objektiv vorzustellen.

2. Ideale des Anarchismus: Dieses Kapitel definiert den Anarchismus als Philosophie der Freiheit und betont das Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der durch freie Vereinbarungen anstelle von staatlicher Autorität soziale Bedürfnisse befriedigt werden.

3. Strömungen des Anarchismus: Hier werden die theoretischen Spielarten, von Individual- bis zu Anarcho-Syndikalismus, detailliert dargestellt, um die Vielfalt der Ansätze hinsichtlich Organisation, Gewalt und Naturverständnis aufzuzeigen.

4. Geschichte des Anarchismus: Dieses Kapitel zeichnet die chronologische Entwicklung nach, von den antiken Anfängen über die Ära der „Propaganda durch die Tat“ bis hin zur Krise der Bewegung im 20. Jahrhundert und dem spanischen Anarchismus.

5. Bedeutende Anarchisten: Es werden die Lebensläufe und prägenden Werke der Schlüsselfiguren Godwin, Stirner, Proudhon, Bakunin, Kropotkin und Most porträtiert.

6. Schluß: Anarchismus - soziale Utopie oder Hoffnungsschimmer?: Das abschließende Kapitel reflektiert über die aktuelle Machtverschiebung durch Medien und Staat sowie die Frage, ob der Anarchismus als soziale Utopie in der modernen „Ellenbogengesellschaft“ noch Bedeutung besitzt.

Schlüsselwörter

Anarchismus, Herrschaftsfreiheit, Freiheit, Sozialismus, Geschichte, Individualanarchismus, Anarcho-Syndikalismus, Pierre Proudhon, Michael Bakunin, Peter Kropotkin, Staatstheorie, Utopie, soziale Bewegung, Selbstverwaltung, Autonomie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Ideengeschichte, der theoretischen Ausdifferenzierung und den bedeutenden Persönlichkeiten der anarchistischen Bewegung.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Freiheit und Herrschaftsfreiheit, die Abgrenzung von Staatsmacht sowie die Rolle des Individuums und der sozialen Organisation.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild des Anarchismus zu vermitteln, das über gängige Klischees von Gewalt und Chaos hinausgeht und dessen Potenzial als Utopie beleuchtet.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, welche klassische Texte der anarchistischen Theorie und historische Sekundärquellen auswertet und synthetisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der sieben Hauptströmungen, eine historische Übersicht der Bewegung von den Anfängen bis zur Nachkriegszeit sowie Kurzbiografien der wichtigsten Theoretiker.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Anarchismus, herrschaftsfreie Gesellschaft, soziale Utopie, Autonomie und politische Theorie beschreiben.

Welche Bedeutung hatte das Scheitern des Anarchismus in Spanien für die internationale Bewegung?

Der Zusammenbruch der spanischen Republik 1939 bedeutete eine vernichtende Niederlage, da der Anarchismus dort als einzige ernsthafte soziale Volksbewegung integriert war.

Warum sieht die Autorin im Anarchismus auch heute noch eine Chance?

Sie betrachtet den Anarchismus als eine inspirierende Utopie und „sozialen Mythos“, der trotz der heutigen Vereinzelung durch Konsum als moralischer Korrektiv zur aktuellen Politikverdrossenheit dienen kann.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Anarchismus als Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)  (Fachbereich Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Politische Philosophie
Note
sehr gut
Autor
Jasmin Becker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
31
Katalognummer
V37969
ISBN (eBook)
9783638371704
ISBN (Buch)
9783638654227
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anarchismus Idee Gesellschaft Politische Philosophie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jasmin Becker (Autor:in), 2004, Anarchismus als Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37969
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Leseprobe aus  31  Seiten
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