Kinder und Jugendliche wachsen in der heutigen Zeit in einer multimedialen Welt auf. Sie werden in einem weit größeren Maße mit einer Vielzahl von Medien konfrontiert, als das noch vor 20 Jahren der Fall gewesen ist. Das Angebot an Medien ist dabei reichhaltig: Bilderbücher, Hörkassetten mit Liedern und Geschichten, Computerspiele, Video- und Kinofilme für Kinder sind nur ein kleiner Teil dessen, was heutzutage angeboten wird.
Kein anderes Medium aber als das Fernsehen steht immer mehr im Interesse der Kinder und gibt daher auch Anlass zur Diskussion bei Eltern und Pädagogen. Der steigende Fernsehkonsum von Kindern und das mittlerweile reichhaltige Angebot der Sender an nicht immer kindgerechten Programmen lässt immer häufiger kritische Fragen nach möglichen Ursachen und negativen Folgen übermäßigen und unreflektierten Fernsehens aufkommen. Fernsehnutzung hat nämlich nicht nur bei den meisten Erwachsenen, sondern schon im Kindesalter einen festen Platz im Tagesablauf. Wie bedeutend der Fernsehkonsum mit den Jahren geworden ist zeigt sich z.B. anhand einer Untersuchung von Dieter Baacke zum Medienbesitz von 6-13jährigen im Jahr 1999 . Baacke differenziert darin nach verschiedenen Altersgruppen den Besitz von Medien in den Städten Halle und Bielefeld. Dabei fällt der Hauptanteil des Medienbesitzes von Jugendlichen unter den Bereich der auditiven Medien: zwei Drittel der 6jährigen besitzen bereits eine eigenen Kassettenrecorder oder CD-Player, an zweiter Stelle folgt das Radio. An dritter Stelle steht der eigene Fernseher. Schon 24,1% der 6jährigen haben ein eigenes Gerät in ihrem Zimmer stehen; bei den 12-13jährigen sind es schon 47,7%.
Im Folgenden soll nun näher auf das Medium Fernsehen eingegangen werden. Anhand grundlegender Eckdaten der Fernsehforschung soll gezeigt werden, wie und in welchem Umfang das Fernsehen im Alltag von Kindern eingebunden ist und welche Faktoren ihr Fernsehverhalten beeinflussen können. Darüber hinaus wird allgemein der Umgang von Kindern mit Fernsehinhalten dargestellt. Da Kinder mit dem Programmangebot der Sender auch immer Werbung konsumieren, soll im Weiteren auf Merkmale und Strategien der Werbeindustrie im Hinblick auf Kinder als spezielle Zielgruppe eingegangen werden. Als letzter Punkt sollen medienpädagogische Aspekte einen Weg weisen, wie man Kinder zu einem kritischen und verantwortungsbewussten Umgang mit Fernsehinhalten erziehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Medien im wachsendem Interesse von Kindern
2. Eckdaten der Fernsehnutzung von Kindern
2.1 Gesamtheit und Reichweite
2.2 Unterschiede bei den Geschlechtern
2.3 Sehdauer
2.4 Fernsehnutzung im Tagesablauf
2.5 Angebot an Sendern und Fernsehprogrammen
3. Weitere Faktoren, die den Fernsehkonsum beeinflussen
4. Der Umgang von Kindern mit Fernsehinhalte
5. Kinder und Werbung
6. Medienpädagogische Aspekte
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert des Mediums Fernsehen im Alltag von Kindern und analysiert, wie diese den Fernsehkonsum gestalten, welche Rolle Werbestrategien spielen und wie medienpädagogische Ansätze einen verantwortungsbewussten Umgang fördern können.
- Statistische Grundlagen zur Fernsehnutzung bei Kindern.
- Einflussfaktoren auf das Fernsehverhalten wie soziales Umfeld und Alter.
- Strategien der Werbeindustrie im Hinblick auf die Zielgruppe Kinder.
- Psychologische Prozesse der kindlichen Rezeption von Fernsehinhalten.
- Medienpädagogische Konzepte zur Stärkung der Medienkompetenz.
Auszug aus dem Buch
4. Der Umgang von Kindern mit Fernsehinhalten
Das Fernsehen und Medien generell werden oft als Gefahr für Kinder dargestellt. Da sie in ihrem Werte- und Normengefüge noch sehr formbar sind, unterstellt man eine besondere Wirksamkeit von Medieneinflüssen, die meist als negativ für die Entwicklung angesehen wird. Ausgehend von dieser Annahme werden simple Wirkungsbehauptungen aufgestellt, wie zum Beispiel, dass Medien Kinder verderben und eine zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft bewirken. Tatsächlich aber lässt sich nicht alles schlechte dieser Gesellschaft auf die Medien schieben, da diese nur einen Teil derselben ausmachen und somit auch nicht allein für bestehende Merkmale sondern lediglich unter anderem dafür verantwortlich sein können.
An dieser Stelle wird eine sachliche Betrachtung und Diskussion der bzw. über die Bedeutung von Medien und deren Einflussmöglichkeiten sowie eine kritische Einstellung dazu notwendig.
Um zu Aussagen über die Wirkung von Fernsehinhalten auf Kinder zu gelangen ist es zunächst wichtig, sich mit den kindlichen Rezeptionsprozessen der konsumierten Programme zu befassen, da dieser Umgang von Kindern mit Fernsehinhalten die Voraussetzung für etwaige Wirkungen bildet. „Der Schlüssel zu Einflüssen, die etwa Fernsehinhalte auf Kinder haben können, liegt in den Rezeptionsprozessen. Von ihnen hängt es ab, welche Inhalte Kinder wahr- und aufnehmen, welche Bedeutung sie ihnen für eigene Vorstellungen, Wünsche und Handeln zumessen, und wie sie mit ihnen umgehen, welche sie verwerten und mit welchen sie nicht fertig werden“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Medien im wachsendem Interesse von Kindern: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Medien in der Lebenswelt von Kindern und definiert das Ziel der Arbeit, den Umgang mit Fernsehen und Werbung zu analysieren.
2. Eckdaten der Fernsehnutzung von Kindern: Dieses Kapitel liefert quantitative Daten zur Reichweite, Sehdauer und den zeitlichen Abläufen der Fernsehnutzung in unterschiedlichen Altersgruppen.
3. Weitere Faktoren, die den Fernsehkonsum beeinflussen: Es wird untersucht, wie familiäre Strukturen, das soziale Milieu und Betreuungssituationen das Fernsehverhalten von Kindern prägen.
4. Der Umgang von Kindern mit Fernsehinhalte: Dieser Abschnitt analysiert die psychologischen Rezeptionsprozesse und wie Kinder das Fernsehen zur Orientierung und Identitätsbildung nutzen.
5. Kinder und Werbung: Das Kapitel befasst sich mit den Strategien der Werbeindustrie, der Wirkung von Werbespots auf Kinder und den rechtlichen Rahmenbedingungen.
6. Medienpädagogische Aspekte: Hier werden pädagogische Ansätze diskutiert, wie Kinder zu einer kritischen Reflexion und einem selbstbestimmten Umgang mit dem Medium befähigt werden können.
7. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden gebündelt und die Rolle der Medienpädagogik als Orientierungshilfe für Kinder hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Kinderfernsehen, Mediennutzung, Medienpädagogik, Fernsehwerbung, Medienkompetenz, Rezeptionsprozess, Zielgruppe Kinder, Identifikationsangebote, Sozialisation, Werbestrategien, Sehdauer, Mediensozialisation, Programmangebot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Stellenwert des Fernsehens im Leben von Kindern und untersucht dabei sowohl statistische Nutzungsdaten als auch die Art und Weise, wie Kinder Fernsehinhalte und Werbung verarbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die quantitativen Eckdaten zur Fernsehnutzung, der Einfluss des sozialen Umfelds, die psychologischen Mechanismen bei der Rezeption von Inhalten und die Analyse von Werbepraktiken gegenüber Kindern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder mit Fernsehinhalten umgehen und welche medienpädagogischen Wege existieren, um Kinder zu einem kritischen und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Medium Fernsehen zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei sie auf Studien zu quantitativen Daten und pädagogische Fachliteratur (wie die von Helga Theunert) zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Nutzungsstatistiken, die Untersuchung von Einflussfaktoren auf den Konsum, die Darstellung der kindlichen Rezeption von Inhalten sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Fernsehwerbung und pädagogischen Lösungsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Medienpädagogik, Kinderfernsehen, Medienkompetenz, Rezeptionsprozess und Werbestrategien.
Welche Rolle spielt die Werbung bei der Fernsehnutzung von Kindern?
Werbung nutzt laut Arbeit oft emotionale Appelle und Zeichentrickfiguren, um Kinder als Zielgruppe zu erreichen. Da Kinder oft noch nicht zwischen Programm und Werbung unterscheiden können, ist eine kritische Begleitung durch Erwachsene essenziell.
Wie nutzen Kinder Fernsehen für ihre eigene Entwicklung?
Laut der Arbeit nutzen Kinder das Fernsehen nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als Orientierungshilfe, um soziale Rollen zu erproben und für ihre eigene Identitätsbildung passende Vorbilder zu finden.
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- Marlen Schieler (Author), 2002, Kinder und das Medium Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37967