Im Zuge der Bildungsreformen der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Benachteiligung der Mädchen im allgemeinbildenden Schulsystem nach und nach aufgehoben. Mittlerweile haben die Mädchen die Jungen hier sogar überflügelt, was sich in anteilig höheren Quoten beispielsweise des Gymnasiumbesuchs oder der Höhe der Schulabschlüsse niederschlägt. Auffällig ist jedoch, dass nach vor scheinbar geschlechtsspezifische Präferenzen, was Fächer- und Berufswahl angehen, sehr deutlich in Erscheinung treten. Studien wie PISA und TIMSS zeigen außerdem auf, dass sich spätestens ab der Sekundarstufe I auch Leistungsunterschiede in den sogenannten MINT1-Fächern zuungunsten der Mädchen feststellen lassen. Im Ergebnis scheinen Mädchen ihren Vorteil aus dem allgemeinbildenden Schulsystem nicht in Studium und Beruf zu transferieren, indem sie sich en gros auf wenige, traditionell weiblich konnotierte Ausbildungs- und Studiengänge beschränken, die dann im Berufsleben vergleichsweise schlechtere Verdienste und Karrieremöglichkeiten bieten. Dies wird im zweiten Kapitel der Arbeit referiert.
Im Zuge dieser Befunde einerseits, die weiterhin auf eine Ungleichheit qua Geschlecht hinweisen, und dem demographischen Wandel und allseits beklagten Fachkräftemangels andererseits, wurden nunmehr seit einigen Jahren Initiativen und Projekte ins Leben gerufen, die sich der Förderung von Mädchen im MINTBereich widmen. Durch verschiedene Maßnahmen soll den Mädchen der MINTBereich näher gebracht werden, ihnen die Scheu vor Fächer- und Berufswahl in diesem Bereich genommen werden.
Leitendes Forschungsanliegen dieser Arbeit soll nun sein, die Chancen und Grenzen dieser MINT-Förderung für Mädchen aus geschlechtertheoretischer Sicht auszuloten. Zielgruppe sind Mädchen der Sekundarstufe I.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Mädchen im allgemeinen Bildungssystem – kurzer historischer Rückblick und Bestandsaufnahme
- Empirische Befunde PISA, IGLU, TIMSS
- Konsequenzen für Studienfach- und Berufswahl
- Geschlechtertheorien
- Sozialisation im kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit
- Doing Gender
- Doing Gender im allgemeinbildenden Schulsystem
- Doing Gender seitens der Eltern
- Doing Gender seitens der Lehrkräfte
- MINT-Förderung für Mädchen – Chancen und Grenzen
- Das Beispiel Ada-Lovelace-Projekt Rheinland-Pfalz
- Empirische Befunde
- Entwicklung des Anteils der Studentinnen in den MINT-Fächern
- Evaluative Ergebnisse der Projektaktivitäten
- Chancen und Grenzen der MINT-Förderung aus geschlechtertheoretischer Sicht
- Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit befasst sich mit den Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen aus geschlechtertheoretischer Sicht. Zielgruppe der Arbeit sind Mädchen der Sekundarstufe I. Die Arbeit analysiert die bestehenden Ungleichheiten zwischen Mädchen und Jungen im MINT-Bereich und beleuchtet die Wirksamkeit von Fördermaßnahmen in Bezug auf die Überwindung dieser Ungleichheit.
- Geschlechterungleichheit im Bildungssystem
- Einfluss von Geschlechterrollenstereotypen auf die Wahl von MINT-Fächern
- MINT-Förderung für Mädchen: Chancen und Grenzen
- Analyse der Wirksamkeit von Förderprojekten
- Gendertheoretische Perspektive auf MINT-Bildung
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit führt in die Thematik ein und stellt das Problem der Geschlechterungleichheit im MINT-Bereich dar. Das zweite Kapitel analysiert die empirischen Befunde aus PISA, IGLU und TIMSS und zeigt die Auswirkungen der Ergebnisse auf die Studienfach- und Berufswahl von Mädchen auf. Das dritte Kapitel befasst sich mit relevanten Geschlechtertheorien, insbesondere der Sozialisation im kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit und dem Ansatz des „Doing Gender“. Das vierte Kapitel untersucht die Reproduktion von Geschlechterrollenstereotypen im familiären und schulischen Kontext der Sekundarstufe I. Das fünfte Kapitel stellt das Ada-Lovelace-Projekt Rheinland-Pfalz vor und analysiert die Chancen und Grenzen der MINT-Förderung aus geschlechtertheoretischer Sicht anhand empirischer Daten.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Themenbereiche MINT-Förderung, Geschlechterungleichheit, Doing Gender, Sozialisation, Bildungssystem, Mädchen, empirische Forschung, Studienfachwahl, Berufswahl und Ada-Lovelace-Projekt.
- Quote paper
- Simone Steiner (Author), 2015, Chancen und Grenzen der MINT-Förderung für Mädchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379461