Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern das Skateboarden in der DDR als informeller selbstbestimmter Sport als Protestform gegen den leistungsorientierten sozialistischen Einheitssport aufgefasst werden kann. Dabei soll Verständnis für das zugrundeliegende sozialistische Menschenbild geschaffen werden, um anschließend die Rolle des Sports darin aufzuzeigen. Dem folgt die Beschreibung der Strukturierung des DDR-Sportsystems, wobei das Leistungssportsystem und die Nachwuchsförderung von Kindern und Jugendlichen besonders hervorzuheben sind. Vor diesem Hintergrund wird anschließend auf die Skateboardszene der DDR eingegangen.
Spätestens seit dem fiktiven Dokumentarfilm „This ain´t california“ ist vielen Menschen bekannt, dass es das amerikanische Phänomen des Skatens auch in der DDR gegeben hat. Der Film zeigt in einer Mischung aus Originalaufnahmen und schauspielerisch nachgestellten Szenen, wie sich aufgrund dieser Sportart eine ostdeutsche Skaterszene herausgebildet hat.
Abseits gesellschaftlicher Normvorstellungen des Kollektivlebens, war es der Versuch, Freiheit über individuelle Ausdrucksmöglichkeiten zu erlangen. In der körperlichen Tätigkeit der Sportausübung, in der Freizeitgestaltung, in der Kleidung und Musikwahl und in der Wahl der gemeinsamen Treffpunkte. Alles Bereiche, in die das DDR-Regime, durch starken Eingriff in die Lebensgestaltung seiner Bürger, versuchte, die Gestaltungshoheit nach sozialistischen Wertemaßstäben zu gewinnen.
Besonders der Bereich des Sports war im Osten ein auffällig durchstrukturiertes Ordnungssystem, in dem es fernab der kontrollierten Sportverbände eigentlich keine Möglichkeiten gab, Sport zu treiben. Noch dazu galt das Thema Sport als messbarer Erfolgsfaktor im „Wettkampf der Systeme“ zwischen Ost und West und war daher außenpolitisch von besonderer Bedeutung. Wenn sich nun junge Menschen der DDR diesen formellen Strukturen entziehen und beginnen, informell Sport zu treiben, kann dies sicher als Besonderheit und als Protest gegen diese Strukturen gelten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sozialistisches Menschenbild: Die sozialistische Persönlichkeit
- Körperkultur und Sport in der DDR
- Beitrag des Sports zur Entfaltung der sozialistischen Persönlichkeit
- Sportsystem
- Massensport vs. Leistungssport
- Kinder- und Jugendsport
- Skateboarding in der DDR: Informeller Sport als Jugendkultur
- Historische Entwicklung
- Lebensstil und Ausdrucksformen
- Reaktionen staatlicher Organe
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Skateboardszene in der DDR und untersucht, inwiefern Skateboarding als informeller, selbstbestimmter Sport als Protestform gegen den leistungsorientierten sozialistischen Einheitssport betrachtet werden kann. Dabei werden die Ideologie der DDR hinsichtlich des sozialistischen Menschenbildes sowie die Rolle des Sports im System beleuchtet. Die Arbeit beleuchtet das DDR-Sportsystem, insbesondere das Leistungssportsystem und die Nachwuchsförderung, und stellt die Skateboardszene der DDR und die Reaktionen staatlicher Organe darauf dar.
- Das sozialistische Menschenbild in der DDR und die Bedeutung des Sports
- Die Struktur des DDR-Sportsystems und die Betonung von Leistungssport
- Skateboarding als informeller Sport und Jugendkultur in der DDR
- Die Reaktion staatlicher Organe auf Skateboarding
- Skateboarding als Protestform gegen die Strukturen des Einheitssports
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des Skateboardings in der DDR ein und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung des Skatens als Protestform gegen den Einheitssport dar. Im zweiten Kapitel wird das sozialistische Menschenbild der DDR und die Rolle des Sports in der sozialistischen Gesellschaft erläutert. Kapitel 3 beleuchtet das Sportsystem der DDR, wobei die Unterschiede zwischen Massensport und Leistungssport sowie die Nachwuchsförderung im Kinder- und Jugendsport hervorgehoben werden. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem Skateboarding in der DDR und beleuchtet die historische Entwicklung, den Lebensstil der Skater und die Reaktionen staatlicher Organe auf diese Jugendkultur.
Schlüsselwörter
Skateboarding, DDR, sozialistische Persönlichkeit, Einheitssport, informeller Sport, Protestform, Jugendkultur, staatliche Reaktionen, Leistungssport, Massensport, sozialistisches Menschenbild
Häufig gestellte Fragen
Gab es eine Skateboardszene in der DDR?
Ja, trotz der strengen staatlichen Kontrolle entwickelte sich in der DDR eine informelle Skateboardszene, die durch Filme wie „This ain’t California“ bekannt wurde.
Warum galt Skateboarding als Protestform?
Es war ein selbstbestimmter Sport abseits der leistungsorientierten staatlichen Sportverbände und entzog sich damit dem sozialistischen Erziehungsanspruch des Kollektivlebens.
Was war das 'sozialistische Menschenbild' im Sport?
Sport sollte zur Formung der 'sozialistischen Persönlichkeit' beitragen, wobei Disziplin, kollektive Leistung und der messbare Erfolg im Systemwettstreit im Vordergrund standen.
Wie reagierte der DDR-Staat auf die Skater?
Staatliche Organe reagierten oft mit Misstrauen auf die westlich geprägte Jugendkultur, versuchten sie aber teilweise auch durch Eingliederung in offizielle Strukturen zu kontrollieren.
Was unterschied den informellen Sport vom Leistungssport der DDR?
Während der Leistungssport durchstrukturiert und staatlich gelenkt war, bot das Skaten Freiräume für individuellen Ausdruck in Kleidung, Musik und Freizeitgestaltung.
Welche Rolle spielte das Skateboarden für die Freiheit der Jugendlichen?
Es war ein Versuch, persönliche Freiheit über körperliche Tätigkeit und die Wahl eigener Treffpunkte zu erlangen, die nicht vom Regime vorgegeben waren.
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- Elisa Pfennig (Author), 2016, Die Skateboardingszene der DDR. Protestform gegen den leistungsorientierten sozialistischen Einheitssport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379019