Notwendigerweise stellen sich Theoretiker der politischen Philosophie seit jeher Fragen nach dem Funktionieren menschlichen Zusammenlebens. Sei es, dass besonders gut funktionierende politische Gesellschaften das Rätsel der idealen Mechanismen aufgeben, oder aber das Scheitern mit schmerzhaften Folgen wie Kriegen und Diktaturen die Frage nach dem Warum aufwerfen. Neben verschiedensten Lösungen gilt die vertragliche Regelung menschlichen Miteinanders als Mittel, um im Rahmen einer normativen Diskussion Argumente für die Legitimation politischer Herrschaft zu entwickeln. In dieser Arbeit soll der Argumentationsgang in Jean Jacques Rousseaus Theorie des Gesellschaftsvertrags unter die Lupe genommen werden. Der traditionellen Vertragstheorie des französischen Rationalisten soll anschließend ein völlig andersartiger Zugang zum Gesellschaftsproblem gegenübergestellt werden. Zwar ist Friedrich A. von Hayeks Lösung der evolutionistischen Theorie gesellschaftlicher Funktionen nicht neu. Seine deutliche Kritik an der bewussten Konstruktion einer Gesellschaftsordnung insbesondere im vierten Kapitel seines Werkes „Die Verfassung der Freiheit“ stellt gleichzeitig ein Argument für seinen Entwurf dar. Zentrale Punkte der Untersuchung in der Synthese werden Freiheit, Moral und Zwang sein. Auch soll geklärt werden, ob sich neben den grundsätzlichen Unterschieden Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Theorieansätzen finden lassen. Da Hayeks Werk noch relativ aktuell ist, werde ich direkt davon ausgehend argumentieren. Zwar verwende ich zu Rousseau die übliche Sekundärliteratur. Dennoch möchte ich so nah wie möglich am Original bleiben. Nicht die Frage, was sagen andere Autoren über die Aussagen der Theoretiker, interessiert, sondern, was sagen Rousseau und Hayek selbst zu den oben genannten Punkten.
Inhaltsverzeichnis
- I. EINLEITUNG
- II. DIE GRUNDLEGUNG DER VERTRAGSIDEE
- II.1 ROUSSEAUS ERKENNTNISINTERESSE
- II.2 DER NATURZUSTAND
- II.2.1 Der Naturzustand im Diskurs über die Ungleichheit
- II.2.2 Der Naturzustand im Contract Social
- II.3 DER BEGRIFF DER FREIHEIT
- II.4 DER GESELLSCHAFTSVERTRAG
- II.4.1 Der Souverän
- II.4.2 Grenzen souveräner Gewalt
- III. HAYEKS IDEALE LIBERALE GESELLSCHAFTSORDNUNG
- III.1 FREIHEIT UND ZWANG
- III.2 DIE EVOLUTION DER MORAL
- III.3 DAS KRITERIUM DER INDIVIDUALITÄT
- III.4 KRITIK AM RATIONALISMUS
- IV. SYNTHESE ROUSSEAU – HAYEK
- IV.1 ÄHNLICHKEITEN
- IV.2 GEGENSÄTZE
- V. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Argumentation des Gesellschaftsvertrags nach Jean-Jacques Rousseau und stellt sie dem evolutionären Ansatz von Friedrich A. von Hayek gegenüber. Ziel ist es, die Legitimation politischer Herrschaft im Rahmen des Gesellschaftsvertrags zu beleuchten und die beiden Theorien hinsichtlich ihrer zentralen Punkte wie Freiheit, Moral und Zwang zu vergleichen.
- Der Gesellschaftsvertrag als Mittel zur Legitimation politischer Herrschaft
- Rousseaus Verständnis des Naturzustands und seine Kritik an der Ungleichheit
- Hayeks Theorie der Evolution der Moral und seine Kritik am Rationalismus
- Der Begriff der Freiheit in beiden Theorien und die Abgrenzung von Zwang
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Theorien
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik des menschlichen Zusammenlebens und die Rolle des Gesellschaftsvertrags als Lösungsansatz dar. Anschließend wird Rousseaus Theorie des Gesellschaftsvertrags in ihrer Entstehung und Entwicklung betrachtet. Es wird sein Verständnis des Naturzustands, die Bedeutung des Begriffes der Freiheit sowie seine Vorstellung vom Gesellschaftsvertrag und dem Souverän erläutert.
In einem weiteren Schritt wird Hayeks Theorie der idealen liberalen Gesellschaftsordnung vorgestellt. Hierbei werden seine Konzepte von Freiheit und Zwang, die Evolution der Moral sowie das Kriterium der Individualität und seine Kritik am Rationalismus beleuchtet. Die Arbeit endet mit einer Synthese der beiden Theorien, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.
Schlüsselwörter
Gesellschaftsvertrag, Rousseau, Hayek, Naturzustand, Freiheit, Moral, Zwang, Rationalismus, Legitimation, politische Herrschaft, Evolution, Gesellschaftsordnung, Liberalismus
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernkonzept von Rousseaus Gesellschaftsvertrag?
Rousseau sucht nach einer Form des Zusammenlebens, die die Freiheit des Einzelnen bewahrt, indem sich jeder dem Gemeinwillen (volonté générale) unterordnet.
Wie unterscheidet sich Hayeks Ansatz von Rousseau?
Während Rousseau auf bewusste Konstruktion setzt, vertritt Hayek eine evolutionistische Theorie, in der sich gesellschaftliche Funktionen und Moral über lange Zeiträume organisch entwickeln.
Was versteht Rousseau unter dem Naturzustand?
Rousseau beschreibt den Naturzustand als einen ursprünglichen Zustand der Freiheit, der jedoch durch die Einführung von Privateigentum und Ungleichheit korrumpiert wurde.
Warum kritisiert Hayek den Rationalismus?
Hayek kritisiert den Versuch, Gesellschaftsordnungen künstlich zu planen, da menschliches Wissen begrenzt ist und komplexe Systeme besser durch spontane Ordnung funktionieren.
Welche zentralen Themen werden in der Arbeit verglichen?
Die Untersuchung fokussiert sich auf die Synthese von Freiheit, Moral und Zwang in den Theorien beider Philosophen.
- Quote paper
- Franziska Moschke (Author), 2002, Gesellschaftsvertrag contra sozialgeschichtliche Evolution: Jean-Jaques Rousseau und Friedrich A. von Hayek, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37799