Hartmann von Aue schafft mit der Königin Laudine in seinem Roman Iwein einen facettenreichen Charakter, der sich im Spannungsfeld zwischen liebender Ehefrau und herrschender Fee bewegt. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass Laudine eine vielschichtige Figur darstellt, die einerseits „selbstsicher, berechnend und kalt gegenüber Iwein [auftritt], als er ihren Vorstellungen eines Partners nicht entspricht“ , andererseits jedoch auch Charakterzüge einer liebenden Ehefrau offenbart. Diese beiden Rollen werden im Folgenden näher analysiert. Während der Betrachtung einzelner Szenen des Artusromans fällt der Fokus auf die jeweilig vorherrschenden Persönlichkeitsmerkmale Laudines. Als Anschauungsobjekt dient lediglich der Roman Hartmanns von Aue, nicht aber die französische Vorlage Chrétiens de Troyes.
Zu Beginn werden die Begriffe „liebende Ehefrau“ und „herrschende Fee“ in Bezug auf die Literatur des Mittelalters operationalisiert, damit eine Zuordnung der Charaktermerkmale gelingt. Das dritte Kapitel dient der Betrachtung der Burg Laudines und ihrer Quelle. Im Anschluss daran fällt der Fokus auf Laudines Trauer in Folge Askalons Tod und den daraus abzuleitenden Annahmen bezüglich der Rolle, die Laudine in diesem Abschnitt des Romans einnimmt. Darauf folgend wird Laudines Eheabsicht hinterfragt, woran sich im sechsten Kapitel die Analyse der Beweggründe für die Ringrückforderung anschließen. Final erfolgt eine Interpretation der Wiedergewinnungs- und der Kniefallszene am Schluss des Iweins.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Merkmale einer vrouwe und einer Fee
- Laudines Burg und die Quelle
- Laudines Trauer
- Ringübergabe – Laudines Eheabsicht
- Die Ringrückforderung
- Die Wiedergewinnung und der Kniefall Laudines
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Charakter der Laudine im Roman Iwein von Hartmann von Aue. Dabei stehen die Spannungsfelder zwischen Laudines Rolle als liebende Ehefrau und als herrschende Fee im Fokus. Ziel ist es, die vielschichtigen Facetten dieses komplexen Charakters anhand der Darstellung in Hartmanns Iwein zu analysieren.
- Die Charaktermerkmale einer idealtypischen höfischen Ehefrau im Mittelalter
- Die typischen Eigenschaften von Feen in der Literatur des Mittelalters
- Die besondere Bedeutung von Laudines Burg und der Quelle für die Anderswelt
- Laudines Trauer als Ausdruck ihrer Rolle im Roman
- Laudines Eheabsichten und die Beweggründe für die Ringrückforderung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Charakter Laudine im Roman Iwein von Hartmann von Aue vor und erläutert die Spannungsfelder zwischen liebender Ehefrau und herrschender Fee. Das zweite Kapitel definiert die Begriffe „liebende Ehefrau“ und „herrschende Fee" in Bezug auf die Literatur des Mittelalters. Im dritten Kapitel wird Laudines Burg mit ihren besonderen Elementen der Anderswelt sowie die Quelle und ihre mystische Funktion analysiert. Kapitel 4 beschäftigt sich mit Laudines Trauer nach Askalons Tod und der Rolle, die sie in diesem Abschnitt des Romans einnimmt. Kapitel 5 befasst sich mit Laudines Eheabsicht, während Kapitel 6 die Beweggründe für die Ringrückforderung beleuchtet. Die Wiedergewinnungs- und Kniefallszene werden abschließend interpretiert.
Schlüsselwörter
Laudine, Iwein, Hartmann von Aue, Artusroman, höfische Ehefrau, Fee, Anderswelt, Quelle, Trauer, Eheabsicht, Ringrückforderung, Wiedergewinnung, Kniefall.
Häufig gestellte Fragen
Welche zwei Rollen nimmt Laudine im Roman "Iwein" ein?
Laudine bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Rolle einer idealtypischen, liebenden höfischen Ehefrau und der einer mächtigen, herrschenden Fee der Anderswelt.
Was symbolisiert die Quelle in Laudines Reich?
Die Quelle ist das mystische Zentrum ihres Reiches und fungiert als Übergang zur Anderswelt. Ihre Verteidigung ist die zentrale Aufgabe des Herrschers.
Warum fordert Laudine den Ring von Iwein zurück?
Die Ringrückforderung erfolgt, weil Iwein sein Versprechen gebrochen hat, rechtzeitig zu ihr zurückzukehren, was Laudine als Verrat an ihrer Ehre und Liebe wertet.
Wie zeigt Laudine ihre Trauer nach Askalons Tod?
Ihre Trauer wird als ritueller Akt dargestellt, der einerseits ihre tiefe Verbundenheit zeigt, andererseits aber auch die politische Notwendigkeit verdeutlicht, schnell einen neuen Beschützer für die Quelle zu finden.
Was bedeutet die Kniefallszene am Ende des Romans?
Die Szene markiert die Versöhnung und Wiederaufnahme Iweins in Laudines Gnade, wobei die Machtverhältnisse und die emotionale Bindung neu austariert werden.
- Quote paper
- Sarah Sander (Author), 2015, Laudine in Hartmann von Aues "Iwein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374277