In den 1920er Jahren – der Zeit der Weimarer Republik – unterlagen das Stadtbild sowie die Bevölkerung Berlins einem Wandel, der vor allem von der fortschreitenden Technik geprägt war und sich in einer allgemeinen Schnelllebigkeit äußerte. Die Großstadt stellte einen neuen Lebensraum für den Menschen dar, in dem er nicht länger das Individuum in der traditionellen kleinen Gemeinschaft, wie z. B. im Dorf, sondern ein Teil der modernen Massengesellschaft war.
Der Wahl-Berliner Erich Kästner versuchte – wie viele zeitgenössische Berliner Schriftsteller – die neue Stadt und das durch sie verursachte Lebensgefühl festzuhalten und machte sie u. a. zum Thema seines ersten Kinderromans ‚Emil und die Detektive’.
Diese Kriminalgeschichte stellte eine Neuerung im Bereich der Kinderliteratur dar, da der Schauplatz der Handlung nicht – wie typischerweise in den bis dahin erschienenen Kinderbüchern – die Natur oder das Dorf war, sondern auf die Straßen der modernen Großstadt verlegt wurde. Die Idylle trat zugunsten der Alltagsrealität in den Hintergrund – daher wird der Roman auch zur Großstadt- oder auch Asphaltliteratur gezählt. Kästner lässt Berlin nicht bloß als austauschbare Stadtkulisse fungieren, sondern bindet es realistisch in das Geschehen ein und macht die Stadt selbst zum Thema, so dass das völlig neue Bild der Metropole unmittelbar erlebbar wird.
Berlin zeigt sich anfangs als eine Stadt mit zwei Gesichtern. Aus der Sicht des Kleinstädters und Protagonisten Emil, der zum ersten Mal in diese Stadt kommt, wirkt sie einerseits abschreckend und bedrohlich. Er schafft es nicht den neuen Lebensraum allein zu bewältigen. Andererseits relativiert sich das negative Bild der Stadt im Laufe der Geschichte und schlägt in ein positives Erlebnis um, als Emil die Detektive kennen lernt, die ihn mit der Stadt vertraut machen.
Die Gegenüberstellung mit Neustadt, der Heimatstadt Emils, betont erneut die Zukunftsorientierung und Fortschrittlichkeit Berlins. Allerdings wird die Metropole nicht ausschließlich positiver als die Kleinstadt bewertet, sondern als mögliche Alternative für den Lebens- und Handlungsraum von Kindern aufgezeigt. Nicht zuletzt wird deutlich, auf welche Weise sich das Erlebnis Berlins am Ende der zwanziger Jahre in der Kinderliteratur darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Allgemeines
- Kurze Biografie Erich Kästners
- Überblick: Emil und die Detektive
- Analyse
- Emil und seine ambivalente Einstellung zur Metropole
- Emils Berlin-Bild vor seiner Ankunft
- Das reale Erlebnis der fremden Großstadt
- Berliner Bekanntschaften
- Fortgang der Handlung: Das neue Verhältnis zur Stadt
- Neustadt und Berlin: Zwei gegensätzliche Städte
- Emil und seine ambivalente Einstellung zur Metropole
- Schlussbewertung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert Erich Kästners Kinderroman "Emil und die Detektive", um zu zeigen, wie das Erlebnis Berlins am Ende der zwanziger Jahre in der Kinderliteratur dargestellt wird. Der Fokus liegt auf Emils Wahrnehmung der Großstadt und der Gegenüberstellung von Neustadt und Berlin.
- Emils ambivalente Beziehung zur Metropole
- Das Leben in der Großstadt im Vergleich zum dörflichen Umfeld
- Berliner Lebenswelten und soziale Strukturen im Kinderroman
- Kästners Darstellung der Großstadt und ihre Bedeutung für die Kinderliteratur
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die historische und literarische Bedeutung von Berlin in der Weimarer Republik dar und führt in die Analyse des Romans "Emil und die Detektive" ein.
- Das Kapitel "Kurze Biografie Erich Kästners" skizziert die wichtigsten Stationen im Leben des Autors und zeigt seinen Werdegang als Schriftsteller auf.
- Das Kapitel "Überblick: Emil und die Detektive" bietet eine knappe Zusammenfassung des Romans, einschließlich der Charaktere und Handlungsstränge.
- Das Kapitel "Emil und seine ambivalente Einstellung zur Metropole" untersucht die Entwicklung von Emils Wahrnehmung der Stadt. Zunächst zeigt es seine anfängliche Skepsis und die Herausforderungen, die ihm die fremde Großstadt stellt. Anschließend wird sein Erleben der Berliner Lebenswelten und seine Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen beleuchtet.
- Das Kapitel "Neustadt und Berlin: Zwei gegensätzliche Städte" vergleicht die beiden Orte und zeigt die Unterschiede in ihrer Lebensweise und Atmosphäre. Es analysiert, wie Kästner die beiden Welten gegenüberstellt und die Auswirkungen dieses Kontrastes auf Emil darstellt.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, "Emil und die Detektive", Weimarer Republik, Kinderliteratur, Berlin, Großstadt, Metropole, Neustadt, Moderne, Lebenswelt, Sozialstruktur, Ambivalenz, Wahrnehmung, Gegenüberstellung, Stadt-Land-Kontrast.
Häufig gestellte Fragen
Was macht „Emil und die Detektive“ zu einem besonderen Kinderroman?
Es war eine Neuerung, da der Schauplatz nicht mehr die Natur oder das Dorf war, sondern die moderne, realistische Großstadt Berlin.
Wie nimmt der Protagonist Emil die Stadt Berlin wahr?
Seine Wahrnehmung ist ambivalent: Anfangs wirkt Berlin bedrohlich und laut, später wird die Stadt durch seine neuen Freunde zu einem positiven Erlebnisraum.
Was versteht man unter „Asphaltliteratur“?
Dies ist ein Begriff für Literatur, die das Leben in der modernen Metropole und die Alltagsrealität der Straße thematisiert, anstatt ländliche Idyllen zu beschreiben.
Wie wird Neustadt im Vergleich zu Berlin dargestellt?
Neustadt steht für die traditionelle Kleinstadt-Idylle, während Berlin als fortschrittliche, technikgeprägte und schnelllebige Metropole der Moderne fungiert.
Welche Rolle spielt die Technik im Berlin von 1929?
Die fortschreitende Technik prägte das Stadtbild und führte zu einer Massengesellschaft, in der das Individuum neue Wege der Orientierung finden musste.
In welcher historischen Ära spielt der Roman?
Die Handlung ist in der Zeit der Weimarer Republik angesiedelt, einer Phase des starken gesellschaftlichen Wandels in Deutschland.
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- Lena Langensiepen (Author), 2004, Abenteuer Berlin. Die Stadt der Moderne um 1929 im kindlichen Erleben., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37414