Diese Arbeit setzt sich mit dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg auseinander und der Frage danach, ob dort eine Gentrification stattfindet.
Städtische Wohngebiete unterliegen Veränderungsprozessen, bezogen
auf Gebäudenutzung, Wohndichte, Zustand der Gebäude, Alters- und Sozialstruktur der Bevölkerung. Dabei findet Gentrification vorwiegend in Gebieten statt, die nahe dem Stadtzentrum liegen, mit Gebäuden aus der Gründerzeit, überwiegend einen schlechten Gebäudezustand aufweisen, niedrige Bodenpreise und niedrige Mieten aufweisen, statusniedrige Bewohner haben und zum Teil bereits in städtebaulichen Sanierungsgebieten liegen oder hierfür vorgesehen sind (vgl. Spellerberg 2004: 11f; Friedrichs 1998: 60).
Im Untersuchungsgebiet Wilhelmsburg gab und gibt es städtebauliche und siedlungsstrukturelle Defizite, die zu den Kernproblemen benachteiligter Stadtteile gehören, wie unsanierter Wohnbestand, geringe Quadratmeterzahl pro Wohneinheit, einen hohen Anteil industriell genutzter Flächen in unmittelbarer Nähe zu Wohnquartieren, hohe Fluktuation, Leerstand und Vermietungsschwierigkeiten (vgl. Bundestransferstelle Soziale Stadt 2008: 34f). Entsprechend wird in § 171e BauGB die besondere Bedeutung städtebaulicher Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung von sozial benachteiligten Ortsteilen betont.
Auf der Handlungsebene sind dies u.a. die Sanierung, Modernisierung und der Neubau von Wohnungen, die Anpassung von Wohnungszuschnitten sowie die Stabilisierung der lokalen Sozialstruktur unter anderem durch ein entsprechendes Belegungsmanagement öffentlich geförderter Wohnungen. Diese Diversifikation findet in Wilhelmsburg konkret statt (siehe Kap.7.1.1 bis 7.1.5). [...]
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg
- 3. Veränderte strukturelle Bedingungen in Hamburg als Grundlage für die Aufwertung von Stadtteilen
- 4. Die konkrete Umsetzung der ordnungs- und baupolitischen Veränderungen im Stadtteil Wilhelmsburg
- 5. Sozialstrukturdaten von Wilhelmsburg und von Hamburg
- 5.1 Sozialstrukturdaten in Wilhelmsburg und in Hamburg in 2000
- 5.1.1 Interpretation der Statistik
- 5.2 Sozialstrukturdaten in Wilhelmsburg und in Hamburg in 2005
- 5.2.1 Interpretation der Statistik
- 5.3 Sozialstrukturdaten in Wilhelmsburg und in Hamburg in 2010
- 5.3.1 Interpretation der Statistik
- 5.4 Sozialstrukturdaten in Wilhelmsburg und in Hamburg in 2012
- 5.4.1 Interpretation der Statistik
- 6 Erste Handlungskonzepte in Wilhelmsburg ab den 1970er Jahren
- 7 Aktuelle Stadtentwicklung in Wilhelmsburg / Sprung über die Elbe
- 7.1 Internationale Bauausstellung (IBA)
- 7.1.1 Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten im Reiherstiegviertel
- 7.1.2 Neubau von Wohnungen
- 7.1.3 Umgestaltung der S-Bahn Wilhelmsburg und im Umfeld des Bahnhofs
- 7.1.4 Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße
- 7.1.5 Sanierungsgebiet Korallusviertel
- 7.2 Internationale Gartenschau (IGS)
- 7.3 Soziale Erhaltungsordnung
- 8 Ausblick und Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Masterarbeit analysiert die Risiken und Chancen von Stadtteilen durch Aufwertungsprozesse am Beispiel des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg. Die Arbeit untersucht die spezifischen strukturellen Veränderungen in Hamburg und ihre Auswirkungen auf Wilhelmsburg. Im Fokus stehen die konkreten Umsetzungen der ordnungs- und baupolitischen Veränderungen im Stadtteil sowie die Entwicklung der Sozialstruktur im Zeitverlauf.
- Die Entwicklung des Stadtteils Wilhelmsburg im Kontext der Hamburger Stadtentwicklung
- Die Analyse der ordnungs- und baupolitischen Veränderungen in Wilhelmsburg
- Die Auswirkungen der Aufwertungsprozesse auf die Sozialstruktur des Stadtteils
- Die Risiken und Chancen der Aufwertungsprozesse für die Bewohner von Wilhelmsburg
- Die Bedeutung der sozialen Erhaltungsordnung für die Bewältigung der Aufwertungsprozesse
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
- Kapitel 2: Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg
- Kapitel 3: Veränderte strukturelle Bedingungen in Hamburg als Grundlage für die Aufwertung von Stadtteilen
- Kapitel 4: Die konkrete Umsetzung der ordnungs- und baupolitischen Veränderungen im Stadtteil Wilhelmsburg
- Kapitel 5: Sozialstrukturdaten von Wilhelmsburg und von Hamburg
- Kapitel 6: Erste Handlungskonzepte in Wilhelmsburg ab den 1970er Jahren
- Kapitel 7: Aktuelle Stadtentwicklung in Wilhelmsburg / Sprung über die Elbe
Die Einleitung führt in die Thematik der Aufwertungsprozesse in Stadtteilen ein und skizziert die Problematik des Spannungsfeldes zwischen Chancen und Risiken für die Bewohner. Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen der Aufwertung auf die Sozialstruktur von Wilhelmsburg und die methodischen Vorgehensweisen dar.
Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Geschichte, die geografische Lage und die soziale Struktur des Stadtteils Wilhelmsburg. Dabei wird auf die Besonderheiten des Stadtteils als historisch geprägter Hafenbereich und seine Entwicklung zum urbanen Peripheriegebiet eingegangen.
Das Kapitel beleuchtet die Entwicklung der Hamburger Stadtentwicklung, die zu einer verstärkten Aufwertung von Stadtteilen geführt hat. Es werden die wichtigsten Faktoren, wie z.B. demografischer Wandel, Globalisierung und politischer Wille, dargestellt, die zu diesen Aufwertungsprozessen beitragen.
Dieses Kapitel analysiert die konkrete Umsetzung der ordnungs- und baupolitischen Veränderungen in Wilhelmsburg, wie z.B. die Internationale Bauausstellung (IBA) und die Internationale Gartenschau (IGS). Es wird dargestellt, wie diese Maßnahmen den Stadtteil physisch und sozial verändern.
Dieser Abschnitt präsentiert und interpretiert die Sozialstrukturdaten von Wilhelmsburg und Hamburg anhand statistischer Daten aus den Jahren 2000, 2005, 2010 und 2012. Die Analyse umfasst demografische Merkmale, sozioökonomische Indikatoren und Migrationsdaten.
Dieses Kapitel untersucht die ersten Handlungskonzepte in Wilhelmsburg ab den 1970er Jahren. Es werden die Ziele, die Methoden und die Auswirkungen der damaligen sozialen und baulichen Interventionen dargestellt.
Dieses Kapitel befasst sich mit den aktuellen Stadtentwicklungsprojekten in Wilhelmsburg, insbesondere mit der IBA und der IGS. Es wird gezeigt, wie diese Projekte zur Aufwertung des Stadtteils beitragen und welche Auswirkungen sie auf die Bewohner haben.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Aufwertungsprozesse, Stadtentwicklung, Sozialstruktur, Wilhelmsburg, Hamburg, IBA, IGS, soziale Erhaltungsordnung, Gentrifizierung, Risiken, Chancen, Migration, Segregation, Wohnungsmarkt, Stadtplanung, Politik und Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Findet in Hamburg-Wilhelmsburg eine Gentrifizierung statt?
Die Arbeit untersucht diesen Prozess kritisch. Durch Projekte wie die IBA und IGS wurden gezielte Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt, die das Risiko einer Verdrängung einkommensschwacher Bewohner erhöhen.
Welche Rolle spielten die IBA und IGS für Wilhelmsburg?
Die Internationale Bauausstellung (IBA) und die Internationale Gartenschau (IGS) waren zentrale Motoren der Stadtentwicklung, die zu Modernisierungen, Neubauten und einer verbesserten Infrastruktur führten.
Was ist eine soziale Erhaltungsverordnung?
Es handelt sich um ein planungsrechtliches Instrument, das dazu dient, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in einem Gebiet zu erhalten und negative soziale Folgen durch Luxussanierungen zu begrenzen.
Wie hat sich die Sozialstruktur in Wilhelmsburg entwickelt?
Die Analyse von Daten aus den Jahren 2000 bis 2012 zeigt Veränderungen in der Bewohnerstruktur, wobei Tendenzen der Segregation und Auswirkungen der Aufwertung auf Migrationsdaten untersucht werden.
Was sind die Kernprobleme benachteiligter Stadtteile wie Wilhelmsburg?
Zu den Defiziten gehören oft unsanierter Wohnbestand, geringe Wohnflächen pro Person, hohe Fluktuation und die unmittelbare Nähe von Industrie zu Wohngebieten.
- Arbeit zitieren
- Jens Görgens (Autor:in), 2013, Risiken und Chancen von Stadtteilen durch Aufwertungsprozesse am Beispiel des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370912