„Einwanderung verursacht dem deutschen Staat mehr Kosten als Einnahmen (Stern, 29.12.14).“ Damit zitierte der Stern den Nationalökonomen Hans Werner Sinn, der der 2014 erschienenen Studie von Holger Bonin „Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt“ widersprach. In dieser heißt es, dass rund 6,6 Millionen in Deutschland lebende Einwanderer insgesamt 22 Mrd. Euro mehr an den Staat zahlten als sie in Form von Transferleistungen zurückerhielten.
Sinn teilt mit seiner Aussage die meist verbreiteten Bedenken der deutschen Gesellschaft, dass Einwanderer „Leistungen für nichts bekommen“ und „nicht ihren gerechten Anteil tragen“ (Bansak, 2015). Die Studie Bonins ist der Auslöser einer neuen, lebhaften wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion über die fiskalischen Effekte von Zuwanderung auf die öffentlichen Haushalte eines Aufnahmelandes. Diese Entwicklung ist insofern von wissenschaftlichem Interesse, als dass die Mechanik hinter den steuerlichen Auswirkungen der Einwanderung von politischen Entscheidungsträgern verstanden und der Gesellschaft näher gebracht werden kann. Was wiederum das Potenzial hat, die Einwanderungs- und Integrationspolitik gezielt zu gestalten und fiskalische Ungleichgewichte abzubauen.
Diese Hausarbeit setzt sich mit den fiskalischen Auswirkungen, die in Deutschland lebende Zuwanderer auf öffentliche Haushalte haben, auseinander.
Es ergeben sich hinsichtlich der Thematik folgende Forschungsfragen die von Bedeutung sind : Um wie viel schlechter ist die Nettozahlungsposition von Ausländern gegenüber den öffentlichen Haushalten im Vergleich zu den Deutschen? Belasten in Deutschland lebende Einwanderer die Staatsfinanzen, indem sie mehr staatliche Transfers in Anspruch nehmen, als sie selber an Steuern und Beiträgen zahlen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die fiskalischen Effekte der Einwanderer auf den deutschen Staatshaushalt
3. Vergleich der Nettosteuerzahlungen von Einheimischen und Einwanderern
4. Nettofinanzierungsbeiträge ausländischer Generationen und ihrer Nachkommen
5. kontroverse Standpunkte zu den Migrationskosten
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert kritisch die fiskalischen Auswirkungen von in Deutschland lebenden Zuwanderern auf die öffentlichen Haushalte, um die Hypothese zu überprüfen, ob Zuwanderung die öffentlichen Haushalte einseitig belastet.
- Fiskalische Effekte von Zuwanderern auf den deutschen Staatshaushalt
- Vergleich der Nettosteuerzahlungen zwischen Einheimischen und Einwanderern
- Analyse langfristiger Nettofinanzierungsbeiträge mittels Generationenbilanzierung
- Kontroverse wissenschaftliche Standpunkte zu den Migrationskosten
- Einfluss von Arbeitsmarktintegration und Qualifikation auf die fiskalische Bilanz
Auszug aus dem Buch
2. Die fiskalische Effekte der Einwanderer auf den deutschen Staatshaushalt
Im Folgenden soll ein Überblick zu den fiskalischen Effekten der Zuwanderer gegeben werden und die Kosten und Nutzen, den diese dem deutschen Staatshaushalt einbringen, erläutert werden.
Wenn in dieser Arbeit von Zuwanderern oder Einwanderern gesprochen wird bezieht sich dies auf die in Deutschland lebenden Einwanderer, die hier einen festen oder vorübergehenden Wohnsitz haben. Die zukünftige Zuwanderung wird hierbei nicht berücksichtigt, da beide Personengruppen unterschiedliche gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Fragen aufstellen (Bonin, 2014). Die nachfolgenden Untersuchungen zu den fiskalischen Beiträgen der schon im Land befindlichen Zuwanderer fokussieren sich auf die ausländische Wohnbevölkerung, genauer: die in Deutschland lebende Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft und ihre zukünftig geborenen Nachkommen (ebd.). Die verwendete Untersuchungsgruppe bildet nur einen Teil der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund und grenzt Personen mit ehemaliger ausländischer Staatsbürgerschaft, aus, da diese bei Durchschnittsbetrachtungen, wenig aussagekräftig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das öffentliche Interesse an den fiskalischen Auswirkungen von Zuwanderung dar und definiert die Forschungsfragen sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Die fiskalische Effekte der Einwanderer auf den deutschen Staatshaushalt: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen zur Berechnung fiskalischer Effekte und definiert die betrachtete Untersuchungsgruppe der ausländischen Wohnbevölkerung.
3. Vergleich der Nettosteuerzahlungen von Einheimischen und Einwanderern: Hier wird die Nettozahlungsposition von Einwanderern im Vergleich zu Einheimischen anhand der Steuer-Transfer-Bilanz analysiert und grafisch dargestellt.
4. Nettofinanzierungsbeiträge ausländischer Generationen und ihrer Nachkommen: Dieses Kapitel untersucht mittels der Methode der Generationenbilanzierung, ob Zuwanderer langfristig über ihren gesamten Lebenszyklus einen positiven Beitrag leisten.
5. kontroverse Standpunkte zu den Migrationskosten: Die unterschiedlichen fiskalischen Berechnungsmodelle und Argumentationen prominenter Ökonomen wie Hans Werner Sinn und Herbert Brücker werden kritisch gegenübergestellt.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Hypothese bewertet, dass Zuwanderung fiskalische Gewinne durch bessere Integration steigern kann.
Schlüsselwörter
Zuwanderung, Staatshaushalt, Fiskalische Effekte, Nettosteuerzahlungen, Generationenbilanzierung, Migrationskosten, Steuer-Transfer-Bilanz, Arbeitsmarktintegration, Humankapital, Sozialtransfer, Öffentliche Haushalte, Deutschland, Einwanderungspolitik, Nettosozialbeiträge, Bevölkerungsgruppen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die fiskalische Belastung der öffentlichen Haushalte durch in Deutschland lebende Zuwanderer.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die aktuelle fiskalische Position von Einwanderern, deren langfristige Beiträge sowie die methodischen Kontroversen bei der Berechnung von Migrationskosten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Zuwanderer die öffentlichen Haushalte stärker belasten als Einheimische und wie sich diese Bilanz langfristig unter Einbeziehung der Nachkommen gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Steuer-Transfer-Bilanz sowie die Methode der Generationenbilanzierung (Generationenkonnten), um fiskalische Wirkungen quantitativ zu erfassen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der aktuellen Nettosteuerzahlungen, den langfristigen Nettofinanzierungsbeiträgen über den Lebenszyklus und der wissenschaftlichen Debatte um die Berechnungsmethoden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind fiskalische Effekte, Steuer-Transfer-Bilanz, Generationenbilanzierung, Nettozahlungsposition und ökonomische Integration.
Wie unterscheidet sich die fiskalische Position von Einwanderern zu der von Deutschen laut der Analyse?
Obwohl Einwanderer eine ungünstigere Nettozahlungsposition aufweisen als Einheimische, leisten sie dennoch einen positiv zu bewertenden Beitrag zum Sozialtransfer.
Welchen Einfluss hat die Qualifikation der Zuwanderer auf die fiskalische Bilanz?
Die Autoren sind sich einig, dass eine bessere Qualifikation und eine gelungene Arbeitsmarktintegration die fiskalischen Gewinne durch Zuwanderer signifikant erhöhen.
- Arbeit zitieren
- N. Hirth (Autor:in), 2016, Belastet die Zuwanderung die öffentlichen Haushalte in Deutschland? Eine kritische Betrachtung und Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367968