Kunsttherapie ist eine junge Disziplin, deren Aufgaben ist, mit Hilfe künstlerischer Mittel - mit der Kunst als Medium - zu erziehen, zu bilden und zu heile.
Der Kunsttherapeut setzt neben den erlernten künstlerische Disziplinen (Malerei, Plastik, Grafik) auch Methodik und Didaktik auf pädagogischem, therapeutischem sowie psychotherapeutischem Gebiet ein. Um als Kunsttherapeut umfassend wirken zu können, ist es erforderlich, das eine kunstpädagogische Ausbildung integrierender Bestandteil seines Studiums ist. Dadurch ist der Kunsttherapeut in der Lage in Erziehungswesen tätig zu sein: An allen Schulen, Sonderschulen, in der Jugendhilfe, der Sozialhilfe, und in heilpädagogischen Einrichtungen. Außerdem erstreckt sich die Arbeit der Kunsttherapie auf die Bereiche der Psychiatrie, psychosomatische Erkrankungen, Verhaltensstörungen,
Alterfürsorge, Behinderte und Lernbehinderte, Drogenabhängigkeit und viele andere.
Kunsttherapie-Sitzungen können für Einzelpersonen, für kleine oder große Gruppen und Familien durchgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Heilender Aspekt der Kunsttherapie
2.1 Kunst / Kunsttherapie
2.2 Geschichte / Theorie
2.3 Kunsttherapie bei psychotischen / neurotischen Patienten
2.4 Methoden / Techniken
3. Pädagogische Kunsttherapie
3.1 Geschichte der pädagogischen Kunsttherapie
3.2 Pädagogische Potentiale und Ziele der Kunsttherapie
3.3 Kunsttherapeutische Möglichkeiten im Unterricht
3.4 Realisationsbeispiele und Materialien
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen einleitenden Überblick über die Kunsttherapie als junge Disziplin, die künstlerische Mittel gezielt zur Erziehung, Bildung und Heilung einsetzt. Das primäre Ziel ist es, den therapeutischen Wert des kreativen Prozesses in pädagogischen Kontexten aufzuzeigen und Strategien zu beleuchten, wie Lehrkräfte kunsttherapeutische Ansätze zur Unterstützung der kindlichen Entwicklung und zur Förderung des Wohlbefindens im Schulalltag nutzen können.
- Grundlagen der Kunsttherapie und ihr heilender Aspekt.
- Historische Entwicklung und theoretische Ansätze (Naumburg, Kramer, Prinzhorn).
- Unterscheidung von kunsttherapeutischen Interventionen bei neurotischem und psychotischem Verhalten.
- Anwendung der pädagogischen Kunsttherapie im schulischen Kontext.
- Praktische Methoden, Materialien und diagnostische Verfahren in der Arbeit mit Kindern.
Auszug aus dem Buch
2.4 Methoden / Techniken
Die bildnerischen Mittel der Kunsttherapie, Malerei, Plastik und Graphik haben ihrer spezielle Wirkung, und dem entsprechend sollen ausgewählt und angesetzt werden.
Das Malen ergreift das Seelische, ordnet das Empfindungsleben, wirkt lösend, befreiend auf die Störungen und Erkrankungen, die organisch geworden sind und ihre tiefere Ursachen im Seelischen haben.
Das Plastizieren wirkt erfrischend und intensivierend auf die Lebens- und Willenskraft, löst Verkrampfungen und harmonisiert gestörte Zusammenhänge in der Gesamtkonstitution.
Das Graphische aktiviert Willenskräfte für das Bewusstwerden und wirkt klärend, beruhigend und konzentrierend (Vgl. Hartwig, 1984, S. 245).
Ein Beispiel soll verdeutlichen wie wichtig die Wahl des Mediums für die Erfolg der Kunsttherapie ist: Fingermalerei, Ölmalerei und Lehm sind die Medien, die Neigung zum Rumschmieren verstärken.
Bei einem schizophrenen Patienten ist es wichtig spontane künstlerische Ausdrücke einzuleiten um innere Bilder darzustellen, auf diese Weise Vorstellungen und Konflikten zu fixieren. Weiteres Ziel ist die Phantasie von der Wirklichkeit zu trennen und eine Struktur herzustellen, damit der Patient interne Kontrolle erreicht.
In diesem Fall sind oben genannte Materialien zu meiden. Sinnvoller wäre es dann Filzstifte oder Buntstifte als Medium zu wählen. Wenn der Patient aber den Wunsch äußert mit den Ölfarben zu malen, wäre die Aufgabe des Kunsttherapeuten einen Weg zu finden den Wunsch des Patienten zu berücksichtigen und das Ziel der Therapie zu verfolgen. Eine Lösung wäre zum Beispiel zuerst mit Filz- oder Buntstiften die Ideen auf Papier zu zeichnen und dann die Zeichnungen mit Ölfarben nachzustellen (Vgl. Levick, 1983, S. 607).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition der Kunsttherapie als interdisziplinäre Disziplin und Beschreibung des Aufgabenfeldes des Kunsttherapeuten in diversen sozialen und pädagogischen Einrichtungen.
2. Heilender Aspekt der Kunsttherapie: Erörterung der theoretischen Grundlagen und historischen Entwicklung, sowie der spezifischen Anwendung bei psychotischen und neurotischen Störungsbildern.
3. Pädagogische Kunsttherapie: Fokus auf die historische Herleitung und die konkreten pädagogischen Zielsetzungen der Kunsttherapie sowie deren praktische Implementierung in schulische Lernprozesse.
Schlüsselwörter
Kunsttherapie, Kunstdidaktik, Pädagogische Kunsttherapie, Psychotherapie, Gestaltungstherapie, Hans Prinzhorn, Edith Kramer, Margaret Naumburg, Katharsis, Symbolisierung, Heilpädagogik, Kreativität, künstlerischer Ausdruck, Diagnose, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung in die Kunsttherapie und untersucht deren Einsatzmöglichkeiten als heilendes und pädagogisches Medium in verschiedenen Lebens- und Lernbereichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen, die Geschichte der Kunsttherapie, die Anwendung bei unterschiedlichen psychischen Belastungen sowie die pädagogische Umsetzung durch Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den therapeutischen Mehrwert des künstlerischen Prozesses zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie durch kreatives Gestalten persönliche und soziale Entwicklungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen unterstützt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener kunsttherapeutischer Theorien und Konzepte, kombiniert mit praktischen Beispielen für deren Umsetzung im (sonder-)pädagogischen Alltag.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die heilenden Aspekte künstlerischer Medien, die Differenzierung zwischen neurotischen und psychotischen Patientengruppen sowie die pädagogische Implementierung, inklusive praktischer Tipps zur Materialwahl.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kunsttherapie, Gestaltungstherapie, therapeutischer Prozess, pädagogische Potentiale, schöpferische Arbeit und die Förderung emotionaler Stabilität durch künstlerisches Tun.
Warum ist die Wahl des Materials in der Kunsttherapie so entscheidend?
Die Materialwahl beeinflusst den therapeutischen Erfolg maßgeblich, da verschiedene Medien (z.B. Ölfarbe vs. Stifte) unterschiedlich auf die Psyche wirken und je nach Zielsetzung – etwa Beruhigung oder Strukturierung – gezielt eingesetzt werden müssen.
Muss eine Lehrkraft ausgebildeter Therapeut sein, um diese Methoden zu nutzen?
Nein, es ist keine Notwendigkeit, zum Therapeuten zu avancieren; jedoch ist es von großem Vorteil, die Potentiale künstlerischer Prozesse zu kennen, um die pädagogische Kompetenz zu erweitern und präventiv zu unterstützen.
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- Lana Novikova (Author), Eta Seegers (Author), 2005, Kunsttherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35442