Die Arbeit gibt einen kurzen Forschungsüberblick zum Nationalsozialismus und beschreibt anschließend das literarische Leben im "Dritten Reich“, angefangen mit der NS-Literaturpolitik und ihren konkurrierenden Institutionen über die Gleichschaltung bis zur Bücherverbrennung 1933. Gestützt auf die NS-konforme Literatur liegt ein besonderes Augenmerk auf der sogenannten Thingspielbewegung und beschreibt insbesondere das Wirken der Autoren unter Aufsicht der Reichskulturkammer. Letztlich wird die Exilliteratur anhand von drei gewählten Beispielen (Klaus Mann - "Mephisto", Irmgard Keuns - "Nach Mitternacht" und Anna Seghers "Das siebente Kreuz") im Mittelpunkt der Analyse stehen.
Ziel dieser Arbeit ist es aufzudecken, inwieweit man von einer Literatur im "Dritten Reich“ sprechen kann, was letztlich nationalsozialistische Literatur ausmachte, ob sie nach 1945 weiterhin relevant blieb und wie angesehen die Autoren tatsächlich bei der Leserschaft waren. Interessant bei der Betrachtung wird die Kulturpolitik bleiben, deren Umsetzung und die diversen Institutionen. Des Weiteren wird im Rahmen dieser Arbeit erforscht, wie sich das Alltagsleben der Exillisten gestaltete, in welchem Umfang die Exilautoren ihre Werke verfassen konnte und ob ihre Arbeit einen Einfluss auf das NS-Regime zeigte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsüberblick zum Nationalsozialismus
2.1 NS - Forschung
2.2 Alltagsgeschichtsschreibung
2.3 Historikerstreit
2.4 Wende 1989
3. NS-Literaturpolitik
3.1 Konkurrierende Institutionen der NS- Literaturpolitik
3.2 NS- Bücherverbrennungen 1933
3.3 Gleichschaltung in der Literaturpolitik
4. Die literarische Produktion in Deutschland 1933 bis 1945
4.1 Das Thingspiel
4.1.1 Definition des Begriffes
4.1.2 Traditionsbezüge und Wurzeln des Thingspiels
4.1.3 Ende der Thingbewegung
4.2 Frauenliteratur
4.3 Kriegsdichter als historische Legitimation
4.4 Schreiben unter Aufsicht
4.5 Aufkommen einer »jungen« Literatur
5. Exilliteratur
5.1 Leserschaft der Exilliteratur
5.2 Das Selbstverständnis der Exilautoren
5.3 Prosa als bedeutendstes Genre der Exilliteratur
5.4 Phasen der Exilliteratur
5.4.1 Die erste Phase
5.4.2 Die zweite Phase
5.4.3 Die dritte Phase
5.5 Einflüsse und Quellen der Deutschlandromane
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Literaturgeschichte im „Dritten Reich“ und analysiert kritisch das Spannungsfeld zwischen staatlich gelenkter Propaganda, der sogenannten „Inneren Emigration“ und der Exilliteratur, um aufzudecken, was nationalsozialistische Literatur definierte und wie sie von der Leserschaft wahrgenommen wurde.
- Strukturen der NS-Literaturpolitik und Institutionen wie die Reichskulturkammer
- Die literarische Produktion zwischen Gleichschaltung und Widerstand
- Entwicklung und Wandel der Exilliteratur in ihren drei Phasen
- Literarische Strategien und Selbstverständnis von Exilautoren
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Definition des Begriffes
Das Thingspiel, als Weiheveranstaltung angedacht, bezeichnet Ralf Schnell als „einzigen ernsthaften Versuch eine nationalsozialistische Ästhetik zu realisieren“25. Der Terminus Thingspiel ist auf den Kölner Theaterwissenschaftler Carl Niessen zurück zu führen, der sich hierbei an ,,den alten Begriff der rechtlich-politischen Versammlung im Steinring" 26 erinnerte. Der Begriff ist bereits in der »Germania« des Tacitus an zu finden, in der eine Versammlung von freien Männern beschrieben wird, bei der sie rechtliche und politische Fragestellungen besprachen.27 Insbesondere die Eigenschaft des Things als Volks-und Gerichtsversammlung als höchste strafrechtliche Instanz, wobei die anwesenden Personen über den Urteilsspruch entschieden, sollte für die Rückbesinnung der Nationalsozialisten auf Traditionen von beachtlicher Bedeutsamkeit sein.
Als Hauptanliegen des Thingspiel galt die Formation und Stärkung der Volksgemeinschaft, bei der eine freie Gesellschaft ohne Klassengegensätze zu demonstrieren war und die Festigkeit des Volkes auf rassischer , völkischer und nationaler Basis vorgezeichnet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das Vorurteil, dass im „Dritten Reich“ keine eigenständige Literatur entstehen konnte, und skizziert die methodische Untersuchung von NS-Literatur und Exilliteratur.
2. Forschungsüberblick zum Nationalsozialismus: Dieses Kapitel gibt einen Abriss über die Entwicklung der NS-Forschung, von frühen totalitären Interpretationen bis hin zur Alltagsgeschichtsschreibung und dem Historikerstreit.
3. NS-Literaturpolitik: Der Abschnitt beschreibt die Institutionalisierung der Kulturkontrolle durch Goebbels und die Reichskulturkammer sowie die Maßnahmen zur Gleichschaltung und Verfolgung.
4. Die literarische Produktion in Deutschland 1933 bis 1945: Es werden die verschiedenen Strömungen wie das Thingspiel, die Rolle der Frauenliteratur und der Kriegsdichter sowie die Strategien derer analysiert, die in Deutschland verblieben.
5. Exilliteratur: Dieses Kapitel behandelt die Aufgaben, Phasen und das Selbstverständnis der exilierten Schriftsteller sowie die Bedeutung von Prosa und Deutschlandromanen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine scharfe Trennung zwischen NS-Literatur und gegnerischer Literatur schwierig bleibt und unterstreicht die Notwendigkeit, das gesamte Spektrum der Jahre 1933 bis 1945 zu betrachten.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Literaturpolitik, Exilliteratur, Reichskulturkammer, Gleichschaltung, Thingspiel, Innere Emigration, Volksgemeinschaft, NS-Propaganda, Dichtung, Drittes Reich, Autodafé, Literaturgeschichte, Widerstand, Kulturpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit dem literarischen Leben in Deutschland zwischen 1933 und 1945 und hinterfragt kritisch die Einteilung in NS-konforme Literatur und Widerstandsliteratur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die NS-Literaturpolitik, die Rolle von Institutionen wie der Reichskulturkammer, die Bücherverbrennungen, die verschiedenen Phasen der Exilliteratur und das Schreiben unter den Bedingungen einer Diktatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, was nationalsozialistische Literatur ausmachte, inwiefern sie relevant blieb und wie die Schriftsteller im Exil oder in Deutschland ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis unter den Bedingungen des Regimes definierten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin/der Autor nutzt eine historisch-literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Fachliteratur (wie z.B. von Ralf Schnell oder Jan-Pieter Barbian) und die Untersuchung konkreter Werke der Epoche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Steuerung des Kulturbetriebs, die Analyse spezifischer Gattungen wie das Thingspiel oder die Exilprosa und die Differenzierung von Autorenbiografien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Volksgemeinschaft, Gleichschaltung, Innere Emigration, Exilliteratur und Propagandakunst geprägt.
Wie bewertet die Arbeit die sogenannte „Innere Emigration“?
Die Arbeit stellt dar, dass die „Innere Emigration“ keine homogene Gruppe war, sondern ein weites Feld von Kompromissen und individuellen Überlebensstrategien jener Autoren umfasste, die nicht emigrierten.
Warum war das „Thingspiel“ zum Scheitern verurteilt?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die pädagogisch-propagandistische Absicht des Regimes zu offensichtlich war, um das Thingspiel als echtes, populäres Kulturereignis etablieren zu können.
- Quote paper
- Antje Karger (Author), 2012, NS-Literaturpolitik. Die literarische Produktion von 1933 bis 1945 und Exilliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353033