Die Zensur war im 18. Jahrhundert in Frankreich allgegenwärtig und sehr streng. Zeitgenössische Schriftsteller und Autoren empfanden sie häufig als tyrannisch und repressiv. Doch verdanken viele aufgeklärte Werke gerade dem Oberzensor Malesherbes ihre Zulassung. Wurde durch literaturinteressierte und intellektuelle Zensoren die Verbreitung aufgeklärter Literatur bedeutend gefördert?
Die Institution der Zensur war ein Kontrollorgan der Monarchie. Der König strebte mit der staatlichen Zensur eine Monopolstellung an, um Schriftsteller und Autoren durch Repression oder Förderung in den Dienst der Krone zu stellen. Vom 17. zum 18. Jahrhundert gelang der Zensur tatsächlich für kurze Zeit die totalitäre Verfügbarkeit über Mensch und Material. In dieser Zeit verlor die Kirche ihren Anspruch über die Bücherkontrolle.
Es ist auf Grund der komplexen und divergenten Handhabung der Zensur kaum möglich, eine vollständige Entwicklung der Zensurgeschichte darzustellen. Darum soll in dieser Arbeit auf einige wesentliche Entwicklungen eingegangen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Oberzensor Malesherbes und den verschiedenen Druckerlaubnissen. Da die permission tacite eine ungewöhnliche Druckerlaubnis war, wird diese Genehmigung ausführlicher untersucht.
Die Frage ist zudem, ob belegt werden kann, dass die Librairie nicht gegen, sondern für die aufgeklärte Literatur arbeitete. Wie die Institutionen strukturiert waren und wie es um die Publizierungsmöglichkeiten stand, wird die Betrachtung der Druckerlaubnisse zeigen.
Trotz aller positiven Verhaltensweisen einzelner Zensoren, war die Zensurbehörde gleichermaßen für ihre Willkürlichkeit bekannt. Oftmals wurde die Machtstellung zur materiellen Bereicherung oder zur Austragung persönlicher Differenzen missbraucht. Dennoch war das Amt des Zensor nicht automatisch ein besonders sicheres. Durchaus konnten selbst Zensoren in die Schusslinie der Kritik geraten.
Durch diesen Umstand werfen weitere Fragen auf: Wie wurde zensiert? Was und warum wurde zensiert? Riskierten Zensoren für manche Werke ihre Stellung?
Inhaltsverzeichnis
- I. EINLEITUNG
- 1. GESCHICHTE DER ZENSUR IN FRANKREICH
- 1.1 WARUM EINE ZENSUR?
- 1.2 OBERZENSOR MALESHERBES
- 1.3 ZENSUR ALS MITTEL DER POLITIK
- 2. SYSTEM UND STRUKTUR DER ZENSURBEHÖRDEN
- 2.1 DIE VORZENSUR
- 2.1.1 Le Bureau contentieux de la librairie
- 2.1.2 Le Bureau gracieux de la librairie
- 2.2. NACHZENSUR: LA POLICE DES LIVRES
- 2.3 SELBSTZENSUR
- 3. DRUCKERLAUBNISSE UND EINHALTUNG
- 3.1 LE PRIVILÈGE GÉNÉRAL
- 3.2 LA PERMISSION TACITE
- 3.3 LA SIMPLE TOLÉRANCE
- 3.4 NICHT ERLAUBT UND NICHT VERBOTEN
- 3.5 LES LIVRES DÉFENDUS
- 4. FAZIT: DIE ZENSUR STEHT IM ZEICHEN DER AUFKLÄR UNG
- 5. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Rolle der Zensurbehörde im Frankreich des 18. Jahrhunderts und untersucht, ob sie die Verbreitung aufgeklärter Literatur unterstützte oder hinderte. Dabei wird auf die Geschichte der Zensur, ihre Organisation und die verschiedenen Druckerlaubnisse eingegangen. Insbesondere wird die permission tacite genauer betrachtet.
- Die Geschichte der Zensur in Frankreich und deren Entwicklung im 18. Jahrhundert
- Die Funktion und Struktur der Zensurbehörde
- Die Rolle des Oberzensors Malesherbes
- Die verschiedenen Arten von Druckerlaubnissen
- Die Bedeutung der Zensur im Kontext der Aufklärung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Zensur im 18. Jahrhundert in Frankreich ein und stellt die Problemstellung der Arbeit dar. Das erste Kapitel behandelt die Geschichte der Zensur und beleuchtet die Ursprünge, die Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert sowie die Rolle des Königs. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem System und der Struktur der Zensurbehörden, wobei die Vorzensur, die Nachzensur und die Selbstzensur analysiert werden. Kapitel drei beschäftigt sich mit den verschiedenen Arten von Druckerlaubnissen, wie dem privilège général, der permission tacite, der simple tolérance sowie den nicht erlaubten und den verbotenen Werken.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Zensur im Frankreich des 18. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Aufklärung. Zu den wichtigen Schlüsselbegriffen gehören: Zensur, Aufklärung, Oberzensor, Malesherbes, Druckerlaubnisse, permission tacite, staatliche Kontrolle, literarische Produktion, Buchmarkt, absolutistische Herrschaft, Frankreich, Ancien Régime.
Häufig gestellte Fragen
Wie streng war die Zensur im Frankreich des 18. Jahrhunderts?
Die staatliche Zensur unter der Monarchie war allgegenwärtig und wurde von vielen Zeitgenossen als tyrannisch und repressiv empfunden.
Wer war Malesherbes und welche Rolle spielte er für die Aufklärung?
Malesherbes war der Oberzensor, der trotz seines Amtes viele bedeutende Werke der Aufklärung zuließ und deren Verbreitung teilweise sogar förderte.
Was versteht man unter der „permission tacite“?
Es handelt sich um eine „stillschweigende Erlaubnis“, eine ungewöhnliche Form der Druckerlaubnis, die es ermöglichte, Bücher ohne offizielles Privileg, aber mit Duldung der Behörden zu veröffentlichen.
Welche Arten von Druckerlaubnissen gab es noch?
Neben der permission tacite gab es das „privilège général“ (offizielles Privileg) und die „simple tolérance“ (einfache Duldung).
Arbeitete die Zensurbehörde tatsächlich gegen die Aufklärung?
Die Arbeit untersucht die These, dass die Zensurbehörde (Librairie) unter bestimmten Zensoren eher für als gegen die aufgeklärte Literatur arbeitete.
Was passierte mit verbotenen Büchern (livres défendus)?
Verbotene Werke wurden von der „Police des livres“ (Nachzensur) verfolgt, dennoch fanden sie oft über illegale Wege ihren Weg zum Leser.
- Quote paper
- Master of Arts Alexander Monagas (Author), 2004, Aufgabe der Zensurbehörde im Zusammenhang mit ihrer Bedeutung zur Verbreitung und Unterstützung von aufgeklärter Literatur in Frankreich im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35282