Die Rechtfertigungslehre war und ist einer der Streitpunkte in der Reformation, die die abendländische Kirche in zwei Teile spaltete. Dies war bei der Rechtfertigung besonders gravierend, da sie das zentrale Thema der Heilslehre behandelt und die Frage zu beantworten versucht, wie die Beziehung Mensch-Gott geartet ist. Somit werden ebenfalls fundamentale Annahmen über den christlichen Glauben generell aufgestellt.
Es ergaben sich zwei Grundpositionen: Auf reformatorischer Seite vertrat man, dass die Zueignung des Heils durch das Wort, auf welches sich der Glaubende stützt, richtig ist. Auf katholischer Seite hingegen vertraute man auf die sakramentale Erneuerung, bei der Liebe und Glaube als Tugenden eingeschlossen wurden. An diesem Punkt schieden sich die Wege scheinbar zu Recht und auch die dogmatischen Sätze, die die Reformation und das gegenreformatorische Konzil zusammentrugen, bestätigten dies. Doch im Jahre 1997 verfassten der Lutherische Weltbund (LWB) und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen ein Dokument, das eben jene Wogen als vergangen darzustellen versuchte. Dieses Dokument, die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE), zeigt den bis heute bestehenden Höhepunkt einer Bewegung, die mit dem zweiten Vatikanischen Konzil einsetzte.
Die große Anzahl der hin und wieder widersprüchlichen Äußerungen bezüglich der GE unterstreichen nicht nur die Differenzen zwischen katholischen und reformierten Lehren, sondern auch innerhalb der Konfessionen kam es zu unterschiedlichen Haltungen. Aufgrund dieser vielfältigen kleineren „Spaltungen“ der GE gegenüber, versucht diese Arbeit noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, auf welche Grundlage die Rechtfertigungslehre baut und wo die einstigen Unterschiede lagen, sowie die Überwindung selbiger. Hierfür widmet sich die Arbeit zuerst dem, was den Menschen unmittelbar betrifft, nämlich der Menschen selbst und seine Beziehung zur Rechtfertigung, um anschließend die sich ergebenden Teilaspekte abzudecken, die für die Spaltung mitverantwortlich waren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Über den Menschen
- Erhalt oder Fehlen des freien Willens als Lehrunterschied
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rechtfertigungslehre und den historischen Kontroversen zwischen Katholizismus und Reformation. Sie analysiert die zentralen Unterschiede in der Lehre und beleuchtet die Frage, wie der Mensch zur Rechtfertigung gelangt. Dabei werden die unterschiedlichen Auffassungen über die Rolle des freien Willens, die Bedeutung der guten Werke und die Natur der Sünde untersucht.
- Die Rechtfertigungslehre als Kernstück der Heilslehre
- Die Rolle des freien Willens und die Auswirkungen des Sündenfalls
- Die Bedeutung von Glaube und guten Werken für die Rechtfertigung
- Die unterschiedlichen Auffassungen von Katholizismus und Reformation
- Die Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) und ihre Bedeutung für die Annäherung der Konfessionen
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in die Thematik der Rechtfertigungslehre ein und erläutert die historischen Kontroversen zwischen Katholizismus und Reformation. Sie stellt die zentrale Frage der Heilslehre dar und zeigt auf, wie die unterschiedlichen Auffassungen zu fundamentalen Annahmen über den christlichen Glauben führten.
Über den Menschen
Dieses Kapitel untersucht die Rolle des Menschen in der Rechtfertigungslehre. Es analysiert die unterschiedlichen Ansichten über die Natur des Menschen nach dem Sündenfall und die Frage, ob der freie Wille erhalten bleibt oder verloren geht. Es beleuchtet die Bedeutung des Glaubens und der guten Werke für die Rechtfertigung.
Erhalt oder Fehlen des freien Willens als Lehrunterschied
Dieser Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie der Mensch nach dem Sündenfall beschaffen ist und ob der freie Wille erhalten bleibt oder verloren geht. Es werden die Positionen Luthers und des Konzils von Trient gegenübergestellt und die unterschiedlichen Auffassungen über die Rolle des Menschen in der Rechtfertigung beleuchtet.
Schlüsselwörter
Rechtfertigungslehre, Reformation, Katholizismus, Heilslehre, freier Wille, Sündenfall, Glaube, gute Werke, Gemeinsames Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE)
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Rechtfertigungslehre?
Die Rechtfertigungslehre beantwortet die Frage, wie die Beziehung zwischen Mensch und Gott beschaffen ist und wie der Mensch das Heil (die Erlösung) erlangt.
Was war der Hauptstreitpunkt zwischen Reformationsseite und Katholizismus?
Reformatorisch stand die Rechtfertigung allein durch den Glauben (Sola Fide) im Fokus, während die katholische Seite die sakramentale Erneuerung und das Zusammenwirken von Glaube und Liebe betonte.
Welche Rolle spielt der freie Wille in dieser Debatte?
Es bestand Uneinigkeit darüber, ob der Mensch nach dem Sündenfall noch einen freien Willen besitzt, um aktiv zu seinem Heil beizutragen, oder ob er völlig auf Gottes Gnade angewiesen ist.
Was ist die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (GE)?
Ein 1997/1999 veröffentlichtes Dokument des Lutherischen Weltbundes und des Vatikans, das einen Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre feststellt.
Warum ist das Konzil von Trient in diesem Kontext wichtig?
Das Konzil von Trient legte die dogmatischen Gegenpositionen der katholischen Kirche zur Reformation fest und zementierte die Spaltung über Jahrhunderte.
Sind gute Werke für die Rechtfertigung notwendig?
Die Arbeit untersucht die Differenz: Während sie für Reformatoren eine Folge des Glaubens sind, sah die katholische Tradition in ihnen ein verdienstliches Mitwirken am Heilsprozess.
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- Anonym (Author), 2014, Streitpunkt Mensch. Grundlagen, Differenzen und aktuelle Betrachtung der Rolle des Menschen in der Rechtfertigungslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352200