In der Hausarbeit wird die kritische Sichtweise zum Fall Anneliese Michel dargestellt. Im Juli 1976 verstarb die damals dreiundzwanzigjährige Anneliese Michel an den Folgen eines mehrtägigen Exorzismus. Der Fall sorgte für großes Aufsehen und wird heute noch im Zusammenhang mit dem katholischen Exorzismus erwähnt und von Kritikern als Beispiel für die Fahrlässigkeit der katholischen Kirche genommen. Die Hausarbeit legt die unterschiedlichen Kommentare zu dem Vorfall sowohl aus geistlicher Sicht als auch von Wissenschaftlern dar. War Michel wirklich besessen oder ist ihr Verhalten pathologisch erklärbar und hätte ihr Tod verhindert werden können?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person Anneliese Michel
3. Warum wurde der Exorzismus überhaupt durchgeführt?
4. Der Vorfall aus der Sicht der katholischen Kirche
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den tragischen Fall der Anneliese Michel, die 1976 infolge eines mehrtägigen Exorzismus verstarb, und analysiert die Hintergründe sowie die Rolle der katholischen Kirche und der involvierten Personen.
- Biografische Hintergründe und Krankheitsgeschichte von Anneliese Michel
- Medizinische Diagnosen im Kontrast zur kirchlichen Besessenheitshypothese
- Kritische Analyse der Durchführung des Exorzismus
- Stellungnahme und Rechtfertigungsstrategien der katholischen Kirche
- Auswirkungen des Falls auf die kirchlichen Rituale
Auszug aus dem Buch
3. Warum wurde der Exorzismus überhaupt durchgeführt?
In der theologischen Stellungnahme der katholischen Kirche von 1952 heißt es, dass die Durchführung des Exorzismus eine medizinische Hilfeleistung niemals ausschließt und sogar dazu verpflichtet. Außerdem gibt es festgelegte Kennzeichen, damit ein Bischof einen Priester überhaupt dazu autorisieren darf einen Exorzismus durchzuführen. Michel zeigte in ihren letzten Lebenstagen einige ungewöhnliche Verhaltensweisen. Sie fastet und ernährt sich von Insekten und Eigenurin. Immer wieder verletzt sie sich selber und bekommt wütende Anfälle, besonders in bei sein von Gottesvertretern.
Zu den Kennzeichen zählen dennoch andere Punkte, die mit dem Verhalten von Michel nicht übereinstimmen eigentlich hätte dem Exorzisten die Erlaubnis gar nicht erteilt werden dürfen. Sie spricht weder eine Ihr unbekannt Sprache, noch kann sie Entferntes und Verbogenes offenbaren. Während des durchgeführten Exorzismus sprechen angeblich zwar immer wieder Personen die das Böse personifizieren wie zum Beispiel Judas, Nero und Adolf Hitler aus ihr, dies kann aber auch auf eine nicht gerade selten vorkommende Persönlichkeitsstörung n Verbindung ihrer Epilepsie hinweisen. (Leimgruber, 2005, S. 65)
Ihre Familienmitglieder sollen dabei mitgewirkt haben, dass Michel während des Exorzismus keinen Kontakt zu einem Arzt hat. Nach Aussagen ihrer Mittschüler, soll ihre Schwester einen Arzt davon abgehalten haben Michel zu untersuchen. Für die gesammte Familie stand fest, dass Michel vom Bösen befallen war. (Sieberer, 2003)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Fall Anneliese Michel ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Verantwortlichkeit und der pathologischen Erklärbarkeit ihres Todes.
2. Zur Person Anneliese Michel: Dieses Kapitel beleuchtet das Leben der jungen Studentin, ihre medizinische Diagnose einer Epilepsie sowie das religiös geprägte familiäre Umfeld, das den Weg zum Exorzismus ebnete.
3. Warum wurde der Exorzismus überhaupt durchgeführt?: Das Kapitel hinterfragt die Kriterien der Kirche für die Autorisierung von Exorzismen und stellt fest, dass die Symptome der Patientin nicht den kircheninternen Voraussetzungen entsprachen.
4. Der Vorfall aus der Sicht der katholischen Kirche: Hier werden die Argumente der Exorzisten analysiert, die von einer sogenannten "Sühnebesessenheit" sprachen, um ihr eigenes Handeln zu legitimieren.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die vielschichtigen Ursachen des Todes zusammen und thematisiert das darauffolgende Umdenken innerhalb der katholischen Kirche bezüglich des Rituals.
Schlüsselwörter
Anneliese Michel, Exorzismus, katholische Kirche, Besessenheit, Epilepsie, Sühnebesessenheit, medizinische Hilfeleistung, religiöse Erziehung, Fall Klingenberg, Rituale Romanum, Teufelsglaube, Schuldfrage, Krankheitsverlauf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch den Fall der 1976 verstorbenen Anneliese Michel im Kontext der durchgeführten Exorzismen und hinterfragt das Zusammenspiel zwischen religiösem Glauben und medizinischer Vernachlässigung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der katholischen Kirche bei Exorzismen, das Spannungsfeld zwischen psychischer Erkrankung und Dämonenglaube sowie die soziokulturellen Hintergründe des Falls.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Perspektiven – geistlich versus wissenschaftlich – darzulegen und kritisch zu prüfen, ob der Tod der jungen Frau durch medizinisches Eingreifen hätte verhindert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die verschiedene Quellen, theologische Stellungnahmen und wissenschaftliche Kommentare zum Fall zusammenführt und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der Person Anneliese Michel, den Hintergründen für die Durchführung des Exorzismus, den Diskrepanzen zwischen kirchlicher Diagnose und medizinischer Faktenlage sowie der kircheninternen Aufarbeitung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sühnebesessenheit, Epilepsie, kirchliche Eigenmächtigkeit, medizinische Fahrlässigkeit und das Rituale Romanum charakterisiert.
Was bedeutet in diesem Kontext der Begriff der "Sühnebesessenheit"?
Die Exorzisten interpretierten den Zustand Anneliese Michels als eine Form der Besessenheit, bei der sie durch ihr Leiden die Sünden anderer Menschen sühnen müsse, was ihre medizinische Unheilbarkeit in der Vorstellung der Geistlichen erklärte.
Welche Auswirkung hatte der Fall auf die katholische Kirche?
Der Fall führte zu einem Umdenken innerhalb der Kirche, was sich unter anderem in der Überarbeitung des Exorzismus-Rituals (Rituale Romanum) und strengeren Auflagen für deren Durchführung widerspiegelt.
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- Linda Hase (Author), 2015, Exorzismus. Der Tod von Anneliese Michel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350853