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Christliche Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen auf Palästina

Die Idee der 'Restoration der Juden' und die Lehren der Württemberger Chiliasten des 18. und 19. Jahrhunderts als Beispiele christlichen 'Zionismus'

Titel: Christliche Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen auf Palästina

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2016 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ines Bethge-Bonk (Autor:in)

Theologie - Systematische Theologie
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Es waren Deutsche und Christen, „die dem zionistischen Staat Israel den Weg geebnet haben“. Diese Aussage verwundert zunächst. Tatsächlich wurde die Tatsache, dass deutsche (vor allem württembergische) Christen im 19. und frühen 20. Jahrhundert maßgeblich am Aufbau Palästinas beteiligt waren, lange Zeit in Israel, aber auch in Deutschland verschwiegen und verdrängt. Innerhalb dieser Geschichte christlicher Siedler in Palästina spielte das Motiv der 'Zionssehnsucht' eine zentrale Rolle.

Die mit dem (endzeitlichen) Zion bzw. Jerusalem verbundenen Hoffnungen und Sehnsüchte waren, wie ich in dieser Ausarbeitung aufzeigen möchte, nicht nur zentral für den Glauben des jüdischen Volkes im Exil. Sie entfalteten auch im Christentum, und hier besonders intensiv in den chiliastischen Strömungen, eine große Wirkmächtigkeit, indem sie Auswanderungsbewegungen, Siedlungs- und Missionsprojekte motivierten und so historische Entwicklungen, in diesem Fall die (infrastrukturelle) Entwicklung Palästinas und die Entstehung des Staates Israel, beeinflussten. Dabei waren die zugrundeliegenden biblischen Motive der 'Rückkehr nach Jerusalem' und des 'himmlischen Jerusalem' und ihre jeweils spezifische Einbettung in apokalyptische Szenarien über die Jahrhunderte einem steten Aushandlungsprozess zwischen Juden und Christen ausgesetzt

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Heilige Land, die Stadt Jerusalem und der Chiliasmus: biblische Grundlagen

3. Die Idee der 'Restitution Israels'

3.1. Die Anfänge der Idee und ihre Hintergründe: Die Lehre des Martin Cellarius

3.2. Die Idee der 'Restoration of the Jews' in England

3.3. Das Anglikanisch-Preußische Bistum in Jerusalem

4. 'Auf nach Jerusalem!' Württembergische Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen

4.1. Jerusalemssehnsucht im Glaubens- und Hoffnungsblick für das Volk Gottes von Johann Jakob Friederich

4.1.1. Sehnsuchtsziel Jerusalem

4.1.2. Zeitpunkt und Motivation für den Auszug

4.1.3. Auswirkungen: Die Auswanderungsbewegung der „Zioniden“

4.2. Kolonisten in Palästina: Die Templer

4.2.1. Entstehung und Motivation der Tempelgesellschaft

4.2.3. Auswirkungen auf die Entwicklung Palästinas und Verhältnis zu den Juden

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle christlicher, insbesondere württembergischer, Strömungen des 18. und 19. Jahrhunderts bei der vor-zionistischen Besiedlung Palästinas. Dabei liegt der Fokus darauf, wie chiliastische Zionssehnsucht und die Idee der "Restitution Israels" als religiöse Motive Auswanderungsbewegungen auslösten und die infrastrukturelle sowie gesellschaftliche Entwicklung im Heiligen Land beeinflussten, ungeachtet der teils feindlichen theologischen Ausgangslage zwischen Christen und Juden.

  • Biblische und chiliastische Grundlagen der Zionssehnsucht
  • Die Lehre der 'Restitution Israels' und ihre Verbreitung
  • Württembergische Pietisten und die Auswanderungsbewegung der "Zioniden"
  • Die Tempelgesellschaft: Entstehung, Motivation und Einfluss in Palästina
  • Das Spannungsfeld zwischen religiöser Motivation und sozioökonomischem Wirken

Auszug aus dem Buch

4.1.1. Sehnsuchtsziel Jerusalem

In Friederichs Schrift ist die 'Zionssehnsucht' auf die Spitze getrieben. Die Exklusivität Israels bzw. Jerusalems steht stark im Vordergrund. Bei dem derzeitigen 'antichristlichen Jammer' hätten die Elenden und Verfolgten „aus keinem andern Land noch Ort Hülfe zu gewarten, als allein vom Berge Zion“(GHB, S. 29). Der Berg Zion sei der künftige Sitz des Königreiches Gottes, einer „Theokratie, nicht aber Republik“, der künftige Ort des Priestertums und des neuen Tempels (GHB, S. 27)37. Das von Friederich im Folgenden naiv-schwärmerisch geschilderte Jerusalem des bald anbrechenden Tausendjährigen Reiches erinnert stark an das Schlaraffenland oder das Paradies: Der Tempel werde den Salomonischen an Pracht und Größe übertreffen (GHB, S. 29), dort werde eine Quelle entspringen, deren Wasser alle Krankheiten heile (GHB, S. 30), sehr selten werde dort „eine Leiche seyn, in hundert Jahren vielleicht eine“, Kinder würden hier gar nicht sterben (GHB, S. 80-82). Jerusalem werde als „Haupt und Residenzstadt der ganzen Welt“ die „wahre Freudenstadt, der Ort der Wonne und des Vergnügens“ sein (GHB, S.80-82). Durch die 'Lehranstalt auf dem Berge Zion' werden die Völker der Welt gelehrt und unterrichtet (GHB, S. 66).38 Äcker, Gärten, Weinberge, Auen und Wälder würden dort grünen wie ein Lustgarten, die Weinberge so voller Trauben stehen, dass „ganze Bächlein süssesten Mostes in den Furchen der Weinberge heraublaufen werden“ (GHB, S. 93-95). Auch die Prophezeiung von Jes 11,6-8 werde dort war, des Kriegs werde nimmer gedacht (GHB, S. 102) und selbst die Tierwelt in den Frieden einbezogen (GHB, S. 98).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Rolle deutscher Christen bei der Besiedlung Palästinas und führt in das Konzept eines 'vor-zionistischen Zionismus' durch chiliastische Strömungen ein.

2. Das Heilige Land, die Stadt Jerusalem und der Chiliasmus: biblische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die biblischen Ursprünge der Zionssehnsucht und des Chiliasmus, insbesondere die Verheißungen an Abraham und die eschatologischen Hoffnungen auf das himmlische Jerusalem.

3. Die Idee der 'Restitution Israels': Das Kapitel beleuchtet die Entstehung der Idee einer endzeitlichen Wiederherstellung Israels im 16. und 17. Jahrhundert, ausgehend von Martin Cellarius bis hin zur Rezeption in England.

4. 'Auf nach Jerusalem!' Württembergische Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen: Hier wird der Fokus auf den schwäbischen Pietismus, die Schriften von Johann Jakob Friederich und die Auswanderungsbewegung der 'Zioniden' sowie die Geschichte der Tempelgesellschaft in Palästina gelegt.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie christlich-chiliastische Vorstellungen die historische Entwicklung Palästinas prägten und verdeutlicht den engen, wenn auch oft feindlich geprägten Austausch zwischen christlicher und jüdischer Endzeiterwartung.

Schlüsselwörter

Zionssehnsucht, Chiliasmus, Restitution Israels, Württemberg, Pietismus, Jerusalem, Tempelgesellschaft, Auswanderung, Palästina, Endzeiterwartung, Zioniden, Biblische Weissagungen, Siedlungsprojekte, Christlicher Zionismus, Eschatologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Beitrag christlicher Gruppen des 18. und 19. Jahrhunderts, insbesondere württembergischer Pietisten und Chiliasten, zur Besiedlung und Infrastrukturentwicklung Palästinas im Kontext religiöser Erwartungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Chiliasmus, die pietistische Bewegung in Württemberg, die Idee der 'Restitution Israels' und die Rolle deutscher Siedler wie der Templer in Palästina.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie die christliche 'Zionssehnsucht' und chiliastische Endzeiterwartungen als Motive für Auswanderung und Siedlungsprojekte wirkten und somit die Entwicklung des Landes beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theologischen und historischen Analyse, die Schriften der damaligen Zeit sowie die Forschung zur christlich-jüdischen Beziehungsgeschichte auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen und theologischen Hintergründe, die Bedeutung der Schrift von Johann Jakob Friederich, die Auswanderung der 'Zioniden' und die Entstehung sowie das Wirken der Tempelgesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zionssehnsucht, Chiliasmus, Pietismus, Tempelgesellschaft und Restitution Israels charakterisiert.

Warum wurde Russland für die Auswanderung der 'Zioniden' gewählt?

Da eine direkte Auswanderung nach Palästina unter den damaligen politischen Umständen unmöglich war, wurde Russland aufgrund religiöser Interpretationen von Prophezeiungen und zeitweiliger Privilegien des Zaren als vorläufiger 'Bergungsort' gewählt.

Wie war das Verhältnis der Templer zu den jüdischen Siedlern in Palästina?

Das Verhältnis war bis 1933 weitgehend kooperativ und von gegenseitigem Lernen im wirtschaftlichen Bereich geprägt, trotz anfänglicher theologischer Vorbehalte und späterer politischer Spannungen durch den erstarkenden Judenhass.

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Details

Titel
Christliche Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen auf Palästina
Untertitel
Die Idee der 'Restoration der Juden' und die Lehren der Württemberger Chiliasten des 18. und 19. Jahrhunderts als Beispiele christlichen 'Zionismus'
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Christen und Juden in der Kirchengeschichte der Neuzeit
Note
1,0
Autor
Ines Bethge-Bonk (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V350087
ISBN (eBook)
9783668370777
ISBN (Buch)
9783668370784
Sprache
Deutsch
Schlagworte
christliche zionssehnsucht auswirkungen palästina idee restoration juden lehren württemberger chiliasten jahrhunderts beispiele zionismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ines Bethge-Bonk (Autor:in), 2016, Christliche Zionssehnsucht und ihre Auswirkungen auf Palästina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350087
Blick ins Buch
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