Eingang
Im Folgenden soll es um die Bilderproduktion der Massenmedien gehen; um Bilder von Männern, Frauen und Heranwachsenden, die alle sowohl Betrachtende, als auch Dargestellte sind, Subjekte und Objekte der Bilder. Die These ist, dass es dabei ein ganz bestimmter Blick ist, der auf die Körper und ihr Interagieren geworfen wird und dass Medien nicht einfach etwas darstellen, sondern produzieren. Sie bilden nicht nur ab, sie bilden auch neu. Renate Lippert stellt in einem Beitrag zur feministischen Filmtheorie die Frage: „Ist der Blick männlich?“ Sie bezieht sich dabei unter anderem auf die Lacansche Relektüre der freudschen Psychoanalyse, die die Frau in den Status des Nicht-Subjekts setzt. Lacans Behauptung: Die Frau gibt es nicht, lässt sich jedoch auf vielfältige Weise lesen. Dass die Frau vom männlichen Blick erschaffen und damit zwangsläufig funktionalisiert und eingegrenzt wird, ist eine mögliche, wenn auch sehr pessimistische Lesart. Die Frau wird darin zur tabula rasa, die dem einzigen Zweck dient ausgefüllt zu werden: mit Kindern und gesellschafts-stabilisierenden Diskursen über Weiblichkeit, die sich in verschleierter Form auf die beiden Pole Heilige oder Hure beziehen. Michel Foucault hat unter anderen diese regressive Funktionalisierung der Sexualität/ Geschlechtlichkeit als einen Diskurs entlarvt, der der Sicherung ökonomischer Verhältnisse dient.
Ähnliches formulieren Gilles Deleuze und Felix Guattari im Anti-Ödipus. Sie betrachten die Zusammenhänge von Kapitalismus und Schizophrenie und finden, dass die Psychoanalyse nicht etwa den Analysanden aus seinem Gefängnis ödipaler Phantasien befreit, sondern mit der Produktion derselben sein Begehren pervertiert, welches dann kapitalistisch ausgebeutet werden kann. Sie schreiben: „Ödipus setzt eine ungeheure Repression der Wunschmaschinen voraus“ Das Unbewußte ist dabei die Wunschmaschine schlechthin, deren innovative Energie verloren geht, wenn der Versuch gemacht wird, ein befestigtes Ich, eine begrenzte dentität zu schaffen. Klaus Theweleit schreibt in Männerphantasien über das Mißlingen solcher Versuche. Er kritisiert dabei auch das freudsche Verständnis von Ich-Bildung, weil diese bei Freud mit Stillegung und Trockenlegung assoziiert wird. „Die mit der Topik von Ich/Es/Über-Ich beschreibbare Person wäre somit konzipiert als trockenes Grab für die Ströme und die Wunsch-maschinen“, schreibt Theweleit. [...]
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- I: Eingang ins Themenfeld
- Verortung/en der Arbeit
- II: Medienanalysen
- „Species“
- „fight club“
- "Minority Report"
- Menschen und Maschinen (Björk: All Is Full Of Love)
- Anhang: Songtext zu All Is Full Of Love
- III: Fazit/Ausblick
- IV: Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Arbeit befasst sich mit der Bilderproduktion der Massenmedien, insbesondere mit der Darstellung von Männern, Frauen und Heranwachsenden als sowohl Betrachtende als auch Dargestellte. Die zentrale These ist, dass die Medien nicht einfach etwas darstellen, sondern produzieren, und dass ein bestimmter Blick auf Körper und Interaktion geworfen wird. Dabei werden die Konstruktionen von Geschlecht und die Unterdrückung der „fliessend-maschinelle Produktionskraft des Unbewussten“ im Fokus stehen.
- Der Einfluss von Medien auf die Konstruktion von Geschlecht und die Repräsentation von Körpern.
- Die Rolle von Medien im Kampf gegen die weibliche Sexualität und die Unterdrückung des Unbewussten.
- Die Analyse von filmischen Darstellungen und deren ideologische Botschaften.
- Die Frage nach der Reproduktion und Neuschöpfung von gesellschaftlichen Strukturen durch Medien.
- Die Kritik an der freudschen Psychoanalyse und deren Relektüre durch Lacan.
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Das erste Kapitel führt in das Themenfeld der Medienanalyse ein und erläutert den theoretischen Rahmen der Arbeit. Dabei wird auf die Bedeutung des Blicks, die Konstruktion von Geschlecht und die Funktionsweise von Medien als Produktionsmechanismen eingegangen.
Das zweite Kapitel widmet sich der Analyse von Medienproduktionen, insbesondere von Filmen wie „Species“ und „fight club“. Hier werden die Darstellung von weiblicher Sexualität und Körperlichkeit im Kontext von männlichen Phantasien und gesellschaftlichen Normen untersucht. Die Arbeit analysiert, wie diese Medien Geschlechterrollen konstruieren und die Unterdrückung des Unbewussten widerspiegeln.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die Arbeit fokussiert auf die Themen Medienanalyse, Geschlecht, Bilderproduktion, Körper, Unbewusstes, Psychoanalyse, Lacan, Deleuze und Guattari, Film, kulturelle Studien, ideologische Botschaft, Reproduktion, Neuschöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die zentrale These der Arbeit „Männerphantasien“?
Die These besagt, dass Medien Körper und Geschlechterrollen nicht nur abbilden, sondern durch einen spezifischen (oft männlichen) Blick aktiv produzieren und neu erschaffen.
Welche Filme werden in der Medienanalyse untersucht?
Die Arbeit analysiert die Filme „Species“, „Fight Club“ und „Minority Report“ sowie das Musikvideo „All Is Full Of Love“ von Björk.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse in dieser Untersuchung?
Die Arbeit bezieht sich auf Lacans Relektüre von Freud, die Kritik von Deleuze und Guattari am Ödipus-Komplex sowie Klaus Theweleits Werk über das Scheitern der Ich-Bildung.
Wie wird der „männliche Blick“ in der Arbeit definiert?
Basierend auf feministischer Filmtheorie wird untersucht, wie der Blick die Frau als „Nicht-Subjekt“ erschafft, funktionalisiert und auf Rollen wie „Heilige“ oder „Hure“ begrenzt.
Was kritisiert Klaus Theweleit an der Ich-Bildung?
Theweleit kritisiert das freudsche Verständnis von Ich-Bildung als Stilllegung von Wunschmaschinen und Strömen des Unbewussten, was er in seinem Werk „Männerphantasien“ analysiert.
Inwiefern hängen Kapitalismus und Medienbilder zusammen?
Die Arbeit erörtert nach Foucault, Deleuze und Guattari, dass die Funktionalisierung von Geschlechtlichkeit und die Produktion von Phantasien der Sicherung ökonomischer Verhältnisse dienen.
- Arbeit zitieren
- Ann-Kathrin Keller (Autor:in), 2003, *Männerphantasien* Zur Inszenierung von Körper und Geschlecht im Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34716