Der vorliegende Text bemüht sich um Darlegung und Kritik des Essays „Europe – en voie romaine“ von Remi Brague, der in deutschen Übersetzung „Europa – eine exzentrische Identität“ vorliegt. Ziel der Arbeit ist es, Bragues Gedanken, die er essayistisch darbietet, in die Form einer akademischen Abhandlung zu übersetzen. Diese Vorgabe strukturiert die Arbeit in einigen gewichtigen Punkten. Die Struktur des Essays soll möglichst ignoriert und seine zahlreichen historischen Ausschmückungen weitgehend weggelassen werden, um den gedanklichen Gehalt klar sichtbar werden zu lassen. Es soll auch die Form des Essays, der naturgemäß eher überredenden Charakter hat, auf eine argumentative Grundlage gestellt werden, von der aus er abgelehnt oder verteidigt werden kann. Die Kritik in Detailfragen, die an verschiedenen Stellen anzubringen wäre, soll äußerst sparsam gehalten werden, da es z.B. müßig wäre, Brague ein ums andere mal eine Ungenauigkeit in der Begriffswahl nachzuweisen, da sprachliche Abwechslung dem Stile eines Essays entspricht. Die Kritik soll sich deshalb nur auf die zentralen Punkte erstrecken.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Bragues Kulturbegriff
- 2.1. Der holistische Kulturbegriff
- 2.2. Bragues Gegenentwurf
- 2.2.1. Bragues Kulturbegriff
- 2.2.2. Vorteile des Bragueschen Kulturbegriffs
- 2.3. Beispiele für die römische Haltung in der Geschichte und ihre Gegenmodelle
- 2.3.1. Die Römer und die Griechen
- 2.3.2. Das Christentum und der Islam
- 2.3.3. Europa und der Islam sowie Byzanz
- 2.4. Bragues Gegenwartsanalyse und seine Forderungen
- 3. Kritik und Würdigung
- 3.1. Das Verhältnis von Kultur und Raum
- 3.2. Der Verlust des Eigenen
- 3.3. Die Rettung des Eigenen
- 3.4. Subjektivistischer und holistischer Kulturbegriff - Revisited
- 3.5. Das Problem des Anderen
- 4. Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert und kritisiert Remi Bragues Essay "Europa - eine exzentrische Identität", wobei er Bragues Gedanken in eine akademische Abhandlung überträgt. Die Arbeit untersucht Bragues Kulturbegriff, der eine Alternative zu einem holistischen Kulturbegriff darstellt, und zeigt, wie er den Umgang mit dem Anderen in der europäischen Kultur betrachtet.
- Bragues Kulturbegriff im Vergleich zum holistischen Kulturbegriff
- Die "römische Haltung" als Umgang mit Fremdem in der europäischen Kultur
- Die Kritik am holistischen Kulturbegriff und seine Folgen
- Die Bedeutung des Anderen für die eigene Kultur und die "Renaissance" als Neuaneignung
- Das Verhältnis von Eigenem und Anderem in der Kultur
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel stellt den Essay "Europa - eine exzentrische Identität" von Remi Brague vor und erläutert die Zielsetzung und den Ansatz der vorliegenden Arbeit. Das zweite Kapitel analysiert Bragues Kulturbegriff im Vergleich zum holistischen Kulturbegriff. Es zeigt, wie Brague die "römische Haltung" als Alternative zur Assimilation von Fremdem begreift und welche Vorteile er diesem Ansatz zuspricht. Das dritte Kapitel diskutiert die Kritik am holistischen Kulturbegriff und dessen Folgen für die eigene Kultur, sowie Bragues Gegenentwurf und dessen Implikationen für das Verhältnis von Eigenem und Anderem.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Kulturbegriff, insbesondere mit Bragues "römischer Haltung" als Alternative zum holistischen Kulturbegriff. Sie befasst sich mit dem Verhältnis von Eigenem und Anderem in der Kultur, der Kritik an der Assimilation von Fremdem und der Bedeutung der "Renaissance" als Neuaneignung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Remi Brague unter der "römischen Haltung"?
Die "römische Haltung" beschreibt eine Kultur, die sich ihrer eigenen Zweitrangigkeit bewusst ist und ihre Identität durch die Aneignung und Bewahrung fremder Kulturgüter (wie die Römer von den Griechen) definiert.
Was ist eine "exzentrische Identität"?
Es bedeutet, dass das Zentrum der eigenen Kultur außerhalb ihrer selbst liegt – Europa schöpft seine Identität aus Quellen wie der Antike und dem Judentum.
Wie kritisiert Brague den holistischen Kulturbegriff?
Brague lehnt die Idee einer in sich geschlossenen, autarken Kultur ab und plädiert stattdessen für ein Modell der ständigen Neuaneignung des Fremden.
Welche Bedeutung hat das "Andere" für Europa?
Das Andere ist nicht nur eine Bedrohung, sondern die notwendige Quelle, aus der sich die europäische Kultur durch Reflexion und Übersetzung immer wieder erneuert.
Was bedeutet "Renaissance" in diesem Zusammenhang?
Renaissance wird als der Prozess verstanden, in dem eine Kultur bewusst zu ihren (fremden) Wurzeln zurückkehrt, um sich selbst in der Gegenwart neu zu definieren.
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- Lars Vogel (Author), 2004, Remi Brague - Das eigene als das Andere verstehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34643