Die Arbeit untersucht die Beziehung zwischen negativen Einstellungen gegenüber Zuwanderern und der Bedeutung von Fremdgruppenkontakt. Dabei zielt die Arbeit darauf ab, die in der bisherigen Forschungsliteratur nur unzureichend operationalisierte "Kontakthypothese" zu testen und den Kausalmechanismus zwischen dem Ausländeranteil und der Einstellungen gegenüber Zuwanderern zu identifizieren.
Dazu wird mittels einer geschachtelten Analyse im ersten Schritt der Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Einstellungen auf europäischer Ebene untersucht. Anschließend wird die Kontakthypothese anhand dreier ausgewählter Fälle einer empirischen Überprüfung unterzogen. Zur Untersuchung der Fragestellung wurde dabei folgendermaßen vorgegangen. Zunächst wird ein kurzer Überblick über die wichtigsten theoretischen Konzepte zur Erklärung ausländerfeindlicher Einstellungen gegeben. Daran anschließend wird die methodische Vorgehensweise und Fallauswahl der geschachtelten Analyse erläutert, sowie die verwendeten Daten und die Operationalisierung der Variablen vorgestellt. Die zentrale Variable der Analyse stellt die Einstellung gegenüber Zuwanderern dar.
Anschließend erfolgt in Kapitel drei die geschachtelte Analyse. Den ersten Schritt stellt die Large–N Analyse dar, in welcher mittels einer Regressionsanalyse der Effekt des Ausländeranteils auf die Einstellungen zwischen 12 europäischen Ländern untersucht wird. Im zweiten Schritt, der Small-N Analyse, erfolgt die tiefergehende Untersuchung dreier Länder. Zur Überprüfung der Kontakthypothese wird mittels einer linearen Regression der Einfluss von individuellen Kontaktvariablen auf Einstellungen gegenüber Zuwanderern gemessen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bisheriger Forschungsstand und Ziel dieser Arbeit
1.2 Theoretischer Rahmen zur Erklärung fremdenfeindlicher Einstellungen
1.2.1 Kontakttheorie
1.2.2 Gruppenbedrohungstheorie
1.2.3 Deprivationstheorien
1.2.4 Theorien struktureller Disposition
1.2.5 Bildungszentrierte Ansätze
2. Forschungsdesign
2.1 Methodisches Vorgehen und Fallauswahlstrategien
2.2 Daten und Operationalisierung
3. Geschachtelte Analyse
3.1 Large-N Analyse
3.2 Small-N Analyse
4. Vergleich der Länderanalysen
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Fremdgruppenkontakten auf negative Einstellungen gegenüber Zuwanderern in Europa. Das primäre Ziel ist es, die Kontakthypothese zu testen und den Kausalmechanismus zwischen Ausländeranteil bzw. direktem Intergruppenkontakt und der individuellen Haltung gegenüber Zuwanderern zu identifizieren.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Ausländeranteil und Einstellung auf Makroebene
- Untersuchung der Kontakthypothese auf Mikroebene mittels individueller Kontaktvariablen
- Vergleichende Analyse von drei europäischen Ländern (Tschechien, Niederlande, Schweden)
- Überprüfung weiterer Erklärungsansätze wie Deprivationstheorie und Bildungsstand
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Kontakttheorie
Ausgangspunkt der Kontakttheorie nach Allport (1954) ist die weit verbreitete Auffassung dass Fremdes bewusste oder unbewusste Ängste auslöst. Durch die Unerfahrenheit mit fremden Gruppen entwickeln sich so Vorurteile und Stereotypen. Nach Allport lassen sich diese Vorurteile am besten durch den direkten Kontakt zwischen den Gruppen abbauen. Dieser Intergruppenkontakt wird definiert als „face-to-face Interaktion zwischen Mitgliedern klar getrennter Gruppen“ (Pettigrew/Tropp 2006: 754). Allerdings wird betont, dass alleiniger Kontakt nicht ausreichend ist, um eine positive Einstellungsänderung zu bewirken. Stattdessen müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit die Feindseligkeit zwischen Gruppen reduziert wird. Zum einen müssen die Gruppen in der Kontaktsituation den gleichen Status besitzen, zum anderen muss der Kontakt durch Autoritäten oder Normen gewünscht und unterstützt werden.
Daneben gilt es als erforderlich das ein gemeinsames Ziel verfolgt wird, bei dem keine Konkurrenz sondern kooperatives Verhalten zwischen den Gruppen besteht. Zusätzlich zu diesen Bedingungen wird von verschiedenen Autoren (vgl. Brophy 1946; Wilner at al. 1955) immer wieder die Wichtigkeit von Kontaktdauer und Kontakthäufigkeit betont. So lassen sich nur durch dauerhaften und langfristigen Kontakt Vorurteile und Aversionen gegenüber Fremden abbauen. Nach Pettigrew sind diese optimalen Kontaktbedingungen besonders bei Freundschaften zwischen Fremdgruppen realisiert. Um einen positiven Effekt auf Einstellungen zu erzielen ist es daher notwendig, dass die Kontaktsituation „Freundschaftspotential“ (Pettigrew 1998:76) besitzt. Durch die Interaktion mit Angehörigen einer Fremdgruppe verringern Personen ihre Unsicherheit und erlangen neues Wissen. Bestehende Stereotypen werden falsifiziert und Bedrohungsängste abgebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik fremdenfeindlicher Einstellungen in Europa und Darlegung des Forschungsziels.
2. Forschungsdesign: Vorstellung der Methode der geschachtelten Analyse sowie der verwendeten Datenbasis.
3. Geschachtelte Analyse: Durchführung der Large-N-Analyse auf europäischer Ebene und detaillierte Small-N-Analyse in drei ausgewählten Ländern.
4. Vergleich der Länderanalysen: Synoptische Gegenüberstellung und Interpretation der Ergebnisse aus den drei Fallstudien.
5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Forschungsergebnisse und Ableitung politischer Handlungsempfehlungen.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Zuwanderung, Kontakthypothese, Gruppenbedrohungstheorie, Relative Deprivation, Intergruppenkontakt, Europäischer Vergleich, Geschachtelte Analyse, Politische Einstellungen, Bildung, Sozialpsychologie, Integration, Vorurteile, Stereotypen, Migrationsbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für fremdenfeindliche Einstellungen gegenüber Zuwanderern in Europa und prüft, ob direkter Kontakt zu Fremdgruppen diese Einstellungen positiv beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verbindet sozialpsychologische Theorien wie die Kontakthypothese, die Gruppenbedrohungstheorie und Deprivationstheorien mit einer empirischen Analyse von Umfragedaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, den Kausalmechanismus zwischen dem Ausländeranteil bzw. dem persönlichen Kontakt zu Ausländern und der Einstellung gegenüber Zuwanderern wissenschaftlich zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine sogenannte geschachtelte Analyse, die eine Large-N-Regression auf Makroebene mit einer vertiefenden Small-N-Analyse von drei europäischen Ländern kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte dargelegt, das Forschungsdesign entwickelt und anschließend die Large-N- sowie die Small-N-Analysen durchgeführt, um individuelle und kontextuelle Einflussfaktoren zu prüfen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Fremdenfeindlichkeit, Kontakthypothese, Intergruppenkontakt, relative Deprivation und politische Einstellungen im europäischen Vergleich.
Warum wurde Tschechien als Fallbeispiel ausgewählt?
Tschechien wurde ausgewählt, da es in der Large-N-Analyse die stärkste Abweichung vom europäischen Mittelwert in Richtung einer negativen Einstellung gegenüber Zuwanderern aufwies.
Welche Bedeutung hat die relative Deprivation laut den Ergebnissen?
Die relative Deprivation erweist sich als einer der einflussreichsten Faktoren: Je stärker sich Personen gegenüber Zuwanderern durch die Regierung benachteiligt fühlen, desto negativer ist ihre Einstellung.
Ist die Kontakthäufigkeit der entscheidende Faktor für positive Einstellungen?
Nein, die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Quantität (Häufigkeit) des Kontakts, sondern die Qualität (Bewertung) des Kontakts entscheidend für den Abbau von Vorurteilen ist.
- Citar trabajo
- Sandra Martin (Autor), 2016, Einstellungen gegenüber Zunwanderern und die Bedeutung von Fremdgruppenkontakt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343875