In dieser Ausarbeitung „Über das kulturelle Kapital und das soziale Kapital als Grundlagen von Sozialisation“ möchte ich die Theorie über die Kapitalarten von Bourdieu in eine Diskussion über Sozialisation einbringen. Meiner Ansicht nach sind die Theorien der Sozialisation unweigerlich verknüpft mit dem Konzept der Kapitalien, nur leider viel zu wenig diskutiert. Dies liegt sicherlich in den unterschiedlichen Ansatzpunkten beider Theorien. Während die Sozialisationstheorien grundlegend von einem motivierten selbstständigen handelnden Individuum ausgehen, spricht Bourdieu den Reproduktionsstrategien des sozialen Raumes und den somit auferlegten strukturellen Einschränkungen der Handlungsmotive einen höheren Stellenwert zu. Jedoch gerade die Theorie der Kapitalien beschreibt eine unweigerliche Verknüpfung zur Sozialisationstheorie von George Herbert Mead durch die Prozesse des Erwerbs und der Nutzung der einzelnen Kapitalarten.
Gliederung
1. Gliederung
2. Einleitung
3. Hauptteil
3.1 Die Kapitalien (nach Pierre Bourdieu)
3.1.1 Das kulturelle Kapital
3.1.2 Das soziale Kapital
3.1.3 Das ökonomische Kapital
3.2 Zur Sozialisation
3.3 Über den Erwerb und den Stellenwert der Kapitalien
3.4 Über die Nutzung der Kapitalien
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Verknüpfung zwischen Pierre Bourdieus Theorie der Kapitalarten (kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital) und soziologischen Theorien der Sozialisation, um zu ergründen, wie der Erwerb und die Nutzung von Kapitalien die Entwicklung von Individuen über ihre Lebensspanne hinweg prägen.
- Theorie der Kapitalformen nach Pierre Bourdieu
- Prozesse der Sozialisation und Identitätsbildung
- Akkumulation und Transformation von Kapitalien in verschiedenen Lebensphasen
- Einfluss der sozialen Herkunft und des Milieus auf die Lebenschancen
- Nutzung von Kapitalien im Alltag und in der Arbeitswelt
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das kulturelle Kapital
Das kulturelle Kapital umfasst jedes Wissen eines Individuums zu dem auch die heutzutage oft diskutierten Kompetenz und natürlich auch deren Anerkennung, Anwendung und Reflektion ob nun im Alltag in der Familie oder im Beruf. Selbst der Umgang mit anderen Menschen, also die soziale Kompetenz, gehört zum kulturellen Kapital und nicht wie es vielleicht vermuten ließe zum sozialen Kapital.
Das kulturelle Kapital wird bei Pierre Bourdieu in drei Untergruppen unterteilt. Es handelt sich hierbei um das inkorporierte Kulturkapital, das objektivierte Kulturkapital und das institutionalisierte Kulturkapital. Ich werde nun diese drei Untergruppen im Einzelnen erläutern, da diese für die Diskussion von großer und entscheidender Bedeutung sind.
Will man das inkorporierte Kulturkapital beschreiben, so kann man fast dieselbe Beschreibung anwenden, die man für das kulturelle Kapital an sich benutzen würde. Es handelt sich hierbei um jegliches Wissen und alle dazugehörigen Kompetenzen. Die einzige zusätzliche Eingrenzung, der es bedarf, ist der Hinweis, dass es sich hierbei um das ausschließlich körpergebundene Kulturkapital handelt und eine Verinnerlichung voraussetzt, aber nicht zwangsläufig allgemeiner Anerkennung bedarf. „ Das Delegationsprinzip ist hier ausgeschlossen.“ (Bourdieu 1992, S.: 55) Um es erwerben zu können bedarf es Zeit, welches das unumstößliche Bindeglied zwischen ökonomischen und kulturellen Kapital darstellt, „…aber auch eine Form von sozial konstruierter Libido…“ (Bourdieu 1992, S.: 55) Der wichtigste Faktor ist folglich Zeit. Dieser wirkt entlang des gesamten Lebens. Immer dann, wenn man etwas erlernen möchte, muss man Zeit opfern, oder wie es Bourdieu beschreibt: „…dass ein Individuum die Zeit für die Akkumulation von kulturellem Kapital nur so lange ausdehnen kann, wie ihm seine Familie freie, von ökonomischen Zwängen befreite Zeit garantieren kann.“ (Bourdieu 1992, S.: 59) Der zweite Faktor ist die konstruierte Libido, das Bedürfnis, das Interesse überhaupt Wissen aufnehmen zu wollen. Beide Faktoren sind sehr interessant im Hinblick auf die Prägung in der Primärsozialisation. Erstens: Ist die Familie, in der man aufwächst, überhaupt in der Lage, freie Zeit in Anspruch zu nehmen, um dem Kind die nötige Hilfestellung zur Kapitalakkumulation zu geben? Zweitens: Wie leben die Eltern ihrem Kind die libidinöse Beziehung zum Lernen vor? Hier zeigen sich schon erste Fragen, die später noch einmal aufgegriffen werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gliederung: Dient als Inhaltsübersicht der Hausarbeit.
2. Einleitung: Stellt die Forschungsabsicht dar, die Kapitaltheorie von Bourdieu mit Sozialisationstheorien zu verknüpfen.
3. Hauptteil: Analysiert theoretisch die drei Kapitalarten, Sozialisationsprozesse sowie den Erwerb und die Nutzung dieser Kapitalien im Lebenslauf.
3.1 Die Kapitalien (nach Pierre Bourdieu): Einführung in die drei Kapitalformen nach Bourdieu als Grundlage für die Arbeit.
3.1.1 Das kulturelle Kapital: Detaillierte Erläuterung des inkorporierten, objektivierten und institutionalisierten Kulturkapitals.
3.1.2 Das soziale Kapital: Erläutert die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen und Gruppenressourcen.
3.1.3 Das ökonomische Kapital: Beschreibt ökonomischen Besitz und dessen Transformierbarkeit in andere Kapitalarten.
3.2 Zur Sozialisation: Diskutiert Sozialisationsprozesse und die Identitätsbildung unter Bezugnahme auf George Herbert Mead und Pierre Bourdieu.
3.3 Über den Erwerb und den Stellenwert der Kapitalien: Beleuchtet, wie und wann Individuen Kapitalien in verschiedenen Lebensphasen erwerben.
3.4 Über die Nutzung der Kapitalien: Untersucht die Anwendung erworbener Kapitalien im Alltag und im Berufsleben sowie deren Einfluss auf Lebensentscheidungen.
4. Schluss: Fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung der Kapitalakkumulation für den sozialen Start ins Leben.
Schlüsselwörter
Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Ökonomisches Kapital, Sozialisation, Pierre Bourdieu, Habitus, Identitätsbildung, Primärsozialisation, Bildung, Machtstrukturen, Milieuforschung, Lebenslauf, Kapitalakkumulation, Transformation, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Verbindung zwischen der Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu und soziologischen Theorien über Sozialisation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das kulturelle, soziale und ökonomische Kapital, Prozesse der Identitätsbildung im Lebenslauf, sowie der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Erwerb und die Nutzung dieser Kapitalien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unweigerlich Sozialisationsprozesse mit dem Konzept der Kapitalien verknüpft sind, und wie diese die Lebensschancen von Individuen strukturieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse und Interpretation existierender soziologischer Theorien (insbesondere Bourdieu, Mead, Beck) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Kapitalformen, eine Diskussion über Sozialisation, sowie eine Analyse des Erwerbs und der Nutzung dieser Kapitalien über die verschiedenen Lebensphasen hinweg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Kapitalarten, Sozialisation, Habitus, Milieu, Bildung und Lebenslauf.
Welche Rolle spielt der Habitus in der Argumentation des Autors?
Der Habitus wird als tief verwurzelte Struktur angesehen, die bereits in der Primärsozialisation durch das Elternhaus geprägt wird und die Handlungsmöglichkeiten sowie den späteren Erfolg des Individuums maßgeblich einschränkt oder ermöglicht.
Warum ist laut dem Autor die Primärsozialisation so entscheidend?
Weil in dieser Lebensphase die grundlegenden Werte, Normen und die "Grundausstattung" an Kapitalien vermittelt werden, die ein Individuum für das gesamte restliche Leben prägen.
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- Magister Artium Sebastian Klaus (Author), 2004, Über das kulturelle Kapital und das soziale Kapital als Grundlagen von Sozialisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34064