Im Kontext der Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Entwicklung in Deutschland erstaunlich. Aufgrund des starken Nachfragerückgangs auf den internationalen Märkten wurde der exportorientierte Sektor stark betroffen, was den realen BIP um 5,6% fallen ließ. Im Gegensatz zu dem oben beschriebenen Schema – auf einen Rückgang des realen BIP kommt eine Erhöhung der Arbeitslosenquote, ist in Deutschland die Arbeitslosenquote stabil geblieben. In der Tat fiel sie sogar im Januar 2009 um 0,5% verglichen mit dem Vorjahr. Was kann eigentlich diese Reaktion des deutschen Arbeitsmarktes auf die negative Wachstumsraten des realen BIP erklären?
Die Beantwortung dieser Frage sollte der Schwerpunkt dieser Arbeit sein. Am Anfang werden die Begriffe Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum ausführlich erläutert und dann werde ich auf die ökonomische Theorie eingehen und konkreter werde ich das Okun’sche Gesetz vorstellen. Im zweiten Kapitel wird der deutsche Arbeitsmarkt charakterisiert und im Bezug zu anderen, typischen Arbeitsmodellen differenziert. Danach wird beschrieben, wie er sich historisch entwickelt hat.
Im nächsten Kapitel wird auf den Ausbruch der Wirtschaftskrise eingegangen und danach werden ihre Auswirkungen im internationalen Vergleich ausführlicher dargestellt. Der letzte Abschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Frage, wie die Krise Deutschland betroffen hat.
Das letzte Kapitel befasst sich mit den Gründen für diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und konzentriert sich dabei auf drei mögliche Erklärungen – die wirtschaftsstarken Vor-Rezessionsjahre und die Hartz-Reformen, die Instrumente der externen und internen Flexibilisierung sowie die Lohnzurückhaltung und die industriellen Beziehungen. Es muss danach festgestellt werden, welcher der möglichen Erklärungsvorschläge die wichtigste Rolle für “Germany’s job miracle” (Krugman, 2009) gespielt hat.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum
- 2.1. Arbeitslosigkeit
- 2.2. Wirtschaftswachstum
- 2.3. Das Okun'sche Gesetz – ein theoretischer Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum
- 3. Der deutsche Arbeitsmarkt im Überblick
- 3.1. Allgemeine Charakteristik
- 3.2. Historische Entwicklung
- 4. Die Finanzkrise von 2008/09 und ihre Folgen
- 4.1. Der Ausbruch der Krise
- 4.2. Auswirkungen der Krise im internationalen Vergleich
- 4.3. Die Auswirkungen der Krise in Deutschland
- 5. Wie erklärt man die deutsche Arbeitsmarktentwicklung während der Wirtschafts- und Finanzkrise?
- 5.1. Die Ausgangssituation und die Hartz-Reformen
- 5.2. Interne und externe Flexibilisierung
- 5.3. Lohnentwicklung und industrielle Beziehungen
- 5.4. Was hat zu mehr Flexibilität auf dem deutschen Arbeitsmarkt geführt?
- 6. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit untersucht die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes während der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/09. Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Ursachen für die überraschend positive Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu analysieren.
- Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt
- Die Rolle der Hartz-Reformen für die Flexibilität des Arbeitsmarktes
- Der Einfluss von internen und externen Flexibilisierungsmaßnahmen
- Die Bedeutung von Lohnentwicklung und industriellen Beziehungen
- Die Faktoren, die zu einer erhöhten Flexibilität auf dem deutschen Arbeitsmarkt geführt haben
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeitsmarktentwicklung in der Wirtschafts- und Finanzkrise ein und beschreibt die Bedeutung des globalisierten Wirtschaftskontextes. Kapitel 2 beleuchtet den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum und stellt das Okun'sche Gesetz vor. In Kapitel 3 wird der deutsche Arbeitsmarkt im Überblick dargestellt, einschließlich seiner allgemeinen Charakteristik und historischen Entwicklung. Kapitel 4 untersucht den Ausbruch der Finanzkrise von 2008/09 sowie ihre Auswirkungen im internationalen Vergleich und in Deutschland. Kapitel 5 analysiert die Ursachen für die deutsche Arbeitsmarktentwicklung während der Krise, wobei die Ausgangssituation, die Hartz-Reformen, interne und externe Flexibilisierung, Lohnentwicklung und industrielle Beziehungen sowie die Faktoren, die zu mehr Flexibilität geführt haben, beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarkt, Wirtschafts- und Finanzkrise, Deutschland, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Hartz-Reformen, Flexibilität, Lohnentwicklung, industrielle Beziehungen, Globalisierung, Okun'sche Gesetz
Häufig gestellte Fragen
Warum blieb die Arbeitslosigkeit in Deutschland während der Krise 2008/09 stabil?
Dies wird oft als „German Job Miracle“ bezeichnet; Gründe liegen in der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Kurzarbeit und der Lohnzurückhaltung.
Was besagt das Okun’sche Gesetz?
Es beschreibt den theoretischen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum (BIP) und der Veränderung der Arbeitslosenquote.
Welche Rolle spielten die Hartz-Reformen?
Die Reformen gelten als ein Faktor, der die strukturelle Flexibilität des deutschen Arbeitsmarktes bereits vor der Rezession erhöht hat.
Was ist der Unterschied zwischen interner und externer Flexibilisierung?
Interne Flexibilisierung nutzt Instrumente wie Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit innerhalb des Betriebs, während externe Flexibilisierung den Personalbestand über den Arbeitsmarkt reguliert.
Wie stark sank das reale BIP in Deutschland während der Krise?
Infolge des Nachfragerückgangs auf den Exportmärkten sank das reale BIP in Deutschland um beachtliche 5,6 %.
- Quote paper
- Georgi Dimchev (Author), 2016, Vom "kranken Mann" zu "Europas Superstar". Deutsche Arbeitsmarktentwicklung in der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340627