Erst im Jahre 1970 wurden im Rahmen der sogenannten Bildungsexpansion die letzten Prüfungsgebühren und Hörergelder abgeschafft. Anstoß war die befürchtete „Bildungskatastrophe“, die einen Mangel an qualifizierten Hochschulabsolventen prophezeite und darin den limitierenden Faktor der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung sah. Ziel war es, mit geeigneten Maßnahmen das Humankapital der Gesellschaft zu erhöhen und ungenutzte geistige Potentiale auszuschöpfen. Dabei sollten insbesondere untere Bevölkerungsschichten zu einem Hochschulstudium motiviert werden.
Heute wird im Hochschulbereich nichts heftiger und kontroverser diskutiert als die Wiedereinführung von Studiengebühren. Grund für die Debatte ist vor allem die Finanzmisere deutscher Hochschulen, die aufgrund stagnierender bzw. in jüngerer Vergangenheit sogar rückläufiger öffentlicher Mittel vermehrt gezwungen sind, zu Sparmaßnahmen zu greifen. Insbesondere Qualitätseinbußen in der Lehre sind die Folge, welche sich angesichts steigender Studierendenzahlen weiter verschärfen.
Im Rahmen dieser Arbeit werden, ausgehend von den aktuellen Problemfeldern der deutschen Hochschulfinanzierung, die meistdiskutierten Argumenten für und gegen die Einführung von Studiengebühren vorgestellt und von wissenschaftlicher Seite beleuchtet. Hierbei stehen ökonomische, aber auch sozialpolitische Positionen im Vordergrund. Von ökonomischer Seite werden vor allem Effizienzgewinne durch ein gebührenfinanziertes Studium angeführt, während aus sozialpolitischer Perspektive meist die Gefährdung der Chancengleichheit und der sozialen Gerechtigkeit befürchtet wird. Im anschließenden vierten Kapitel werden denkbare Ausgestaltungsmöglichkeiten von Gebührenmodellen erörtert, die die positiven Auswirkungen eines gebührenfinanzierten Studiums in hohem Maße gewährleisten und eine Gefährdung sozialpolitischer Zielsetzungen möglichst vermeiden. Es wird dabei nicht vernachlässigt, auch auf die Finanzierung von Studiengebühren in Form von Darlehenmodellen einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. EINLEITUNG
- 2. PROBLEMFELDER DER DEUTSCHEN HOCHSCHULFINANZIERUNG
- 2.1. Finanzierungssituation deutscher Hochschulen
- 2.2. Rechtliche Grundlagen
- 2.3. Status Quo und aktuelle Diskussion zur Einführung von Studiengebühren
- 3. ARGUMENTE DER BEFÜRWORTER UND GEGNER VON STUDIENGEBÜHREN
- 3.1. Marktversagenstatbestände auf dem Markt für Hochschulbildung
- 3.1.1. Positive externe Effekte und öffentliche Güter
- 3.1.2. Informationsasymmetrien
- 3.1.3. Versagen des Kapitalmarktes
- 3.2. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit
- 3.3. Anreiz- und Einnahmeeffekte
- 4. AUSGESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN VON GEBÜHRENMODELLEN
- 4.1. Beitragsmodelle
- 4.1.1. Beitragshöhe
- 4.1.2. Beitragsdifferenzierung
- 4.2. Darlehenmodelle zur Finanzierung von Studiengebühren
- 5. FAZIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit den aktuellen Problemfeldern der deutschen Hochschulfinanzierung und analysiert die Argumente für und gegen die Einführung von Studiengebühren. Die Analyse beleuchtet sowohl ökonomische als auch sozialpolitische Perspektiven. Der Fokus liegt darauf, die Effizienzgewinne durch ein gebührenfinanziertes Studium sowie die potenziellen Auswirkungen auf Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit zu untersuchen. Im vierten Kapitel werden verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von Gebührenmodellen erörtert, die die Vorteile eines gebührenfinanzierten Studiums gewährleisten und gleichzeitig die Gefährdung sozialpolitischer Ziele minimieren.
- Finanzierungssituation deutscher Hochschulen
- Rechtliche Grundlagen der Hochschulfinanzierung
- Argumente für und gegen Studiengebühren
- Marktversagenstatbestände im Hochschulbereich
- Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit im Kontext von Studiengebühren
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 gibt eine Einleitung in die Thematik der Studiengebühren und beleuchtet den historischen Kontext der Abschaffung von Prüfungsgebühren und Hörergeldern in den 1970er Jahren. Kapitel 2 untersucht die aktuelle Finanzierungssituation deutscher Hochschulen, die rechtlichen Grundlagen der Hochschulfinanzierung und die Diskussion um die Einführung von Studiengebühren. Kapitel 3 analysiert die Argumente der Befürworter und Gegner von Studiengebühren, wobei sowohl ökonomische als auch sozialpolitische Aspekte betrachtet werden. Das vierte Kapitel erörtert verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von Gebührenmodellen, um sowohl die positiven Effekte eines gebührenfinanzierten Studiums zu maximieren als auch die Risiken für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu minimieren.
Schlüsselwörter
Hochschulfinanzierung, Studiengebühren, Marktversagen, externe Effekte, Informationsasymmetrie, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit, Anreizsysteme, Effizienz, Gestaltungsmöglichkeiten, Beitragsmodelle, Darlehenmodelle.
Häufig gestellte Fragen zur Hochschulfinanzierung und Studiengebühren
Warum werden Studiengebühren in Deutschland kontrovers diskutiert?
Die Debatte dreht sich um die Finanzmisere der Hochschulen einerseits und die Befürchtung mangelnder Chancengleichheit und sozialer Ungerechtigkeit andererseits.
Was sind ökonomische Argumente für Studiengebühren?
Befürworter führen Effizienzgewinne, bessere Ausstattung der Lehre und stärkere Anreize für einen zügigen Studienabschluss an.
Welche Marktversagenstatbestände gibt es im Hochschulbereich?
Dazu gehören positive externe Effekte (Nutzen für die Gesellschaft), Informationsasymmetrien und das Versagen des Kapitalmarktes bei der Studienfinanzierung.
Wie können Studiengebühren sozialverträglich gestaltet werden?
Durch nachgelagerte Gebührenmodelle oder Darlehenssysteme, bei denen die Rückzahlung erst nach dem Studium und bei Erreichen einer bestimmten Einkommensgrenze erfolgt.
Wann wurden Studiengebühren in Deutschland ursprünglich abgeschafft?
Im Zuge der Bildungsexpansion um 1970 wurden die letzten Prüfungsgebühren und Hörergelder abgeschafft, um ungenutzte geistige Potentiale auszuschöpfen.
Was ist der Unterschied zwischen Beitrags- und Darlehensmodellen?
Beitragsmodelle legen die Höhe der Gebühren fest, während Darlehensmodelle die Finanzierung dieser Gebühren durch Kredite regeln, um die soziale Selektion zu verhindern.
- Quote paper
- Nicole Rudolf (Author), 2004, Studiengebühren ein alternatives Finanzierungsmodell für das deutsche Hochschulsystem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34060