Mit dieser Arbeit möchte ich versuchen, mich der Aufführungssituation des frühen Nürnberger Fastnachtsspiels zu nähern. Es soll der Ablauf einer Vorführung rekonstruiert und damit gleichzeitig Motivationen und Affekte von Rezipienten und Spielern untersucht werden. Beides ist verwoben, und für das Verständnis einer Aufführung ist eine Annäherung an die Gründe und Faszinationen ihres Stattfindens unentbehrlich. Die überlieferten Texte sind somit nicht das einzige Material, das uns dienen kann, eine Aufführung zu erschließen.
Die Erlässe des Nürnberger Rates, welche die Spieltruppen genehmigten, die Texte zensierten, in die Aufführungsordnung eingriffen und im Nachhinein Strafen aussprachen sind weitere wichtige Quellen. Außerdem kann man nur zu einem historisch differenzierten Verständnis gelangen, wenn man das Umfeld, die politischen, religiösen, sozialen, wirtschaftlichen sowie architektonischen Bedingungen mit einbezieht. Dies relativiert auch anthropologische Ansätze von Theoretikern, welche versuchen, das Fastnachtsspiel auf die eine oder die andere einzige Grundstruktur zurückzuführen. Diese Theorien sollen aber zur Hilfe gezogen werden, da sie auf Prägungen des Fastnachtsspiels, die meiner Meinung nach aber pluralistisch sind, hinweisen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Umrisse, Bedingungen, Motivationen
- 1.1 Fastnachtsbrauchtum im Nürnberg des 15. Jahrhunderts
- 1.2 Spieler
- 1.3 Spielort/ Publikumskonstellation
- 1.4 Zusammenfassung
- 2. Ablauf/ Performanz
- 2.1 Abgliederung/ wie entsteht das Spiel
- 2.2 Spiel/ Kommunikation
- 2.3 Angliederung
- Bibliographie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Aufführungssituation des frühen Nürnberger Fastnachtsspiels. Sie analysiert den Ablauf einer Vorführung und beleuchtet die Motivationen und Affekte von Rezipienten und Spielern. Die Arbeit betrachtet das Fastnachtsspiel als ein komplexes Zusammenspiel aus textuellen, performativen und gesellschaftlichen Faktoren.
- Rekonstruktion des Ablaufs einer Fastnachtsspiel-Aufführung
- Untersuchung der Motivationen und Affekte von Spielern und Zuschauern
- Analyse der Interaktion zwischen Spielern und Publikum
- Einbezug historischer und sozialer Kontextfaktoren
- Relativierung anthropologischer Theorien zum Fastnachtsspiel
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Zielsetzung und den methodischen Ansatz der Arbeit vor. Kapitel 1 analysiert die Umrisse und Bedingungen der Spielsituation, einschließlich des Fastnachtsbrauchtums in Nürnberg, der Spieler und des Spielorts. Kapitel 2 untersucht den Ablauf und die Performanz einer Aufführung, wobei der Fokus auf der Kommunikation durch Affekte zwischen Spielern und Publikum liegt.
Schlüsselwörter
Fastnachtsspiel, Nürnberg, Aufführungssituation, Motivationen, Affekte, Rezipienten, Spieler, Kommunikation, Performanz, historischer Kontext, anthropologische Theorien.
Häufig gestellte Fragen
Was charakterisiert die Aufführungssituation des Nürnberger Fastnachtsspiels?
Die Aufführungen waren geprägt durch eine enge Interaktion zwischen Spielern und Publikum, oft in Wirtshäusern oder auf öffentlichen Plätzen im 15. Jahrhundert.
Welchen Einfluss hatte der Nürnberger Rat auf die Fastnachtsspiele?
Der Rat genehmigte Spieltruppen, zensierte Texte und griff ordnend in den Ablauf ein, um soziale Unruhen zu vermeiden.
Wer waren die Akteure der frühen Fastnachtsspiele?
Die Spieler stammten meist aus handwerklichen oder bürgerlichen Schichten Nürnbergs und nutzten die Spiele zur Unterhaltung und Sozialkritik.
Wie verlief die Kommunikation zwischen Spielern und Publikum?
Die Kommunikation basierte stark auf Affekten und direkter Ansprache, wodurch die Grenze zwischen Spielraum und Zuschauerraum oft verschwamm.
Warum sind nicht nur die Texte für die Forschung wichtig?
Um die Spiele historisch zu verstehen, müssen auch politische, soziale und architektonische Bedingungen sowie Ratserlässe einbezogen werden.
- Quote paper
- Heiko Michels (Author), 2004, Aufführungssituation des Nürnberger Fastnachtsspiels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339488