Die vorliegende Arbeit versucht das Spannungsfeld, in dem sich die frühe Elternbildung befindet, nämlich zwischen Prävention und staatlicher Kontrolle, zu untersuchen. Im Kapitel 2 werden zunächst die zentralen Erkenntnisse der Säuglingsforschung, die das Neugeborene als ein autonomes und förderungswürdiges Individuum definieren, vorgestellt. Eine angemessene und altersgerechte Begleitung der frühkindlichen Entwicklung kann jedoch in einer sich wandelnden Gesellschaft unter schwierigen Bedingungen stattfinden. Aus diesem Grund werden die Belastungen, aber auch die elterlichen Ressourcen in einer pluralistischen Allgemeinheit, die immer höhere Bildungsaspirationen an ihre Kinder legt, angeführt.
Die frühe Elternbildung wird aktuell in vielfältigen Formen praktiziert, jedoch ist eine systematische Strategie beziehungsweise Entwicklung nach wie vor nicht vorhanden. Im Kapitel 3 sollen deshalb die verschiedenen Zugänge zu Angeboten der frühen Elternbildung thematisiert werden. Es stellt sich die Frage, welche von ihnen die Effektivsten sind, wenn es sich um das Erreichen von benachteiligten Zielgruppen handelt, die von der Chancenungleichheit am stärksten betroffen sind.
Im Kapitel 4 erfolgt die Definition der Begriffe der Prävention und der Intervention im politischen Kontext. Dabei werden Beschlüsse aus dem Sozialgesetzbuch VIII und dem Bürgerlichen Gesetzbuch sowie Richtlinien des Grundgesetzes vorgestellt. Da der Schwerpunkt im Handeln der Träger öffentlicher Familienbildung sowie Kinder- und Jugendhilfe auf der Prävention liegt, soll zudem das Problem des Präventionsdilemmas, also die Schwierigkeit, benachteiligte Erziehende zu erreichen, diskutiert werden.
Wie wichtig die frühe Elternbildung ist, bestätigten erstmals die Erkenntnisse der Bindungsforschung von John Bowlby und Mary D. Ainsworth, die auf die Relevanz und der Notwendigkeit einer feinfühligen Eltern-Kind-Interaktion für die gesunde Entwicklung des Kleinkindes hingewiesen haben. Im Kapitel 5 wird demzufolge auf die theoretischen Ansätze und empirischen Beobachtungen der Bindungsforschung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- 1. Einleitung
- 2. Gründe für eine frühe Elternbildung aus soziologischer Perspektive unter dem Aspekt der frühkindlichen Bildungsforschung
- 2.1. Der „kompetente“ Säugling
- 2.2. Einfluss der Pluralisierung von Lebensformen auf die Elternschaft
- 2.3. Elternschaft zwischen Belastung und Ressource
- 2.4. Bildungsaspiration von belasteten Eltern
- 3. Elternbildung als politischer Bildungsauftrag
- 3.1. Der Ausgangspunkt: Bildungsungleichheit
- 3.2. (Institutionelle) Kriterien: Zwischen Fürsorglichkeit und Effizienz
- 3.3. Etablierung der frühen Elternbildung
- 4. Elternbildung im gesetzlichen Spannungsfeld zwischen Prävention und Intervention
- 4.1. Gesetzliche Verankerung im Sozialgesetzbuch VIII
- 4.2. Unterstützung mit Interventionscharakter
- 4.3. Das Präventionsdilemma
- 5. Die Eltern-Kind-Bindung als Grundlage der frühkindlichen Entwicklung
- 5.1. Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth
- 5.2. Empirische Bindungsforschung
- 5.3. Elterliche Feinfühligkeit
- 5.4. Die Eltern-Kind-Bindung als Schlüssel für Resilienz?
- 5.5. Aktueller fachlicher Diskussionsstand
- 6. Das Projekt „Opstapje“
- 6.1. Das Konzept des Projektes
- 6.2. Laien und ihre Modellfunktion
- 6.3. Interaktionen nach Leitfaden
- 6.4. Chancen und Grenzen des „Opstapje“-Programms
- 6.5. Qualitätssicherung
- 7. Zusammenfassung
- 8. Kritik und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der frühen Elternbildung im Spannungsfeld von Prävention und Intervention. Sie untersucht, wie eine sichere Eltern-Kind-Bindung in diesem Spannungsfeld gestärkt werden kann.
- Bedeutung der frühen Elternbildung für die Entwicklung von Kindern
- Herausforderungen der frühen Elternbildung in einer pluralistischen Gesellschaft
- Spannungsfeld zwischen Prävention und staatlicher Kontrolle in der frühen Elternbildung
- Rolle der Eltern-Kind-Bindung für die gesunde Entwicklung von Kindern
- Praxisbeispiele für die Förderung der frühen Elternbildung
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Kapitel 2 beleuchtet die Erkenntnisse der Säuglingsforschung und die Bedeutung frühkindlicher Förderung, während Kapitel 3 die verschiedenen Zugänge zu Angeboten der frühen Elternbildung untersucht. Kapitel 4 definiert die Begriffe Prävention und Intervention im politischen Kontext und analysiert die Herausforderungen des Präventionsdilemmas. Kapitel 5 widmet sich der Bindungstheorie und der Rolle der elterlichen Feinfühligkeit für die Entwicklung des Kindes. Kapitel 6 präsentiert das Projekt „Opstapje“ als ein konkretes Beispiel für ein niedrigschwelliges Elternbildungsprogramm, das die Eltern-Kind-Bindung stärken soll.
Schlüsselwörter (Keywords)
Frühe Elternbildung, Prävention, Intervention, Eltern-Kind-Bindung, Säuglingsforschung, Bildungsungleichheit, Feinfühligkeit, Resilienz, „Opstapje“, niedrigschwelliges Programm, Laienhelferinnen, staatliche Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptziel der frühen Elternbildung?
Das Hauptziel ist die Stärkung einer sicheren Eltern-Kind-Bindung und die Unterstützung der kindlichen Entwicklung in einem Spannungsfeld zwischen Prävention und staatlicher Kontrolle.
Was versteht man unter dem Präventionsdilemma?
Es beschreibt die Schwierigkeit, gerade jene benachteiligten Zielgruppen und Erziehenden zu erreichen, die am stärksten von Chancenungleichheit betroffen sind, aber präventive Angebote oft nicht nutzen.
Welche Rolle spielt die Bindungsforschung für die Elternbildung?
Die Bindungsforschung (z.B. nach Bowlby und Ainsworth) belegt die Notwendigkeit feinfühliger Interaktion für eine gesunde Entwicklung und dient als theoretische Grundlage für Förderprogramme.
Was ist das Projekt „Opstapje“?
„Opstapje“ ist ein konkretes Beispiel für ein niedrigschwelliges Elternbildungsprogramm, das durch Laienhelferinnen die Eltern-Kind-Bindung direkt im häuslichen Umfeld stärken soll.
Welche rechtlichen Grundlagen beeinflussen die Elternbildung in Deutschland?
Zentral sind Regelungen aus dem Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII), dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sowie die Richtlinien des Grundgesetzes.
Wie wirkt sich die Pluralisierung von Lebensformen auf die Elternschaft aus?
Sie führt zu vielfältigeren Belastungen, stellt aber auch neue Ressourcen bereit, während gleichzeitig die Bildungsaspirationen in der Gesellschaft steigen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Frühe Elternbildung im Spannungsfeld von Prävention und Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339255