Die Wissenschaft stellt sich schon länger die Frage, ob Psychopathie erlernt, angeboren oder sogar beides ist. Neuere Studien zeigen, dass sich bestimmte Vorgänge im Gehirn bei Psychopathen von denen von Menschen ohne psychopathischen Tendenzen voneinander unterscheiden und dies vor allem beim Betrachten von Situationen, in denen moralisches Denken gefordert ist. Generell stellte man fest, dass Menschen, die in der Vergangenheit psychopathisches Verhalten zeigten, durchaus wissen, welches Verhalten von der Allgemeinheit als moralisch richtig oder falsch angesehen wird, sie jedoch wider besseren Wissens handeln. Was ist der Grund für diese Diskrepanz zwischen dem moralischen Bewusstsein der Psychopathen und ihrem tatsächlichen Handeln?
Bildgebende Verfahren fanden, wie bereits erwähnt, abnorme Aktivitäten im Vergleich von Psychopathen und Nicht-Psychopathen. Kann daraus geschlossen werden, dass bestimmte Neuronen im Gehirn dafür verantwortlich sind, ob man moralisch handelt oder nicht? Und ist dies sogar möglich, obwohl wir uns des moralischen Vergehens bewusst sind? Handelt unser Gehirn also manchmal entgegen unserer moralischen Erziehung?
Um sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, müssen wir uns zunächst fragen, was Psychopathie ist. Psychopathie wird beschrieben als antisoziales Verhalten. Die Betroffenen haben Persönlichkeitsmerkmale, wie Impulsivität, Grandiosität, Gefühllosigkeit und Mangel an Empathie. Außerdem ist charakteristisch, dass sie, nach einem Vergehen, keine Anzeichen von Reue zeigen.
Um nun genauer durchleuchten zu können, ob das Gehirn von Menschen mit dieser Erkrankung Schuld an ihren Missetaten ist, werden zunächst zwei Studien vorgestellt, die sich mit dem Thema beschäftigen, inwiefern sich neuronale Aktivitäten in bestimmten Gehirnarealen von Psychopathen und Menschen ohne Psychopathie voneinander unterscheiden, wenn es um die Beurteilung von moralischen Situation geht. Außerdem wurde untersucht, ob diese beiden Gruppen die besagten moralischen Situationen als moralisch falsch oder richtig bewerten, um zu sehen, ob es Unterschiede im moralischen Bewusstsein gibt.
Inhaltsverzeichnis
- Socioemotional Processing of Morally-Laden Behavior and Their Consequences on Others in Forensic Psychopaths - Decety, Chen, Harenski und Kiehl (2015)
- Aberrant Neural Processing of Moral Violations in Criminal Psychopaths - Harenski, Harenski, Shane und Kiehl (2010)
- Kritische Auseinandersetzung
- Methodische Kritik
- Kritik am vorherrschenden Konzept der Psychopathie
- Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Psychopathie erlernt, angeboren oder beides ist. Durch die Analyse neuerer Studien, die sich mit den neuronalen Aktivitäten von Psychopathen und Nicht-Psychopathen befassen, sollen die Ursachen für das abweichende Verhalten von Psychopathen untersucht werden.
- Abweichende neuronale Aktivität bei Psychopathen
- Die Rolle des Gehirns bei moralischem Verhalten
- Die Verarbeitung von moralischen Situationen bei Psychopathen
- Der Einfluss von Emotionen und Empathie auf das Verhalten
- Die Unterschiede zwischen Psychopathen und Nicht-Psychopathen in Bezug auf moralisches Bewusstsein und Handeln
Zusammenfassung der Kapitel
- Socioemotional Processing of Morally-Laden Behavior and Their Consequences on Others in Forensic Psychopaths – Decety, Chen, Harenski und Kiehl (2015): Diese Studie untersucht die abweichende emotionale Verarbeitung bei Psychopathen und analysiert die neuronale Aktivität bei der Wahrnehmung und Bewertung von moralisch behafteten Verhaltensweisen.
- Aberrant Neural Processing of Moral Violations in Criminal Psychopaths - Harenski, Harenski, Shane und Kiehl (2010): Diese Studie befasst sich mit den neuronalen Prozessen bei der Verarbeitung von moralischen Verstößen bei kriminellen Psychopathen.
Schlüsselwörter
Psychopathie, antisoziales Verhalten, neuronale Aktivität, moralische Verarbeitung, emotionale Defizite, Impulsivität, Empathie, Gehirnareale, Magnetresonanztomographie (MRT), PCL-R, General Emotional Deficit Theorie, Specifiv Emotional Deficit Theorie, moralische Bewertung, emotionale Zustände, interpersonelle Schädigung, Hilfeverhalten, Gewaltausübung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Psychopathie?
Psychopathie wird als antisoziales Verhalten charakterisiert, geprägt durch Persönlichkeitsmerkmale wie Impulsivität, Grandiosität, Gefühllosigkeit, Mangel an Empathie und das Fehlen von Reue nach Vergehen.
Haben Psychopathen ein moralisches Bewusstsein?
Studien zeigen, dass Psychopathen oft durchaus wissen, welches Verhalten gesellschaftlich als moralisch richtig oder falsch gilt. Es besteht jedoch eine Diskrepanz zwischen diesem Wissen und ihrem tatsächlichen Handeln.
Welche Unterschiede zeigen sich im Gehirn von Psychopathen?
Bildgebende Verfahren (MRT) haben abnorme Aktivitäten in bestimmten Gehirnarealen festgestellt, insbesondere in Situationen, die moralisches Denken oder emotionale Verarbeitung erfordern.
Was untersuchen die Studien von Decety und Harenski?
Diese Studien analysieren die neuronale Verarbeitung von moralischen Verstößen und moralisch behaftetem Verhalten bei kriminellen Psychopathen im Vergleich zu Nicht-Psychopathen.
Ist Psychopathie angeboren oder erlernt?
Die Wissenschaft untersucht, ob die Ursachen genetisch bedingt (biologisch im Gehirn verankert), durch die Umwelt erlernt oder eine Kombination aus beidem sind.
Was sind die „General“ und „Specific Emotional Deficit“ Theorien?
Dies sind wissenschaftliche Erklärungsansätze für die emotionalen Defizite bei Psychopathen, die untersuchen, ob die Störung alle Emotionen betrifft oder nur spezifische emotionale Reaktionen.
- Quote paper
- Alexandro Roggio (Author), 2015, Psychopathie und moralisches Bewusstsein. Sind Psychopathen für ihr Verhalten verantwortlich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337513