Nach Heines Übersiedlung nach Paris im Mai 1831 beginnt seine zweite Lebens- und Schaffensperiode, in der er sich vor allem einem zeitkritischen "Journalismus" widmet. Seine wichtigste Aufgabe im französischen Exil sieht er darin, zwischen französischer und deutscher Literatur, Philosophie und Kultur zu vermitteln. Seine Prosaschriften wollen daher bei den deutschen Lesern Verständnis für moderne französische Politik, bei den französischen Verständnis für deutsche Philosophie und Poesie fördern (Höhn 1987, 282). Als politischer Schriftsteller war Heine bereits zuvor in seinen "Reisebildern" hervorgetreten1 und hatte daraufhin mit seinem "Buch der Lieder", einer Sammlung von Gedichten, große Volkstümlichkeit erreicht. Als Ausdruck romantisch-freiheitlicher Gesinnung – nicht als politisches Buch – wird es aber erst Mitte der 30er Jahre populär. Mit den Prosaschriften aus dem Pariser Exil2 setzt er seine zeitkritischen Publikationen fort. Auch die lyrischen Werke, die Heine in den 40er Jahren des Vormärzes veröffentlicht3, sind durchweg politische Dichtungen – insbesondere "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" (1842), "Deutschland. Ein Wintermärchen" (1844) und die "Neuen Gedichte" (1844).
Im Mittelpunkt der folgenden Untersuchung stehen Heine als politischer Autor, insbesondere seine Vorstellung einer "deutschen Revolution", und seine positiven wie negativen Bilder dieser "Revolution" in seinen zeitkritischen Schriften und seiner politischen Dichtung. Dazu soll zum einen "Deutschland. Ein Wintermärchen" behandelt werden, das allgemein als Heines radikalste politische Dichtung gilt. Das allgegenwärtige Thema von Revolution und Restauration macht eine Betrachtung der Motive möglich, die Heine mit einer politischen Revolution verbindet und die zugleich seine eigene Einstellung bezeichnen. Andererseits soll sein ein gutes Jahrzehnt früher erschienenes Werk "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" seine politische Theorie und sein politisches Konzept beleuchten. In dieser Schrift beabsichtigt er nicht nur, deutsches Geistesleben für das französische Publikum darzustellen, sondern will auch nachweisen, daß die deutsche Philosophie im Kern revolutionär ist und aus ihr eine Revolution folgen muß. Im folgenden soll daher nicht Heines Darstellung der Philosophiegeschichte interessieren, sondern sein Verständnis von Philosophie als vorausgedachter Revolution, seine Vision einer Wechselbestimmung von Literatur, Philosophie und Politik.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Politische Theorie und politische Satire
- "Deutschland. Ein Wintermärchen" und "Zur Geschichte von Religion und Philosophie in Deutschland"
- Motive der Revolution
- Gedanke und Tat
- Der Traum der Revolution
- Sagen und Märchen und die Revolution
- Die Guillotine und die negative Seite der Revolution
- Das prophetische Bild der Revolution
- Das "neue Lied" - die Utopie der Revolution
- Heine und die Revolution: kritische Betrachtung der Forschungssituation
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht Heines politische Schriften und seine Vorstellung einer "deutschen Revolution". Die Analyse konzentriert sich auf "Deutschland. Ein Wintermärchen" und "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland", um Heines politische Überzeugungen und sein ambivalentes Bild der Revolution zu beleuchten.
- Heines Verständnis von Politik und Revolution
- Die Rolle der Literatur im politischen Emanzipationsprozess
- Heines Bilder einer Revolution und ihre zugrundeliegenden Motive
- Heines politische Haltung im Kontext seiner Revolutionssicht
- Das Spannungsverhältnis zwischen Philosophie, Literatur und Politik in Heines Werken
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung präsentiert die Ausgangspunkte der Arbeit und stellt die zentralen Forschungsfragen vor. Das Kapitel "Politische Theorie und politische Satire" untersucht Heines politische Theorie anhand von "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" und beleuchtet seine Vision einer deutschen Revolution. Das Kapitel betrachtet außerdem die verschiedenen Motive, die Heine mit einer politischen Revolution verbindet und die zugleich seine eigene Einstellung reflektieren.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Themenbereiche Politische Theorie, Politische Satire, Revolution, Literatur, Philosophie, Deutschland, Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland", Emanzipation, Ideengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Welche Aufgabe sah Heinrich Heine in seinem französischen Exil?
Heine sah seine wichtigste Aufgabe darin, zwischen französischer und deutscher Literatur, Philosophie und Kultur zu vermitteln und politisches Verständnis auf beiden Seiten zu fördern.
Was wird in Heines Werk "Deutschland. Ein Wintermärchen" thematisiert?
Das Werk gilt als Heines radikalste politische Dichtung und behandelt die Themen Revolution und Restauration sowie seine persönliche Einstellung zur politischen Lage in Deutschland.
Welchen Kern hat die deutsche Philosophie laut Heines Schriften?
In "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" vertritt Heine die Ansicht, dass die deutsche Philosophie im Kern revolutionär ist und zwangsläufig zu einer Revolution führen muss.
Welche Motive verbindet Heine mit der Revolution?
Heine nutzt Motive wie den "Traum der Revolution", Sagen und Märchen, aber auch negative Bilder wie die Guillotine und das prophetische Bild der Revolution.
Wie veränderte sich Heines Schaffen nach 1831?
Nach seiner Übersiedlung nach Paris widmete er sich verstärkt dem zeitkritischen Journalismus und verfasste vermehrt politische Prosa und Lyrik.
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- Jochen Müller (Author), 1998, Heine und die Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33222