Jeder Lehramtsstudierende (hier speziell auf das Unterrichtsfach Sport bezogen) sollte sich mit der Problematik der Unterrichtsplanung und damit auch mit den Unterrichtsgegenständen selbst während seiner Studienzeit beschäftigt haben. Denn die Entscheidungen, welche man für die Unterrichtsplanung als Lehrer später im Schulwesen fällen muss, sind doch von mehreren Variablen geprägt, als man sich vorstellen mag. Einer von vielen Faktoren, der hier nur kurz als Beispiel aufgeführt wird, ist die Auseinandersetzung mit der Situation der „betroffenen“ Schüler (in bezug auf die Individualität der einzelnen Schüler). Schon dies zeigt auf, dass es sehr schwer machbar sein wird der Individualität der Lernenden genügend Beachtung zu schenken, da die Klassenkonstellation meist bei cirka 20-25 Schülern liegt.
Die Planung von Sportunterricht stellt hohe Ansprüche. Sie ist ein Vorgang von hoher Komplexität, in dem eine Vielzahl von gegenseitig abhängigen Faktoren (Interdependenz) zu beachten ist (vgl. Heymen & Leue, 1985, S.1).
Eine wesentliche Rolle bei der Unterrichtsplanung spielen die hier aufgeführten Fragen:
· Was will ich machen?
· Wie will ich es machen?
· Wozu soll es gut sein?
Oder anders formuliert:
· Welche Ziele sollen erreicht werden?
· Mit welchen Mitteln will ich dies erreichen?
· Worauf kommt es dabei an?
Der Sportunterricht ist, wie jeder andere Unterricht in der Schule (z.B. Religion, Deutsch) mit pädagogischen Zielen verbunden. Daraus ergibt sich, dass der Sportunterricht auch eine Veranstaltung geplanten und organisierten Lernens ist. Von diesem Ansatz lassen sich die folgenden drei Merkmale ableiten:
· Lernziele und Inhalte des Unterrichts (Didaktik),
· Bedingungen des Unterrichts,
· Planen, Organisieren und Durchführen des Unterrichts (Methodik).
Wie schon das Thema dieser Seminararbeit (Methodische Entscheidungen bei der Unterrichtsplanung) aussagt, wird in den folgenden Abschnitten auf die Frage: „Wie will ich es machen?“ ausführlich eingegangen. Doch zuerst werden noch Begriffe und Definitionen genannt, die es erleichtern sollen, sich auf diesem Themengebiet zu Recht zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Definition von Methodik
1.2 Was ist und was will die Methodik?
1.2.1 Funktionen der Methodik
1.3 Das didaktische Dreieck
1.4 Was soll und kann die Methodik?
1.4.1 Allgemeine und spezielle Methodik
2 Die drei Ebenen „guten Unterrichts“
2.1 Das unterrichtliche Handeln eines Lehrers muss zweckmäßig imHinblick auf die von ihm verfolgten Ziele sein
2.1.1 Sachgerechtigkeit und Angemessenheit
2.2 Sportunterricht muss vor allem zielgerichtet und intensiv sein
2.2.1 „Kontrollkriterium“ für Zielstrebigkeit und Intensität
2.3 „Generalisierbare Handlungsanleitungen“
2.3.1 Phasen optimaler Lernfähigkeit nutzen
2.3.2 Lieber weniger, das aber richtig tun
2.3.3 Aus wenigem viel machen
2.3.4 Möglichst wenig falsch machen
3 Die methodischen Übungsreihen
3.1 Die Untergliederung der methodischen Übungsreihen
3.1.1 Vorbereitende Übungen
3.1.2 Vorübungen
3.2 Die drei Prinzipien der methodischen Übungsreihen
3.2.1 Prinzip der verminderten Lernhilfe
3.2.2 Prinzip der graduellen Annnäherung
3.2.3 Prinzip der Aufgliederung in funktionale Teileinheiten
3.3 Grundsätze und Gefahren der methodischen Übungsreihen
4 Methodische Verfahrensweisen
4.1 Strukturierte Lehrwege
4.2 Offene Lehrwege
4.3 Ganzmethode
4.4 Teilmethode
5 Unterrichtsformen
6 Methodische Maßnahmen
7 Zum Problem der Methodenauswahl
8 Zusammenfassung
9 Fazit
10 Schlussdiskussion
10 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Komplexität methodischer Entscheidungen bei der Planung von Sportunterricht zu durchdringen und Lehramtsstudierenden eine Orientierungshilfe für eine zielgerichtete Unterrichtsgestaltung zu bieten. Dabei wird untersucht, wie Lehrkräfte den Balanceakt zwischen didaktischen Anforderungen, den Bedürfnissen der Lernenden und der Struktur der Sportarten bewältigen können, um effektive Lernprozesse zu fördern.
- Grundlagen der Methodik und ihre Funktionen im Sportunterricht
- Die Bedeutung von methodischen Übungsreihen als zentrales Gestaltungsinstrument
- Differenzierung zwischen lehrerzentrierten und schülerorientierten Unterrichtsformen
- Analyse der methodischen Verfahrensweisen zur Bewegungsvermittlung
- Kriterien für die Auswahl angemessener Lehrmethoden in der Praxis
Auszug aus dem Buch
1.2 Was ist und was will die Methodik?
Von einem sehr weiten Methodikverständnis wird die Theorie des Sportunterrichts beherrscht. Die Methodik umfasst Fragen der Unterrichtsplanung und Stoffanalyse, Darstellung der Lehr- und Lernwege, sowie die der Strukturierung und Organisation des Unterrichts. Durch diese Bandbreite an Themengebieten muss man einerseits zwischen einem engeren Methodikbegriff, der auf die Aufbereitung und Darbietung des Unterrichtsstoffes begrenzten sich bezieht, differenzieren. Andererseits darf man nicht den weiten Methodikbegriff, der die benachbarten Theoriebereiche miteinbezieht, vernachlässigen. ( vgl. Söll, 1996, S.157)
1.2.1 Funktionen der Methodik
Der Methodik werden folgende Funktionen beigemessen:
1. Die Methodik soll die Mittel bereitstellen, die Überblick, Ordnung und Zielstrebigkeit in das unterrichtliche Handeln bringen können.
2. Die Methodik soll die Prinzipien bestimmen, nach denen der Lehrer sein Handeln ausrichten und kritisch bewerten kann. (Söll, 1996, S.157)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Führt in die Problematik der Sportunterrichtsplanung ein und beleuchtet die Komplexität, die durch diverse Einflussfaktoren auf den Lehrer zukommt.
2 Die drei Ebenen „guten Unterrichts“: Beschreibt die abstrakten Rahmenbedingungen für zweckmäßiges Handeln, zielgerichteten Sportunterricht und handlungsleitende Ratschläge.
3 Die methodischen Übungsreihen: Erläutert Übungsfolgen zur Erlernung von Zielübungen sowie deren Untergliederung und die zugrunde liegenden Prinzipien.
4 Methodische Verfahrensweisen: Unterscheidet zwischen verschiedenen Lehrwegen (induktiv/deduktiv, strukturiert/offen) sowie Methoden der Stoffbehandlung (Ganz- vs. Teilmethode).
5 Unterrichtsformen: Differenziert zwischen lehrerzentriertem und schülerorientiertem Unterricht und zeigt deren fließende Übergänge auf.
6 Methodische Maßnahmen: Listet spezifische Hilfsmittel auf, mit denen der Lehrer den Unterrichtsfluss und den Lernprozess konkret gestaltet.
7 Zum Problem der Methodenauswahl: Diskutiert die Faktoren, die bei der Entscheidung für eine bestimmte Methode oder ein Vorgehen maßgeblich sind.
8 Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Aspekte der Arbeit kompakt zusammen.
9 Fazit: Reflektiert das Ziel der Arbeit und die Relevanz individueller Lehrerkompetenz.
10 Schlussdiskussion: Analysiert den Wandel von lehrerzentrierten zu schülerorientierten Formen und die damit verbundenen Herausforderungen in der Praxis.
10 Literaturverzeichnis: Dokumentiert die verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Unterrichtsplanung, Methodik, Didaktik, Übungsreihen, Lehrwege, Ganzmethode, Teilmethode, Frontalunterricht, Schülerorientierung, Handlungsorientierung, Bewegungsvermittlung, Methodenauswahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik methodischer Entscheidungen bei der Planung von Sportunterricht und wie diese professionell und zielgerichtet gefällt werden können.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition der Methodik, die Gestaltung von Übungsreihen, den Einsatz methodischer Verfahrensweisen und die Reflexion über verschiedene Unterrichtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Studierenden einen Leitfaden für die Komplexität der Unterrichtsplanung an die Hand zu geben, um zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Unterricht differenzieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die auf den Erkenntnissen bekannter Sportpädagogen wie Söll oder Czwalina basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen, die Analyse von Übungsreihen, unterschiedliche Lehrwege und die Auswahl von Unterrichtsformen inklusive ihrer praktischen Anwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Sportunterricht, Methodik, Unterrichtsplanung, Übungsreihen und der Kontrast zwischen lehrerzentrierten und schülerorientierten Ansätzen.
Warum ist die Wahl zwischen Ganz- und Teilmethode so relevant?
Die Wahl ist entscheidend für den Lernerfolg, da sie davon abhängt, ob eine Bewegungsfertigkeit als Ganzheit erlernbar ist oder aufgrund ihrer Komplexität in Teilabschnitte zerlegt werden muss.
Wie bewertet der Autor den Wandel zum schülerorientierten Unterricht?
Der Wandel wird grundsätzlich positiv gesehen, jedoch kritisch mit dem Hinweis auf den hohen Zeitaufwand, die notwendige Mitarbeit der Schüler und die Gefahr von Ausgrenzung betrachtet.
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- Tobias Schwarzwälder (Author), Lars Günthner (Author), 2002, Methodische Entscheidungen bei der Unterrichtsplanung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32855