In der vorliegenden Arbeit soll zunächst der Versuch unternommen werden, einen Überblick über die in Bezug auf den Streit um die Willensfreiheit in der Strafrechtslehre vertretenen Grundpositionen zu geben. Danach sollen die Ansichten dargelegt werden, die in verschiedenen Formen eine Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit zu konstruieren versuchen. Anschließend soll die Frage geklärt werden, ob die Diskussion in Naturwissenschaft und Philosophie Auswirkungen auf das deutsche Strafrecht haben kann.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung
- B. Der Streit um die Willensfreiheit aus strafrechtsphilosophischer Sicht
- I. Die Bedeutung der Frage nach der Willensfreiheit für das Strafrecht
- II. Die Grundpositionen - Willensfreiheit oder Determinismus?
- 1. Physikalisch-philosophischer (klassischer) Determinismus
- 2. Indeterminismus
- 3. Neurobiologischer Determinismus
- III. Relativer Indeterminismus – Spielraum trotz gewisser Determination
- 1. Sozialer relativer Indeterminismus
- 2. Anthropologischer relativer Indeterminismus
- 3. Psychologischer relativer Indeterminismus
- IV. Harter Determinismus
- V. Kompatibilismus - Willensfreiheit und Determinismus?
- 1. Weicher Determinismus I: Verantwortung statt Willensfreiheit
- 2. Weicher Determinismus II: Willensfreiheit durch Determinismus
- 3. „Zwei Welten“-Kompatibilismus (Dualismus)
- 4. „Trinitäts-Kompatibilismus“
- VI. Agnostizismus - ein Ausweg?
- C. Rückwurf auf den Inkompatibilismus
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit dem Streit um die Willensfreiheit aus strafrechtsphilosophischer Sicht. Sie analysiert die unterschiedlichen Positionen und Argumente, die in dieser Debatte vertreten werden, und beleuchtet deren Auswirkungen auf das Strafrecht.
- Bedeutung der Willensfreiheit für das Strafrecht
- Grundpositionen im Determinismus-Debatte
- Relativer Indeterminismus und seine verschiedenen Formen
- Kompatibilismus und die Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus
- Agnostizismus als mögliche Lösung des Problems
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema des Streits um die Willensfreiheit ein und erläutert die Relevanz der Frage für das Strafrecht. Das zweite Kapitel behandelt die verschiedenen Grundpositionen im Determinismus-Debatte, darunter der physikalisch-philosophische, der indeterministische und der neurobiologische Determinismus. Das dritte Kapitel untersucht den relativen Indeterminismus und seine verschiedenen Formen, wie den sozialen, den anthropologischen und den psychologischen relativen Indeterminismus. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem harten Determinismus. Das fünfte Kapitel analysiert verschiedene Formen des Kompatibilismus, der die Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus behauptet. Das sechste Kapitel diskutiert den Agnostizismus als mögliche Lösung für das Problem der Willensfreiheit.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die folgenden Schlüsselwörter: Willensfreiheit, Determinismus, Strafrecht, Strafrechtsphilosophie, Schuld, Zurechnung, Kompatibilismus, Inkompatibilismus, Agnostizismus, Neurobiologie, Neurobiologischer Determinismus, Soziale Determinanten, Anthropologische Determinanten, Psychologische Determinanten.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist die Frage der Willensfreiheit für das Strafrecht wichtig?
Das deutsche Strafrecht basiert auf dem Schuldprinzip. Schuld setzt voraus, dass der Täter sich frei für das Unrecht entscheiden konnte. Ohne Willensfreiheit wäre das Konzept der individuellen Schuld fragwürdig.
Was ist neurobiologischer Determinismus?
Diese Position besagt, dass menschliches Handeln durch neuronale Prozesse im Gehirn vorbestimmt ist, noch bevor wir eine bewusste Entscheidung treffen, was die Existenz eines freien Willens verneint.
Was bedeutet Kompatibilismus?
Kompatibilisten versuchen zu zeigen, dass Determinismus (Vorherbestimmtheit) und Willensfreiheit kein Widerspruch sind und beide Konzepte nebeneinander existieren können.
Was versteht man unter „relativem Indeterminismus“?
Dies ist die Ansicht, dass der Mensch trotz gewisser biologischer oder sozialer Determinationen einen Spielraum für freie Entscheidungen besitzt.
Können Naturwissenschaften das Strafrecht verändern?
Die Arbeit untersucht, ob Erkenntnisse der Hirnforschung dazu führen müssen, das Strafrecht auf ein reines Präventionsstrafrecht ohne das Element der persönlichen Schuld umzustellen.
- Quote paper
- Eric Sturzebecher (Author), 2014, Der Streit um die Willensfreiheit aus strafrechtsphilosophischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323549