Der französische Philosoph Michel Foucault beschäftigt sich in seinen Analysen mit der Produktion beziehungsweise Organisation von Wissensbeständen in der Geschichte der abendländischen Kultur und untersucht diesbezüglich im Besonderen die spezifischen Transformationen, welche jene Wissensordnungen durchlaufen. Dabei scheint er davon auszugehen, dass es sich bei den besagten Ordnungsgefügen um materiell existierende Entitäten handelt, darüber hinaus bezeichnet sich Foucault an verschiedenen Stellen selbst als einen fröhlichen oder „[…] glücklichen Positivisten […]“. Dieses merkwürdig anmutende Eigenlabel und die Vorstellung von unbewussten, aber dennoch positiven Wissensordnungen werfen freilich eine Vielzahl von Fragen über Foucaults philosophisches und wissenschaftliches Selbstverständnis und damit gekoppelte methodologische Implikationen auf.
Ferner rückt in diesem Zusammenhang auch eine Problematik in den Fokus, welche das besondere Verhältnis von methodischer Herangehensweise und der dadurch implizierten Modellierung des Untersuchungsgegenstandes thematisiert. Oder noch genauer die Frage: Was für ein spezifisches Konzept legt Foucault der Konstruktion seines Untersuchungsgegenstandes zugrunde, um dessen Erforschung als ein positivistisches Unterfangen zu qualifizieren?
An dieser Stelle knüpft die vorliegende Ausarbeitung an, um die durch Foucault mehr oder weniger implizit vorausgesetzte Modellierung des Forschungsobjektes zu untersuchen. Zur Beantwortung dieser Frage soll die folgende Hypothese bearbeitet werden: Foucault konzeptualisiert Wissensordnungen als sich selbstorganisierende, komplexe und dynamische Systeme, die über eine materielle Existenz verfügen und sich diskontinuierlich evolvieren. Um jenes Vorhaben zu realisieren, wird sich diese Arbeit primär auf das besondere Verhältnis zwischen Methode und Untersuchungsobjekt fokussieren, welches Foucault in seinem Werk „Die Archäologie des Wissens“ entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- HISTORIZITÄT IN DER PERSPEKTIVE FOUCAULTS.
- DIE ORDNUNG DES WISSENS..
- DAS ARCHIV UND SEINE POSITIVITÄTEN
- DIE AUSSAGE
- DIE FUNKTION UND DAS SYSTEM DER AUSSAGEN.
- SCHLUSS.
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption von Wissensordnungen in Michel Foucaults Werk "Die Archäologie des Wissens". Das Ziel ist es, zu belegen, dass Foucault Wissensordnungen als selbstorganisierende, komplexe und dynamische Systeme begreift, die über eine materielle Existenz verfügen und sich diskontinuierlich evolvieren.
- Foucaults Kritik an traditionellen Geschichts- und Ideengeschichtsmodellen
- Die archäologische Methode als Heuristik zur Untersuchung von Wissensordnungen
- Das Verhältnis von Methode und Untersuchungsobjekt in Foucaults Denken
- Die Konstituierung von Wissensordnungen als historische Phänomene
- Die Eigenschaften und Funktionsweise von Wissensordnungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und skizziert Foucaults Kritik an traditionellen Wissenschaftsverständnissen. Kapitel 2 behandelt Foucaults Verständnis von Historizität und seine Kritik an der Ideengeschichte. Kapitel 3 untersucht die Eigenschaften und Funktionsweise von Wissensordnungen, indem es auf das Archiv, die Aussage und das System der Aussagen eingeht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert sich auf die zentralen Begriffe und Konzepte der archäologischen Methode Foucaults, insbesondere die Analyse von Wissensordnungen, das Archiv, die Aussage, die Historizität und die Selbstorganisation von Wissen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Michel Foucault unter der „Archäologie des Wissens“?
Es ist eine methodologische Untersuchung der Regeln, die bestimmen, wie Wissen in einer bestimmten Epoche organisiert, produziert und transformiert wird.
Sind Wissensordnungen laut Foucault selbstorganisierende Systeme?
Die Arbeit vertritt die Hypothese, dass Foucault Wissensordnungen als komplexe, dynamische und sich selbstorganisierende Systeme konzeptualisiert, die materiell existieren.
Was bezeichnet Foucault als „das Archiv“?
Das Archiv ist nicht nur eine Sammlung von Dokumenten, sondern das Gesetz dessen, was gesagt werden kann – das System der Funktionsweise von Aussagen in einer Kultur.
Warum nennt sich Foucault einen „glücklichen Positivisten“?
Dies bezieht sich auf sein Bestreben, Wissensordnungen als positive, materiell vorhandene Fakten zu untersuchen, ohne nach verborgenen tieferen Wahrheiten oder einem Subjekt zu suchen.
Wie unterscheidet sich Foucaults Ansatz von der traditionellen Ideengeschichte?
Foucault lehnt lineare Fortschrittsmodelle ab und konzentriert sich stattdessen auf Brüche (Diskontinuitäten) und die spezifischen Strukturen, die Wissen erst ermöglichen.
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- Gino Krüger (Author), 2015, Die Ordnung des Wissens bei Michel Foucault. Ein Phänomen der Selbstorganisation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322434