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Karl der Große als „Vater Europas“. Ein Mythos der Geschichtsschreibung?

Title: Karl der Große als „Vater Europas“. Ein Mythos der Geschichtsschreibung?

Bachelor Thesis , 2013 , 36 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: B.A. Gabriele Grenkowski (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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„Die Geschichte Karls des Großen ist die Geschichte Europas“ – so betitelt Dieter Hägermann die Einleitung seiner Karlsbiografie aus dem Jahr 2000. Gewiss wird Karl dem Großen nicht nur von manchen Historikern ein großer Einfluss auf die Entwicklung Europas zugeschrieben. Mit der Zeit wurde aus Karl ein Mythos, dessen Schaffen mit dem ersten Versuch, ein einiges Europa zu schaffen, gleichgesetzt wird.

Jacques Le Goff verweist auf die Betitelung Karls des Großen als Bauherren Europas, „dessen kurzlebiges Reich der erste wirkliche Entwurf Europas gewesen sei“ . Im selben Sinne wird Karl gerne als „Vater Europas“ bezeichnet. Auf diesem Titel und den damit verbundenen Fragen baut diese Bachelorarbeit auf. Die Hauptfragen, die es zu beantworten gilt sind folgende: Kann man Karl den Großen wirklich als Vater Europas bezeichnen? Hat er diesen Titel mit seinen Taten verdient oder entstand dieser Titel erst später, zusammen mit dem Karlsmythos?

Die Diskussion zu diesem Thema hält bereits seit langer Zeit an. So weist Max Kerner in seinem Aufsatz „Mythos Karl der Große“ darauf hin, dass das Mittelalter nach Karl ihn zwar als idealen König verehrte, die Neuzeit jedoch andere Meinungen und Urteile hervorbrachte. So wird Karl der Große unter anderem als Despot oder auch Sachsenschlächter bezeichnet bzw. „verunglimpft“. Fakt ist, dass Karl der Große – seien die genannten Verunglimpfungen nun wahr oder unwahr – die Geschichte Europas mit seinen Taten geprägt hat. Auch 1200 Jahre nach seinem Tod ist sein Name weitbekannt. In Städten wie Aachen, die in direkter Verbindung zur Lebensgeschichte Karls stehen, ist der Karlsmythos auch heutzutage mitunter noch gegenwärtig. Die alljährliche Verleihung des Aachener Karlspreises als Preis für Verdienste um die Integration Europas trägt diesen Namen nicht grundlos, sondern verweist auf den Glauben, dass Karls Taten der Einheit Europas bereits im Mittelalter zuträglich waren.

Diese Bachelorarbeit soll anhand der Positionen verschiedener Historiker und mit Hinblick auf zeitgenössische Quellen, wie z.B. die Annales regni Francorum, das Paderborner Epos, die Vita Karoli Magni Einhards sowie die Gesta Karoli Magni Imperatoris Notkers, klären, ob Karl dem Großen der Titel „Vater Europas“ wirklich zusteht. Dazu sollen das Leben Karls, insbesondere seine Feldzüge zur Erweiterung des Frankenreiches, sowie seine Verdienste um Kultur und Bildung näher beleuchtet werden, um anhand dessen seinen Einfluss auf Europa zu verdeutlichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben Karls des Großen

2.1 Geburt, Kindheit und Jugend

2.2 Die Teilung des Reiches

3. Die Ausdehnung des Reiches

3.1 Der Langobarden-Feldzug

3.2 Der Krieg gegen die Sachsen

3.3 Der Feldzug auf die iberische Halbinsel

4. Die Kaiserkrönung

5. Die Karolingische Renaissance

5.1 Das Bildungswesen

5.2 Die Kirchenreform

5.3 Das Rechtssystem

6. Karl der Große und Europa

6.1 Was ist Europa?

6.2 Karl als Begründer Europas

6.3 Nachleben und Mythos

7. Zusammenfassung und Fazit

8. Quellen und Literatur

8.1 Quellen

8.2 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Rechtfertigung der Bezeichnung Karls des Großen als „Vater Europas“. Dabei wird analysiert, ob Karl selbst eine bewusste Europa-Idee verfolgte oder ob der Titel eine retrospektive Zuschreibung darstellt, die untrennbar mit dem Karlsmythos verbunden ist.

  • Historische Analyse der Feldzüge und der Reichserweiterung unter Karl dem Großen.
  • Untersuchung der karolingischen Bildungs- und Kirchenreformen sowie deren Einfluss auf die kulturelle Identität.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Kaiserkrönung im Jahr 800 und den Beziehungen zum Papsttum.
  • Analyse der Entstehung des Karlsmythos und dessen Instrumentalisierung in verschiedenen Epochen.
  • Differenzierung zwischen dem mittelalterlichen Herrschaftsverständnis und modernen europäischen Vorstellungen.

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Krieg gegen die Sachsen

Karls Feldzug gegen die Sachsen, eigentlich mehrere Feldzüge und Schlachten über einen Zeitraum von über drei Jahrzehnten, kann wohl als eine der bekanntesten Episoden in Karls Herrschaft bezeichnet werden. Einhard umschreibt den Feldzug, bzw. Krieg gegen die Sachsen in seiner Vita Karoli Magni wie folgt:

„Quo nullum neque prolixius neque atrocius Francorumque populo laboriosius susceptum est; quia Saxones, sicut omnes fere Germaniam incolentes nationes, et natura feroces et cultui daemonum dediti nostraeque religioni contrarii neque divina neque humana iura vel polluere vel transgredi inhonestum arbitrabantur.“

Anders, als bei Karls Feldzug gegen das Langobardenreich, ging es bei seinem Vorgehen gegen die Sachsen um mehr als nur eine reine Erweiterung des Frankenreiches. Vielmehr scheint er es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die Sachsen, zum größten Teil heidnischen Glaubens, zum Christentum zu bekehren. Hans-Dietrich Kahl weist in seinem Aufsatz „Karl der Große und die Sachsen – Stufen und Motive einer historischen Eskalation“ allerdings darauf hin, dass die Ausgangslage in Sachsen vor Karls Feldzug nicht völlig geklärt ist. Einige Historiker sind der Meinung, dass Teile Sachsen schon vorher das Christentum angenommen hatten. Er selbst jedoch hält „ein solches Bild für das Ergebnis eines Wunschdenkens, das sich bestrebt zeigt, christliche Tradition im Lande so weit wie irgend möglich zurückzuprojizieren.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, ob Karl der Große historisch legitim als „Vater Europas“ bezeichnet werden kann und erläutert den wissenschaftlichen Kontext des Karlsmythos.

2. Das Leben Karls des Großen: Dieses Kapitel behandelt die biografischen Grundlagen, inklusive der strittigen Geburtsdaten sowie die Teilung des Reiches nach dem Tod Pippins.

3. Die Ausdehnung des Reiches: Hier werden die militärischen Feldzüge gegen die Langobarden, die Sachsen und auf der iberischen Halbinsel als Instrumente der Reichserweiterung analysiert.

4. Die Kaiserkrönung: Das Kapitel beleuchtet die Hintergründe der Kaiserkrönung im Jahr 800 und die komplexe Beziehung zwischen dem fränkischen Herrscher und dem Papsttum.

5. Die Karolingische Renaissance: Diese Sektion untersucht die kulturellen und geistigen Leistungen Karls, insbesondere im Bildungs- und Rechtssystem, und diskutiert deren langfristige Bedeutung.

6. Karl der Große und Europa: Hier wird der Begriff Europa im Mittelalter definiert und kritisch hinterfragt, inwieweit Karl als Begründer Europas oder als Projektionsfläche für spätere Mythen zu sehen ist.

7. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Titel „Vater Europas“ eine mythische Überhöhung darstellt, Karl jedoch durch seine Reformen fundamentale Grundlagen für das spätere Europa legte.

8. Quellen und Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primärquellen sowie die wissenschaftliche Fachliteratur auf.

Schlüsselwörter

Karl der Große, Vater Europas, Frankenreich, Kaiserkrönung, Sachsenkriege, Karolingische Renaissance, Bildungsreform, Mittelalter, Karlsmythos, Christentum, Herrschaft, Rechtsstaat, Geschichtsschreibung, Europa, Einhard.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit der historischen Berechtigung des Titels „Vater Europas“ für Karl den Großen auseinander.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Reichsexpansion, die Kaiserkrönung, die Reformen in Bildung und Recht sowie die Entstehung und Entwicklung des Karlsmythos.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob Karl der Große aktiv die Idee eines geeinten Europas verfolgte oder ob der ihm verliehene Titel eine spätere Konstruktion ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf der Analyse zeitgenössischer Quellen (wie Einhards Vita Karoli Magni) sowie der Auswertung verschiedener historischer Fachpositionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die militärischen Eroberungen, die politischen und kulturellen Reformen sowie eine detaillierte Diskussion des Europa-Begriffs im Mittelalter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Karl der Große, Vater Europas, Reichsbildung, Reformpolitik, Mittelalter und die kritische Analyse des historischen Mythos.

Warum wird Karl oft mit dem „Blutgericht von Verden“ in Verbindung gebracht?

Dieses Ereignis, bei dem Karl gegen aufständische Sachsen vorgehen ließ, ist ein Hauptereignis, das ihm von Kritikern den Beinamen „Sachsenschlächter“ eingetragen hat.

Welche Rolle spielte die Kaiserkrönung im Jahr 800 für die europäische Idee?

Die Krönung wird im Text als komplexes Ergebnis von Machtpolitik und kirchlicher Beziehung analysiert, deren Bedeutung für eine europäische Identität unter Historikern stark umstritten bleibt.

Wie bewertet die Autorin die Rolle Karls als „Vater Europas“ abschließend?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Karl zwar keine bewusste Europa-Idee hatte, er aber durch sein Wirken die Fundamente für eine kulturelle Einheit legte, auf die sich spätere Generationen berufen konnten.

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Details

Title
Karl der Große als „Vater Europas“. Ein Mythos der Geschichtsschreibung?
College
RWTH Aachen University  (Historisches Institut)
Grade
3,0
Author
B.A. Gabriele Grenkowski (Author)
Publication Year
2013
Pages
36
Catalog Number
V318659
ISBN (eBook)
9783668187535
ISBN (Book)
9783668187542
Language
German
Tags
karl große vater europas mythos geschichtsschreibung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Gabriele Grenkowski (Author), 2013, Karl der Große als „Vater Europas“. Ein Mythos der Geschichtsschreibung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318659
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