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Das "Bellum civile"-Proömium von Lukan im Vergleich zum "Aeneis"-Proömium

Title: Das "Bellum civile"-Proömium von Lukan im Vergleich zum "Aeneis"-Proömium

Term Paper , 2013 , 19 Pages

Autor:in: Anonym (Author)

Latin philology - Literature
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Lukans "Bellum civile" gilt allgemeinhin als Anti-Aeneis, er selbst als Anti-Vergil. Seine Abwendung gegenüber Vergil wird schon mit der Themenwahl evident: während Vergil die national-positive Grundstimmung seiner Vorgänger in der mythisch überhöhten Darstellung der Sendung Roms fortsetzt und übertrifft , wählt Lukan den bereits über hundert Jahre zurückliegenden Bürgerkrieg zum Gegenstand seines literarischen Schaffens .

An die Stelle einer verherrlichenden Darstellung der römischen Geschichte tritt dezidiert ein dramatisches und traumatisierendes Ereignis. Trotz dieser eklatanten Abwendung gegenüber der vergilischen Grundhaltung lassen sich in Lukans Werk dennoch viele Reminiszenzen an die "Aeneis" finden . Selbst das eigentümliche "Bellum Civile"-Proömium erinnert an ihre ersten Verse. Lukan fordert seinen Leser zum Vergleich heraus, er macht sich dessen literarische Kenntnisse zu nutze. Wozu – das soll im Folgenden anhand des Proömiums gezeigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Proömium – Voraussetzungen

3. Das Aeneis-Proömium

3.1. Die Gliederung des Aeneis-Proömiums

3.2. Die propositio, Vers 1 -7

3.3 Die invocatio, Vers 8 -11

3.4. Die narratio, Vers 12 – 33

4. Das Bellum Civile- Proömium

4.1. Grundstruktur: propositio, invocatio, narratio

4.2. Die Themenangabe: Paradoxie anstelle des Sinns

4.2.1. Themenangabe im engeren Sinn

4.2.2. Themenangabe im weiteren Sinn

4.3. Die „invocatio“: Verwerfung göttlicher Motivation und Verantwortung

4.3.1. „invocatio“ im engeren Sinne

4.3.2. „invocatio“ im weiteren Sinn

4.4. Die Darlegung der causae – die Übernahme vergilischer Technik

4.5. Das Telos eines widersinnigen Krieges

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung Lukans mit Vergils Epos in den Proömien beider Werke, um aufzuzeigen, wie Lukan durch die bewusste Dekonstruktion vergilischer Traditionen und das Fehlen einer teleologischen Sinngebung ein völlig neues, pessimistisches Weltbild etabliert.

  • Vergleich der Proömien von Vergils Aeneis und Lukans Bellum Civile.
  • Analyse der Transformation traditioneller epischer Elemente wie propositio, invocatio und narratio.
  • Untersuchung der menschlich-historischen anstelle einer göttlich-mythischen Motivation.
  • Dekonstruktion des teleologischen Geschichtsverständnisses bei Lukan.
  • Die Rolle der aemulatio als Mittel zur Distanzierung von vergilischen Idealen.

Auszug aus dem Buch

4.2. Die Themenangabe: Paradoxie anstelle des Sinns

Das Kernproömium erstreckt sich über sieben Verse: eine Anzahl, mit der sich Lukan in eine lange Tradition stellt. Wie Vergil gibt er in seiner Eingangsheptade mit einem einzigen Satz das Thema kund. Das akkusativische Substantiv bella erinnert sowohl strukturell als auch gedanklich an die Aeneis. Verstärkt wird dieser Eindruck durch dieselbe metrische Gestalt der jeweils ersten Verse. Diese Parallelen gehen so weit, dass Levi in ihnen ein entscheidendes Indiz gegen die Authentizität der Verse sieht: habe Lukan Vergil doch bewusst abgelehnt. Doch wieweit reicht diese Imitation überhaupt?

Lukan scheint sich mit dem Themenwort bella – ein prominentes Thema der Epik - in eine große Tradition zu stellen, allerding nur um sie sofort wieder zu verwerfen: er verspricht bella plus quam civilia zu beschreiben. Es reicht also nicht, dass Lukan den konventionellen Bereich der Heldenepik verlässt, um einen Bürgerkrieg zu besingen: er besingt das Überschreiten aller Regeln der Humanität, einen Bürgerkrieg, der alle Werte und Maßstäbe verkehrt und in dem selbst familiäre Bande nichts mehr zählen. Er macht einen Krieg zum Thema, der die ganze Welt erfasst und erschüttert (vgl. V. 5).

Programmatisch fehlt ein Pendent zum vergilischen zweiten Themenobjekt virum: In einem solchen Krieg kann es keinen Helden geben. Schon mit dem ersten Vers distanziert sich Lukan so trotz vergilischer Anklänge betont von der heroischen Heldenepik Vergils.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt Lukans Bellum civile als bewusste "Anti-Aeneis" vor, die trotz ihrer Abkehr von vergilischen Idealen stark auf Vergil rekurriert, um den Leser zum kritischen Vergleich herauszufordern.

2. Das Proömium – Voraussetzungen: Dieses Kapitel erläutert die antiken Konventionen des Epos, insbesondere die Erwartungen an ein Proömium, das traditionell die Elemente propositio, invocatio und narratio umfasst.

3. Das Aeneis-Proömium: Hier wird Vergils Proömium als Referenzrahmen analysiert, wobei besonders die teleologische Ausrichtung auf das zeitgenössische Rom und die positive Sinngebung der Götter hervorgehoben werden.

4. Das Bellum Civile- Proömium: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Abweichungen Lukans, der die vergilische Struktur aufbricht, das Göttliche durch Menschlich-Historisches ersetzt und so einen radikalen Widersinn konstruiert.

5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Lukan Vergil nicht im klassischen Sinne imitiert, sondern ihn als Folie nutzt, um die Sinnlosigkeit des Bürgerkrieges und eine totale Dekonstruktion vergilischer Ideologie in Szene zu setzen.

Schlüsselwörter

Lukan, Vergil, Bellum civile, Aeneis, Proömium, Epik, aemulatio, Paradoxie, Teleologie, Bürgerkrieg, Antike, Literaturwissenschaft, Narratio, Invocatio, Propositio

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem literarischen Vergleich zwischen den Proömien von Lukans Bellum civile und Vergils Aeneis, um die künstlerische Distanzierung und kritische Auseinandersetzung Lukans mit seinem Vorgänger zu beleuchten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Struktur des Epos, die Veränderung epischer Konventionen, das Verhältnis von Mensch und göttlicher Vorsehung sowie die Darstellung von Krieg und Geschichte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, wie Lukan durch die gezielte Übernahme und gleichzeitige Infragestellung vergilischer Bausteine eine radikale Absage an die teleologische Weltdeutung Vergils formuliert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text detailliert auf sprachliche, metrische und inhaltliche Reminiszenzen hin untersucht.

Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert detailliert, wie Lukan die klassischen Elemente des Proömiums (propositio, invocatio, narratio) transformiert und durch das Fehlen eines Götterapparates das Motiv des Paradoxen und des menschlichen Widersinns in den Vordergrund rückt.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird geprägt durch Begriffe wie Lukan, Vergil, aemulatio, Paradoxie, Dekonstruktion und Sinnlosigkeit.

Wie bewertet der Autor die Rolle des sogenannten "Nerolobs" im Kontext des Gesamtwerks?

Der Autor ordnet das Nerolob als isolierte Einheit ein, die den Widersinn des Gesamtwerks nicht aufheben kann, sondern durch ihre paradoxe Einbettung sogar noch schärfer hervortritt.

Warum wird das Bellum civile häufig als "Anti-Aeneis" bezeichnet?

Lukan kehrt vergilische Ideale um, indem er statt eines göttlich legitimierten Heldenepos die menschliche Schuld, den Bürgerkrieg und die Sinnlosigkeit ins Zentrum stellt, was die Bezeichnung als Anti-Aeneis rechtfertigt.

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Details

Title
Das "Bellum civile"-Proömium von Lukan im Vergleich zum "Aeneis"-Proömium
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2013
Pages
19
Catalog Number
V315477
ISBN (eBook)
9783668149298
ISBN (Book)
9783668149304
Language
German
Tags
bellum lukan vergleich aeneis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2013, Das "Bellum civile"-Proömium von Lukan im Vergleich zum "Aeneis"-Proömium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315477
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