Eine essentialistische, ontologische und einheitliche Antwort auf die Frage, was „[…] die spezielle Berufskompetenz im Lehrerberuf eigentlich ausmache“ ist bisher nicht vorhanden. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass „Professionalisierung ein „höchst flüchtiger Zustand von Beruflichkeit“ ist, hergeleitet von dem Wort „Profession“. Gemeinsam haben die Begriffe, dass sie eine Form innerinstitutionell spezialisierten beruflichen Handelns beschreiben. Der Begriff „Professionalisierung“ geht insofern aber noch weiter als jener der „Profession“, als dass er das berufliche Können über den institutionellen Kontext hinaus beschreibt. Wegweisend für den aktuellen Forschungsdiskurs ist also statt eines einheitlichen Forschungsstands vielmehr die Uneinigkeit über die Frage, ob Professionalität durch Professionalisierung erreicht werden kann. Darin stehen sich zwei diametral entgegengesetzte Positionen gegenüber, die ein unterschiedliches Verständnis des Lehrerberufs verdeutlichen.
„Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen sehr viel mehr“ besagt ein Sprichwort, das nur zu gern in der LehrerInnenbildung im Studium verwendet wird. Es weist nicht nur darauf hin, dass die Institution Schule von den professionellen Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen – der LehrerInnen – abhängt, sondern auch auf die vieldiskutierte Frage danach, was LehrerInnen können sollten. Um auf diese Frage, die seit den PISA-Ergebnissen öffentlich und wissenschaftlich von großem Interesse ist, eine Antwort geben zu können, ist zunächst zu klären, was unter „individueller Professionalisierung“ und „professionellem Handeln“ des pädagogischen Lehrpersonals sowie „Professionsentwicklung“ verstanden wird. Aus Gründen des Platzmangels wird in vorliegender Arbeit auf begriffliche Differenzierungen aus historischer Perspektive verzichtet.
Lange galt der LehrerInnenberuf als Handwerk, für das bestimmte Persönlichkeitseigenschaften/Talente mit in den Beruf eingebracht werden mussten. Jene Position der sog. „Deregulierer“ vertritt die Ansicht, dass die Ausbildung keinen wesentlichen Teil zur Professionalisierung beiträgt. Dementsprechend werden hier Quereinsteiger als ähnlich effektive Lehrkräfte verstanden, d.h. ihre Position nähert sich der Tatsache an, dass es keine Studie gibt, die beweist, dass die Lernleistung der von ihnen unterrichteten SchülerInnen schlechter ist als jene von ehemaligen Lehramtsstudierenden.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- 1) Was wird in den verschiedenen Kontexten unter pädagogischer Professionalisierung und ggf. Professionsentwicklung von LehrerInnen verstanden?
- 2) Bibliographie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Der Text befasst sich mit dem Verständnis von pädagogischer Professionalisierung und Professionsentwicklung von LehrerInnen in verschiedenen Kontexten. Er analysiert die verschiedenen Ansätze und Positionen zur Professionalisierung des Lehrerberufs und untersucht die Rolle von Ausbildung, Erfahrung und Reflexion in der Entwicklung von LehrerInnenkompetenz.
- Das Verständnis von LehrerInnenprofessionalität in unterschiedlichen Kontexten.
- Die Debatte um die Bedeutung der Ausbildung und Erfahrung für die Professionalisierung von LehrerInnen.
- Die Rolle von Reflexion und lebenslangem Lernen in der Professionsentwicklung.
- Verschiedene Ansätze zur Erforschung von LehrerInnenprofessionalität, insbesondere der Persönlichkeitsansatz und der Kompetenz- und Expertiseansatz.
- Die Bedeutung von Schlüsselkompetenzen für die Bewältigung von beruflichen Herausforderungen.
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Das erste Kapitel befasst sich mit der Frage, was unter pädagogischer Professionalisierung und Professionsentwicklung von LehrerInnen in verschiedenen Kontexten verstanden wird. Es werden die unterschiedlichen Positionen zur Professionalisierung des Lehrerberufs dargestellt, von der Ansicht der „Deregulierer“, die die Ausbildung als weniger wichtig erachten, bis hin zu den „Professionalisierern“, die die Bedeutung von professioneller Ausbildung betonen. Das Kapitel zeigt auch die Komplexität der Anforderungen an LehrerInnen auf, die in verschiedenen Phasen der Professionalisierung, von der vorberuflichen Phase bis zum Berufsleben, auftreten.
Schlüsselwörter (Keywords)
LehrerInnenprofessionalität, pädagogische Professionalisierung, Professionsentwicklung, Ausbildung, Erfahrung, Reflexion, Lebenslanges Lernen, Schlüsselkompetenzen, Kompetenzen, Expertise, Persönlichkeitsansatz, Kompetenz- und Expertiseansatz, LehrerInnenhandeln, Schulische Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Was macht die spezielle Berufskompetenz im Lehrerberuf aus?
Die Arbeit untersucht, ob Professionalität durch formale Ausbildung erreicht wird oder ob Persönlichkeitseigenschaften („Handwerk“) entscheidender sind.
Was ist der Unterschied zwischen Professionalisierung und Profession?
Professionalisierung beschreibt den Prozess der Entwicklung beruflichen Könnens über den rein institutionellen Kontext hinaus.
Sind Quereinsteiger im Lehrerberuf weniger effektiv?
Die Arbeit diskutiert die Position der „Deregulierer“, nach der es keine eindeutigen Beweise gibt, dass die Lernleistung bei Quereinsteigern schlechter ist.
Welche Rolle spielt Reflexion in der Professionsentwicklung?
Reflexion und lebenslanges Lernen gelten als zentrale Bestandteile, um den komplexen und sich wandelnden Anforderungen des Lehrerberufs gerecht zu werden.
Was ist der Kompetenz- und Expertiseansatz?
Ein Forschungsansatz, der Professionalität über messbare Schlüsselkompetenzen und fachliches Expertenwissen definiert, statt über rein persönliche Talente.
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- Laura Baier (Author), 2016, Pädagogische Professionalisierung und Professionsentwicklung von Lehrern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313787