Dieser Essay entstand im Rahmen des Seminars „Einführung in die Sozialphilosophie“, veranstaltet von Dr. Daniel Loick im Wintersemester 2014/15.
Zweck dieses Essay ist es, den Begriff der Verdinglichung in Bezugnahme auf Georg Lukács und Axel Honneth zu rekonstruieren. Im ersten Teil wird die klassische Verdinglichungsphänomenologie, wie von Lukács beschrieben skizziert. In Bezugnahme auf Honneth wird anschließend gezeigt, unter welchen Bedeutungshorizonten der Begriff der Verdinglichung Verwendung finden kann. Der letzte Teil des Essays versucht eine Analyse verdinglichender Phänomene in Schule und Ausbildung zu geben. Dieser Analyse geht eine kurze Beschreibung der sogennanten Washback Theory voraus, welche in der anglistischen Didaktik diskutiert wird.
Das Einbinden dieser Theory soll ein Hinweis darauf sein, dass verdinglichende Phänomene in der Schule nicht in erster Linie aus der Gegenständlichkeitsform der Ware erwachsen, sondern aus der praktischen Anwendung von mündlichen und schriftlichen Lernstandsüberprüfungen, die eine abschließende Beurteilung des Lerners und seines Lernprozesses in Form der Note zu konkretisieren versuchen. Im Zuge der Analyse der verdingender Phänomene in der schulischen Ausbildung, soll insbesondere das Material, sowie die Einstellungen des Lehrers und des Schülers betrachtet werden, auf eine gesonderte Betrachtung einer verdingende Perspektive auf das Kind aus der Perspektive der Eltern wurde verzichtet. Die für die Bearbeitung des Themas verwendete Literatur ist dem Essay nachgestellt.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- Vorwort zur eBook-Veröffentlichung.
- 1. Einleitung..
- Zum Begriff der Verdinglichung..
- 2. Verdinglichung - Eine Rekonstruktion.
- 2.1 Verdinglichung – Eine anerkennungstheoretische Studie (Honneth).
- 2.2 Verdinglichung - Kategorienbildung nach Lukács..
- 2.3 Drei Bedeutungshorizonte von Verdinglichung.
- 3. Verdinglichung und Anerkennung
- 3.1 Begriffliche Neudeutung durch Honneth.
- 3.2 Einwand gegen diese Neudeutung Honneths
- 4. Verdinglichung in der Schule / Lehrer/Material / Schüler
- 4.1 Was ist washback?.
- 4.2 Auswirkungen von Testverfahren.
- 4.3 Heydorns Weltsicht
- 4.4 Verdinglichung des Stoffes/Materials..
- 4.5 Verdinglichung des Lehrers
- 4.6 Verdinglichung des Schülers.
- 5. Reflexion zum Thema Verdinglichung.
- 6. Meta-Reflexion des Verdinglichungsbegriffs und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Dieser Essay analysiert den Begriff der Verdinglichung unter Bezugnahme auf Georg Lukács und Axel Honneth, um die unterschiedlichen Bedeutungshorizonte dieses Begriffs aufzuzeigen. Die Arbeit rekonstruiert die klassische Verdinglichungsphänomenologie nach Lukács und beleuchtet anschließend die Interpretation Honneths. Abschließend wird untersucht, wie sich verdinglichende Phänomene in der Schule und im Bildungssystem manifestieren.
- Rekonstruktion des Verdinglichungsbegriffs nach Lukács und Honneth
- Analyse der unterschiedlichen Bedeutungshorizonte von Verdinglichung
- Verdinglichung in der Schule und im Bildungssystem
- Der Einfluss von Warenstruktur und Konkurrenz auf die Verdinglichung
- Die subjektive und intersubjektive Dimension von Verdinglichung
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Das Vorwort erläutert den Kontext der Arbeit und skizziert verschiedene Erklärungsansätze für Verdinglichung und Entfremdung. Kapitel 1 führt in den Begriff der Verdinglichung ein und erläutert die Bedeutung des Begriffs im Kontext der Arbeit. Kapitel 2 rekonstruiert die Verdinglichungsphänomenologie nach Lukács und Honneth, indem es die verschiedenen Kategorien und Perspektiven beleuchtet. Kapitel 3 setzt sich mit der Kritik an Honneths Neuinterpretation des Verdinglichungsbegriffs auseinander. Kapitel 4 untersucht verdinglichende Phänomene in der Schule und analysiert, wie sich die Verdinglichung auf Lehrer, Schüler und den Bildungsinhalt auswirkt.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die zentralen Begriffe und Themen der Arbeit sind Verdinglichung, Entfremdung, Anerkennung, Georg Lukács, Axel Honneth, Warenstruktur, Bildungssystem, Schule, Lehrer, Schüler, Subjektivität, Intersubjektivität, Warenfetischismus, Marx, Hegel, Feuerbach.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Begriff „Verdinglichung“ nach Georg Lukács?
Lukács beschreibt Verdinglichung als einen Prozess, in dem menschliche Beziehungen und Tätigkeiten den Charakter von Sachen oder Waren annehmen und so dem Menschen fremd gegenüberstehen.
Wie deutet Axel Honneth den Begriff der Verdinglichung neu?
Honneth interpretiert Verdinglichung im Rahmen seiner Anerkennungstheorie als eine „Vergessenheit der Anerkennung“, bei der die ursprüngliche empathische Beziehung zu anderen verloren geht.
Wie äußert sich Verdinglichung im Schulsystem?
Verdinglichung zeigt sich dort, wo Schüler und Lehrer nur noch als Funktionsträger wahrgenommen werden und der Lernprozess durch Noten und Testverfahren zu einer messbaren Ware reduziert wird.
Was ist die „Washback Theory“ in der Didaktik?
Sie beschreibt den Effekt, dass Prüfungsverfahren den Unterricht und das Lernen dominieren, wodurch nur noch das gelernt wird, was für die Note relevant ist.
Wird der Schüler in der Schule zum „Ding“?
Die Arbeit analysiert, wie die Fokussierung auf Leistung und Beurteilung dazu führen kann, dass die Individualität des Kindes hinter seiner Funktion als „Lerner“ zurücktritt.
Welche Rolle spielt die Warenstruktur für die Verdinglichung?
Nach klassischer Theorie (Marx/Lukács) ist die Warenform das Modell für alle Verdinglichungsprozesse, da sie Qualität in Quantität und lebendige Arbeit in tote Dinge verwandelt.
- Arbeit zitieren
- Malte Gerhardt (Autor:in), 2015, Verdinglichung und schulischer Leistungsprozess. Einführung in die Sozialphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313316