Der Autor diskutiert zu Beginn seine persönlichen Erfahrungen in Begegnungen mit jüdischen Überlebenden der Shoah und ihren Nachkommen, wo er einer gewissen Unheimlichkeit begegnet sein will, die als “wissend, aber nicht im vollen Umfang der Gefühle begriffen” bezeichnen möchte.
Eine weitere Erörterung von Situationen von Impasse in psychoanalytischen Behandlungen, zusammen mit theoretischen Konzepten von Freud, Bion und Lacan sowie ihrer zeitgenössischen Schüler erlauben es, diese Leerstellen in der Wahrnehmung zum Mechanismus der Verleugnung in Beziehung zu setzen, die sich am Kern jener Leere zu befinden scheint, die vom unbewussten Vermeiden, dem Anderen zu begegnen, geschaffen sein könnte.
Die group-relation-conferences in der Nazareth-Serie wie auch die gruppenanalytische Konferenzserie, die u.a. von Robi Friedman initiiert wurde, versuchen, sich mit dieser Problematik auseinander zu setzen, indem sie berücksichtigen, dass nicht nur Wissen, sondern auch Courage gebraucht wird, um Verleugnungsprozesse zu verändern, die die Welt falscher Harmonie, die wir ansonsten so lustvoll bewohnen dürfen, bedrohen.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- Persönlich
- Klinisch
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Diese Arbeit untersucht die psychischen Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah. Sie analysiert die Auswirkungen der Verleugnung auf das Individuum und die Gesellschaft, insbesondere im Kontext der DDR-Aufwachsendenen.
- Die Rolle der Verleugnung im Umgang mit der Shoah
- Die Auswirkungen der Verleugnung auf die psychische Entwicklung
- Die Verbindung von persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Verdrängungsprozessen
- Die Bedeutung der frühen Triangulierung und deren Einfluss auf die Bewältigung der Shoah
- Die Beziehung zwischen Verleugnung und Destruktivität
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Persönlich
Das erste Kapitel beschreibt die persönliche Reise des Autors zur Auseinandersetzung mit der Shoah. Der Autor berichtet von seinen eigenen Erfahrungen mit der Verleugnung und wie er durch Begegnungen mit Überlebenden und einer Reise nach Israel zur Konfrontation mit diesem Thema gelangte.
Klinisch
Das zweite Kapitel befasst sich mit klinischen Beobachtungen und Fallbeispielen, die die Auswirkungen der Verleugnung der Shoah auf die psychische Gesundheit von Ostdeutschen beleuchten. Der Autor analysiert die Rolle von Zwangsvorstellungen und deren Zusammenhang mit der Verdrängung von familiären und gesellschaftlichen Traumata.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Begriffen Verleugnung, Shoah, ostdeutsche Identität, Psychische Folgen, Verdrängung, Trauma, Zwangsvorstellungen, Triangulierung, Destruktivität und gesellschaftliche Erfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Wie ging Ostdeutschland mit der Shoah um?
Die Arbeit analysiert eine „Verkennung“ oder Verleugnung der Shoah in der DDR, die oft durch eine antifaschistische Staatsdoktrin überlagert wurde.
Was sind die psychischen Folgen der Verleugnung der Shoah?
Verleugnung kann zu Leerstellen in der Wahrnehmung, Zwangsvorstellungen und einer unbewussten Vermeidung der Begegnung mit dem „Anderen“ führen.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse bei diesem Thema?
Theoretische Konzepte von Freud, Bion und Lacan helfen dabei, die Mechanismen der Verdrängung und Verleugnung in therapeutischen Behandlungen zu verstehen.
Was ist die „Nazareth-Serie“?
Dies sind Group-Relation-Conferences, die versuchen, Verleugnungsprozesse bezüglich der Shoah durch Courage und kollektive Aufarbeitung zu verändern.
Was bedeutet „frühe Triangulierung“ in diesem Kontext?
Es beschreibt einen psychologischen Entwicklungsschritt, dessen Störung die Fähigkeit beeinflussen kann, sich mit gesellschaftlichen Traumata wie der Shoah auseinanderzusetzen.
- Quote paper
- Heiko Mussehl (Author), 2014, Die verleugnete Spur der Vernichtung. Psychische Folgen der ostdeutschen Verkennung der Shoah, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312901