Autismus, Schizophrenie, Hyperaktivität, Depressionen, Emotionsstörungen - diese
Krankheiten wurden früher mit negativen Erfahrungen in der Kindheit und einem
schlechten, nachlässigem Elternhaus begründet. Doch wie Hirnforscher inzwischen beweisen
konnten, liegt der wahre Grund für das Auftreten dieser Krankheiten viel tie fer.
Lange Zeit wurde angenommen, dass die Gene allein bestimmen, wie intelligent ein
Kind ist und wie ausgeprägt sein Gehirn ist. Doch wenn der Säugling auf die Welt
kommt sind seine Hirnfunktionen nur in Ansätzen vorhanden. Die Wissenschaft hat
bewiesen, dass die Umwelt, das Elternhaus, die Geschwister und die Vielfalt der Umgebung
maßgeblich daran teil haben, wie sich das Gehirn des Babys ausbildet. Es ist also
nicht genetisch vorbestimmt, welches Kind besonders lernfähig wird und welches später
einmal Schwierigkeiten in der Schule haben wird. Die Erfahrungen in früher Kindheit
haben Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter und somit auch auf unsere Gesellschaft.
Dieses neue neurobiologische Wissen über die Entwicklung des Gehirns von Neugeborenen,
bringt Fakten und Theorien hervor, die das schlechte Abschneiden bei internationalen
Leistungsnachweisen, wie bei PISA-2000 begründen könnten. Frühkindliche Bildung
wurde in Deutschland lange Zeit vernachlässigt. „’Früher hieß es, je älter das
Kind, desto mehr wird in dieses Kind investiert, heute ist es umgekehrt.’ Diese Erkenntnis
hat sich in Deutschland, wo die Kindergärten kostenpflichtig und das Studium
gebührenfrei sind, noch nicht durchgesetzt.“ (Goebel, Berliner Zeitung vom 14.01.2003,
S.13). Diese neuen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung
möchte ich im folgenden darstellen und vertiefen, und mich mit der Frage auseinandersetzen,
welche Mechanismen im Nervennetz Wissensanhäufung überhaupt möglich
machen und unterstützen. Erst dann kann darüber diskutiert werden, wie es um die Bildungs-
und Erziehungsprozesse in unserer Gesellschaft steht.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung: Trauma aus früher Kindheit?
- 2. Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung zu Kleinkindern
- 2.1 Die Entwicklung des Nervensystems
- 2.2 Die Rolle der Umwelt bei der Gehirnentwicklung
- 2.2.1 Beispiel: Augeninfektionen bei Neugeborenen
- 2.2.2 Emotionale Kontaktaufnahme mit der Umwelt
- 2.3 Individuelle Entwicklungsphasen bestimmen wann das Kind welche Fähigkeiten erlernt
- 2.4 Wie funktionieren Lernprozesse bei Kleinkindern?
- 2.4.1 Wie ein Kind sprechen lernt
- 2.4.2 „Automatisierung“ als Schlüssel für erfolgreiche Lernprozesse
- 3. Zusammenfassung und Ausblick: Konsequenzen für die Förderung von Kleinkindern
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den neuesten Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung im Hinblick auf die Entwicklung von Kleinkindern. Sie untersucht, wie die Umwelt und insbesondere frühkindliche Erfahrungen die Gehirnentwicklung beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf die späteren Fähigkeiten und das Lebens des Kindes hat.
- Die Bedeutung der Umwelt für die Gehirnentwicklung von Kleinkindern
- Der Einfluss frühkindlicher Erfahrungen auf die Entwicklung von Fähigkeiten und Persönlichkeit
- Die Rolle von Lernprozessen in der Gehirnentwicklung
- Die Konsequenzen dieser Erkenntnisse für die Förderung von Kleinkindern
- Die Kritik an traditionellen Ansichten über genetische Determinierung von Fähigkeiten und Intelligenz
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet den Einfluss frühkindlicher Erfahrungen auf die Entwicklung von Krankheiten wie Autismus, Schizophrenie und Depressionen. Sie stellt die Bedeutung der Umwelt für die Gehirnentwicklung in den Vordergrund und kritisiert den lange Zeit dominierenden genetischen Determinismus. Das zweite Kapitel vertieft die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung. Es erläutert die Entwicklung des Nervensystems im Mutterleib und nach der Geburt und beleuchtet die Rolle der Umwelt bei der Bildung neuer Nervenverbindungen. Der Fokus liegt auf der stetigen Veränderung der neuronalen Verschaltungen durch äußere Reize und Erfahrungen, die durch den Vergleich von Nervensystemen von Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen verdeutlicht wird.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Themen der Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung im Zusammenhang mit Kleinkindern. Sie beleuchtet die Bedeutung der Umwelt und frühkindlicher Erfahrungen für die Gehirnentwicklung, die Bildung von Nervenverbindungen, die Rolle von Lernprozessen und die Kritik an traditionellen Ansichten über genetische Determinierung. Schlüsselbegriffe sind: Gehirnentwicklung, Synapsen, Nervensystem, Lernprozesse, Umweltfaktoren, frühkindliche Erfahrungen, genetische Determinierung.
Häufig gestellte Fragen
Bestimmen die Gene allein die Intelligenz eines Kindes?
Nein, die moderne Gehirnforschung zeigt, dass die Umwelt, das Elternhaus und die Vielfalt der Umgebung maßgeblich daran beteiligt sind, wie sich das Gehirn eines Babys ausbildet.
Was sind die Ursachen für Krankheiten wie ADHS oder Depressionen?
Früher wurden diese oft nur durch nachlässige Erziehung begründet; heute weiß man, dass tiefere neurobiologische Ursachen und die frühe Gehirnentwicklung eine zentrale Rolle spielen.
Wie entstehen Lernprozesse im Gehirn von Kleinkindern?
Lernen basiert auf der Bildung und Veränderung von Nervenverbindungen (Synapsen) durch äußere Reize. Ein Schlüssel für erfolgreiches Lernen ist dabei die „Automatisierung“ von Prozessen.
Welche Rolle spielt die frühkindliche Bildung in Deutschland?
Der Text kritisiert, dass frühkindliche Bildung in Deutschland lange vernachlässigt wurde, was sich unter anderem in Ergebnissen wie bei PISA-2000 widerspiegelte.
Gibt es feste Zeitfenster für das Erlernen bestimmter Fähigkeiten?
Ja, die Arbeit erläutert, dass individuelle Entwicklungsphasen bestimmen, wann ein Kind welche Fähigkeiten am besten erlernen kann.
Welche Bedeutung hat der emotionale Kontakt für die Gehirnentwicklung?
Die emotionale Kontaktaufnahme mit der Umwelt ist ein wesentlicher Faktor, der die neuronalen Verschaltungen im Gehirn des Neugeborenen beeinflusst.
- Quote paper
- Nina Werner (Author), 2004, Neue Ergebnisse der Entwicklungspsychologie und Gehirnforschung zu Kleinkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30529