Die Signifikanz des Adels beruht vor allem auf seiner Stellung in Hof, Militär, Politik und Verwaltung, wobei das Militär die primäre Rolle spielt. Das Augenmerk der Arbeit liegt auf dem Offizierkorps des Kaiserreichs als Kern des Heeres. Der Adel hat in der sozialgeschichtlichen Forschung über das deutsche Offizierskorps eine besondere Stellung eingenommen. Dies ist die zentrale Thematik. Es gilt die soziale Herkunft der Offiziere zu untersuchen. Inwieweit hatte der Adel Einfluss auf das Offizierkorps? Und konnte sich der Adel behaupten? Bei den strukturverändernden Prozessen, die von statten gingen, fragt sich, ob der Adel dem Industriekapitalismus und dem damit verbundenen Leistungsprinzip standhalten konnte, um damit Schlüsselpositionen im Verwaltungs- und Militärapparat sichern zu können.
Aufschlussreiche Literatur ist hier die „Deutsche Gesellschaftsgeschichte ‚Von der Deutschen Doppelrevolution bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1849-1914‘“ von Hans-Ulrich Wehler. Zahlreiche Quellen liefert der zweite Band des Arbeits- und Quellenbuches „Grundzüge der deutschen Militärgeschichte“ von Karl-Volker Neugebauer (Hg.), sowie das Werk von Heiger Ostertag „Bildung, Ausbildung und Erziehung des Offizierskorps im deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918“.
In der Forschung findet man heute zwei Interpretationen vor, wobei erstere Interpretation vorherrschend ist. Einerseits wird die soziale Herkunft der Offiziere als Ansatzpunkt genommen, in der die feudale Offizierskaste Anlass für die konservative politische Rückständigkeit und die Innovationsfeindlichkeit war. Andererseits gibt es eine funktionale Interpretation, bei der die materiellen Faktoren bedeutsam sind, das heißt man geht davon aus, dass sich das Offizierkorps an die Modernisierungsprozesse und die funktionalen Zwänge anpasste. Hierbei stütze ich mich vorrangig auf den Sammelbandaufsatz von Mark Robert Stoneman im zweiten Band des Werks „Adel und Bürgertum in Deutschland“ von Heinz Reif. Im Bereich der bürgerlichen Offiziere existiert ein Forschungsdefizit, wobei es wichtig wäre, auch auf andere Sozialformationen als auf den Adel engeren Bezug zu nehmen.
Inhaltsverzeichnis
- I Einleitung
- 1 Das Offizierkorps im deutschen Heer
- 2.1 Struktur des Heeres
- 2.2 Das adlige Idealbild
- 2.3 Adelsanteile im Offizierkorps
- 3 Offiziere in der Gesellschaft
- 4 Schluss
- V Anhang
- VI Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Adels im Offizierkorps des Deutschen Kaiserreichs (1890-1933). Sie untersucht, inwieweit der Adel Einfluss auf die Zusammensetzung des Offizierkorps hatte und ob er sich in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels behaupten konnte.
- Soziale Herkunft der Offiziere im Kaiserreich
- Der Einfluss des Adels auf das Offizierkorps
- Die Bedeutung des adligen Idealbilds für die Offizierskultur
- Die Anpassung des Offizierkorps an die Modernisierungsprozesse
- Die Rolle des Adels in der deutschen Gesellschaft und im Militär
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung
Die Einleitung stellt die zentrale These der Arbeit dar, dass der Adel im Offizierkorps eine besondere Stellung einnahm und untersucht, inwieweit er Einfluss auf die soziale Zusammensetzung des Offizierkorps hatte. Es werden wichtige Forschungsliteratur und Quellen sowie die Forschungsdebatte um die Rolle des Adels im Offizierkorps vorgestellt.
II Das Offizierkorps im deutschen Heer
2.1 Struktur des Heeres
Dieser Abschnitt beschreibt die Struktur des deutschen Heeres im Kaiserreich, einschließlich der Organisation, der Militärbehörden und der Wehrpflicht. Er beleuchtet die wachsende Etatstärke des Heeres im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung und die Ausbildungs- und Dienstsysteme.
2.2 Das adlige Idealbild
Dieser Abschnitt untersucht das adlige Idealbild im Offizierkorps, das die Offizierskultur prägte. Er analysiert, wie die Herkunft der Offiziere die Beförderung und die Wahl der Truppengattung beeinflusste und wie der "Adel der Gesinnung" den bürgerlichen Anteil am Offizierkorps integrierte.
2.3 Adelsanteile im Offizierkorps
Dieser Abschnitt analysiert den Anteil des Adels im Offizierkorps anhand von Statistiken und Beispielen. Er beleuchtet die Dominanz des Adels in bestimmten Truppengattungen und die Bedeutung des Adels für die Machtsicherung der Monarchie.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen: Offizierkorps, Adel, Militär, Kaiserreich, soziale Herkunft, Offizierskultur, Modernisierung, Gesellschaft, Sozialgeschichte, Deutschland, Militärgeschichte, Sozialstruktur, Bildung, Ausbildung, Prestige, Macht, Herrschaft, Monarchie.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Einfluss hatte der Adel auf das Offizierkorps im Kaiserreich?
Der Adel nahm eine dominante Stellung ein und prägte durch ein adliges Idealbild die gesamte Offizierskultur und die soziale Herkunft der Führungselite.
Konnte sich der Adel gegen den Industriekapitalismus behaupten?
Die Arbeit untersucht, ob der Adel dem Leistungsprinzip standhalten konnte, um Schlüsselpositionen im Militär- und Verwaltungsapparat zu sichern.
Welche zwei Hauptinterpretationen gibt es in der Forschung zum Offizierkorps?
Es gibt den Ansatz der sozialen Herkunft (feudale Rückständigkeit) und die funktionale Interpretation (Anpassung an Modernisierungsprozesse).
Was beschreibt der Begriff „Adel der Gesinnung“?
Er beschreibt die Integration bürgerlicher Offiziere in das adlige Wertesystem, um die Homogenität des Korps zu wahren.
Welche Quellen werden für die Arbeit herangezogen?
Wichtige Quellen sind Werke von Hans-Ulrich Wehler, Karl-Volker Neugebauer und Mark Robert Stoneman.
- Citation du texte
- Sophie Thümmrich (Auteur), 2009, Adel und Militär im Kaiserreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304312