Den Einstieg zu finden, ist meist der schwierigste Schritt im Erstellungsprozess eines schriftlichen Werkes. Wie gut, möchte man meinen, haben wir es da als ÜbersetzerInnen, die das fertige Werk bereits vorliegen haben, es sich zu Gemüte führen dürfen und es danach lediglich in die eigene Muttersprache übertragen. Doch sowohl Theorie als auch Praxis belehren uns eines Besseren: Es gibt keine einheitliche Lehre der Translation, anhand derer wir unsere Entscheidungen für die Übersetzung treffen und rechtfertigen können. Zudem begegnet uns bisweilen die Meinung, das Übersetzen sei einfach: Mangels des Wissens um die Komplexität der Aufgabe und aufgrund der Tatsache, dass in einem druckreif übersetzten Manuskript die zugrunde liegende Arbeit nicht sichtbar wird.
Anders verhält es sich bei der Übersetzungskritik. Ausgehend vom Ausgangstext (AT) und vom Zieltext (ZT), versucht die dritte Person in Form des Kritikers, den Dialog mit dem Text wieder zu erweitern und aus dem Ergebnis die Vorgehensweise abzuleiten – sozusagen eine Form des reverse engineering. Dass dabei ein guter Text noch lange kein Garant für eine solide Übersetzung ist, dass ein mangelhafter AT durch einen gehaltvollen ZT überstrahlt werden kann, oder dass eine fehlerhafte ZT auch negativ auf den AT rückwirkt, gehört zu den ersten Lektionen, die angehende ÜbersetzerInnen lernen.
So ist es umso erfreulicher, dass im Rahmen dieses Portfolios sowohl AT als auch ZT von hervorzuhebender Qualität sind. Das macht es einerseits zum Vergnügen, sich mit den Texten auseinanderzusetzen. Andererseits wirft es die Frage auf: Welche Perspektive muss die Kritik einnehmen, um sowohl gerecht gegenüber dem ZT aufzutreten, aber dennoch Alternativen sinnhaft begründet anzubringen? Anders ausgedrückt: Wie kritisiert man einen Text, an dem es aus Leser- und Verlagsperspektive nichts Wesentliches auszuset
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Zum Autor: Ian McEwan
- Kurzbiographie
- Ian McEwan und die Medien
- Ressourcen zu Ian McEwan
- II. Zum Übersetzer: Werner Schmitz
- Kurzbiographie
- III. Inhaltliche Vorstellung des AT
- Inspiration für The Children Act
- Forschung zu The Children Act
- IV. Rezensionsrecherche
- Eingangsüberlegungen zur Rezensionsrecherche
- Beispiele aus Rezensionen zu Ian McEwans Kindeswohl
- V. Herausforderungen an den / die ÜbersetzerIn
- Problem 1: Kontraste und Konfrontationen
- Problem 2: Juristisches, religiöses und medizinisches Fachwissen
- Problem 3: Dialogszenen vor Gericht, im Krankenhaus
- Problem 4: Watching the English
- Problem 5: der Jugendliche Adam Henry
- Problem 6: die Frau Fiona Maye
- VI. Übersetzungsfragen an den ZT
- Wie (gut) funktioniert der Text als deutscher Text?
- Was kann als gelungen hervorgehoben werden?
- Was kann als weniger gelungen bezeichnet werden?
- VII. Beispiele im Vergleich: AT und ZT
- Titel und Eingangszitat (AT S. I, Z. 1-5; ZT S. VII, Z. 1-5)
- (AT.2/ZT.2) Die Urteilsverkündung
- (AT.1/ZT.1) Gerichtsverhandlung: Der Fall Adam Henry...
- (AT.3/ZT.3) Die Ballade von Adam Henry
- VIII. Fazit und Ausblick
- IX. Referenzen
- X. Textstellen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Portfolio analysiert die Übersetzung von Ian McEwans Roman "The Children Act" (Kindeswohl) ins Deutsche. Ziel ist es, die Übersetzungskritik anhand von spezifischen Beispielen aus dem Ausgangstext (AT) und dem Zieltext (ZT) zu verdeutlichen. Dabei werden sowohl die Herausforderungen für den Übersetzer als auch die gelungene Umsetzung des Textes in die deutsche Sprache untersucht.
- Analyse der Herausforderungen bei der Übersetzung von McEwans Roman in Bezug auf Stil, Thematik und Fachterminologie
- Bewertung der Übersetzung unter Berücksichtigung der Übersetzungsqualität, der sprachlichen Präzision und der stilistischen Anpassung an das Deutsche
- Darstellung spezifischer Beispiele, die die Übersetzungskritik illustrieren und die Herausforderungen und Erfolge der Übersetzungsarbeit aufzeigen
- Beurteilung des Einflusses des Autors, des Übersetzers und der kulturellen Unterschiede auf die Übersetzung
- Zusammenfassung der Ergebnisse der Analyse und ein Ausblick auf mögliche weiterführende Fragestellungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Problematik der Übersetzungskritik und die Besonderheiten der Übersetzung von McEwans Roman ein. Kapitel I gibt einen Einblick in das Leben und Werk von Ian McEwan, während Kapitel II sich dem Übersetzer Werner Schmitz widmet. Kapitel III beleuchtet die inhaltliche Vorstellung des Ausgangstextes, seine Inspiration und die relevante Forschung. Kapitel IV untersucht die Rezensionslandschaft und die kritischen Reaktionen auf McEwans Roman. Kapitel V analysiert die Herausforderungen, denen sich der Übersetzer bei der Übersetzung des Romans stellen musste. Kapitel VI widmet sich den allgemeinen Übersetzungsfragen, die sich aus dem Vergleich von AT und ZT ergeben. Kapitel VII veranschaulicht diese Übersetzungsfragen anhand von konkreten Beispielen aus dem Text. Kapitel VIII fasst die Erkenntnisse der Übersetzungskritik zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder.
Schlüsselwörter
Die zentralen Themen des Portfolios sind Übersetzungskritik, Übersetzung von Literatur, Ian McEwan, "The Children Act" (Kindeswohl), Werner Schmitz, Herausforderungen der Übersetzung, Sprachvergleich, Stilanalyse, Übersetzungsqualität, Fachterminologie, kulturelle Unterschiede, Recht, Medizin, Religion, Jugend, Gerichtsprozesse, englische Kultur, deutsche Kultur, Sprache, Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptherausforderungen bei der Übersetzung von Ian McEwans Werk?
Zu den Herausforderungen gehören die präzise Übertragung juristischer, medizinischer und religiöser Fachterminologie sowie das Einfangen spezifisch englischer kultureller Nuancen.
Wer hat „The Children Act“ ins Deutsche übersetzt?
Der Roman wurde von Werner Schmitz unter dem deutschen Titel „Kindeswohl“ übersetzt.
Was ist „Übersetzungskritik“ im Sinne des Portfolios?
Es handelt sich um eine Form des „reverse engineering“, bei der ausgehend vom Zieltext versucht wird, die Entscheidungen des Übersetzers im Vergleich zum Original kritisch zu hinterfragen.
Warum spielt der „Perspektivwechsel“ eine Rolle in der Kritik?
Die Kritik muss abwägen, wie der Text als eigenständiges deutsches Werk funktioniert, während sie gleichzeitig die Treue zum Original und die Absichten des Autors berücksichtigt.
Welche inhaltlichen Themen prägen den Roman „Kindeswohl“?
Der Roman thematisiert ethische Konflikte vor Gericht, insbesondere die Entscheidung über die medizinische Behandlung eines minderjährigen Zeugen Jehovas gegen dessen Willen.
- Quote paper
- Simone Lackerbauer (Author), 2015, Herausforderungen an die Übersetzer anhand Ian McEwans "The Children Act" und Werner Schmitz' "Kindeswohl", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303763