In seinem Aufsatz „Mentalität, Habitus und Lifestyle“ beschäftigt sich der Autor Jürgen Kamm mit den grundlegenden Fragen der Mentalitätenforschung. Unter Rückbezug auf das Konzept des Habitus nach Pierre Bourdieu verknüpft Kamm dabei leitende Begriffe der Mentalitätenforschung als Teil der Kulturwissenschaft mit praktischen, aktuellen Beispielen. „Unter Berufung auf Bourdieu [verweist Jürgen Kamm dabei] auf die Verbindung von Lifestyle und die verschiedenen Arten des Kapitals.“ Mentalität und Lebensstil stehen für Kamm dabei in einem engen Verhältnis miteinander. Den Grundlagen der Mentalitätenforschung und dem Konzept des Habitus nach Bourdieu vorausgehend, führt der Autor zuerst das Beispiel unterschiedlicher Mentalitäten in Ost- und Westdeutschland an, auf welches er sich auch abschließend noch einmal beziehen wird. Dem Leser wird anhand der divergierenden Deutsch-Deutschen Mentalitäten jene Problematik näher gebracht, die mit der Begründung von Ursachen unterschiedlicher Denkweisen einhergeht. Zu deren Lösung soll die mentalitätsorientierter Forschung als Teilbereich der Kulturwissenschaft beitragen. In einem anschließenden theoretischen Teil beleuchtet Kamm die Grundlagen der Mentalitätenforschung, wobei er an Pierre Bourdieus Konzept zum Habitus anknüpft. Am Beispiel sogenannter „make-over-programmes“ gelingt es dem Autor abschließend die Begriffe Habitus und Lifestyle miteinander zu verbinden. Ideologischen Verschönerungsprogrammen wie „What Not to Wear“ wird darin die Funktion zugesprochen, das habitualisierte Verhalten eines Individuums zu erschüttern, „da es neue Verhaltens- und Handlungsoptionen offeriert und diese [...] in neue Regelwerke fasst.“ In der hier vorliegenden Arbeit soll in erster Linie Jürgen Kamms Ansatz vorgestellt und erörtert werden, um anschließend etwaige neue Anknüpfungspunkte zu finden. Kamms Aufsatz ist dabei als ideale Ausgangsbasis für die Vorstellung jener Grundfunktionen einer Mentalitätenforschung einzuordnen, bietet aber zeitgleich viel Raum für weitere Interpretationen und Überlegungen. Während Jürgen Kamm die Frage nach den Gründen Deutsch-Deutscher Mentalitäten weitestgehend unbeantwortet lässt, soll daher in einem abschließenden Kapitel dieses Essays an die Konzeption der Nation als Kulturträger nach Klaus P. Hansen angeknüpft werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Bedeutung mentalitätsorientierter Forschung
- Definitionsversuch Kulturbegriff
- Habitus und Lifestyle
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Essay von Jürgen Kamm befasst sich mit dem Verhältnis von Mentalität, Habitus und Lifestyle. Der Autor untersucht die grundlegenden Fragen der Mentalitätenforschung und verbindet diese mit praktischen Beispielen aus der Kulturwissenschaft.
- Die Bedeutung von mentalitätsorientierter Forschung
- Das Konzept des Habitus nach Pierre Bourdieu
- Die Verbindung von Lifestyle und Kapital
- Die Rolle von Ideologie und Medien in der Gestaltung von Mentalitäten
- Die Bedeutung von Kultur für das Verständnis von Mentalitäten
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
In der Einleitung stellt Jürgen Kamm die grundlegenden Fragen der Mentalitätenforschung vor und stellt das Konzept des Habitus nach Pierre Bourdieu vor. Am Beispiel der divergierenden Mentalitäten in Ost- und Westdeutschland verdeutlicht er die Problematik unterschiedlicher Denkweisen und die Bedeutung der Mentalitätenforschung als Teilbereich der Kulturwissenschaft.
Bedeutung mentalitätsorientierter Forschung
Jürgen Kamm untersucht die unterschiedlichen Denkweisen zwischen Ost- und Westdeutschland und zeigt auf, wie diese durch die Geschichte und die unterschiedlichen Lebenserfahrungen geprägt wurden. Er argumentiert, dass die Mentalitätenforschung ein wichtiges Instrument ist, um die komplexen Hintergründe dieser Denkweisen zu verstehen.
Definitionsversuch Kulturbegriff
Jürgen Kamm diskutiert verschiedene Definitionen des Kulturbegriffs, u.a. von Raymond Williams und Klaus P. Hansen. Er zeigt auf, wie der Kulturbegriff eng mit dem Konzept der Mentalität verbunden ist und wie er die kollektiven Praktiken und Verhaltensweisen einer Gesellschaft prägt.
Häufig gestellte Fragen
Was untersucht die Mentalitätenforschung?
Sie untersucht die langfristigen Denk- und Verhaltensweisen sozialer Gruppen und wie diese durch Kultur, Geschichte und soziale Strukturen geprägt werden.
Was ist das Konzept des "Habitus" nach Pierre Bourdieu?
Habitus bezeichnet ein System dauerhafter Dispositionen, das das Handeln, Denken und Fühlen eines Individuums prägt und eng mit der sozialen Herkunft und dem verfügbaren Kapital verknüpft ist.
Wie hängen Mentalität und Lifestyle zusammen?
Lifestyle ist der sichtbare Ausdruck der inneren Mentalität und des Habitus. Jürgen Kamm zeigt auf, wie Lebensstile als Distinktionsmerkmale in einer Gesellschaft fungieren.
Warum gibt es unterschiedliche Mentalitäten in Ost- und Westdeutschland?
Die Arbeit thematisiert die divergierenden Mentalitäten als Folge unterschiedlicher historischer Erfahrungen und politischer Systeme, die bis heute das Denken beeinflussen.
Was sind "make-over-programmes" im Kontext des Habitus?
Sendungen wie „What Not to Wear“ versuchen, das habitualisierte Verhalten von Individuen zu erschüttern und ihnen neue (oft ideologisch geprägte) Handlungsoptionen und Regelwerke aufzuerlegen.
Was bedeutet "Nation als Kulturträger"?
Nach Klaus P. Hansen ist die Nation ein Rahmen, der kollektive Praktiken und Mentalitäten bündelt und so eine gemeinsame kulturelle Identität schafft.
- Quote paper
- Lisa Lindner (Author), 2015, Mentalitätenforschung. Über Jürgen Kamms Aufsatz „Mentalität, Habitus und Lifestyle“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302902