Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Gattungen

Zum besonderen Schwierigkeitsgrad lyrischer Texte. Eine Faktorenanalyse am Beispiel expressionistischer Großstadtlyrik

Titel: Zum besonderen Schwierigkeitsgrad lyrischer Texte. Eine Faktorenanalyse am Beispiel expressionistischer Großstadtlyrik

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 44 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Annika Lüttenberg (Autor:in)

Germanistik - Gattungen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Bereits in frühem Kindesalter ergeben sich erste Begegnungen mit Lyrik in Form von Abzählreimen, einfachen Kindergedichten oder Liedtexten. Dabei reagieren Kinder auf lyrische Texte unbefangen und mit einer Art ‚ästhetischem Erstaunen‘. Sie scheinen ihnen gegenüber offen und empfänglich zu sein. Mit zunehmendem Alter ändert sich dies jedoch. Viele ältere Kinder und Jugendliche formulieren Verständnisprobleme und neigen dazu, vor lyrischen Texten zu resignieren. Diese Beobachtungen harmonieren mit der Tatsache, dass der Anteil lyrischer Texte am Bestand eines üblichen Buchladens einen auffällig geringen Teil ausmacht. Lyrik stellt für Verleger, abgesehen von einigen Geschenkbänden vielleicht, de facto ein Verlustgeschäft dar. [...]
Lyrik stellt sich damit als eine Textsorte dar, die lediglich von einem kleinen Leser- oder Hörerkreis rezipiert wird, die zwar von Kindern begrüßt, von der Mehrheit Jugendlicher und Erwachsener aber abgelehnt wird. Selbst in der Schule, obwohl gerade diese als Raum für Auseinandersetzungen mit Literatur jeglicher Art gilt, lässt sich diese Beobachtung machen. Lyrik gilt unter Referendaren und Lehrkräften allgemeinhin als ‚schwierige‘ Gattung und damit auch als eines der unbeliebtesten Themen des Deutsch- und Literaturunterrichts. Worin aber begründet sich die besondere Schwierigkeit lyrischer Texte?
Der Begriff 'schwierig' impliziert, dass die beschriebene ablehnende Haltung gegenüber lyrischen Texten aus einer Unzugänglichkeit auf der Verstehensebene entsteht. Lyrik wird demnach gemieden, weil sie tendenziell schwieriger zu verstehen ist als andere literarische Texte, was die Fragen aufwirft, inwiefern lyrische Texte sich von anderen literarischen Texten unterscheiden und was es überhaupt bedeutet, einen Text zu verstehen; ferner stellen sich auch die Fragen, wodurch ein Verständnis bedingt wird und ob sich die Schwierigkeit lyrischer Texte konkret feststellen oder gar messen lässt.
Die nachfolgende Arbeit versucht, diesen Fragen nachzugehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literarisches und lyrisches Textverständnis

2.1 Zu den Begriffen Textkompetenz, Lesekompetenz und Textverstehen

2.2 Zwei Faktoren des Textverständnisses

2.2.1 Merkmale des Textes

2.2.2 Eigenschaften des Lesers

2.3 Zur Besonderheit lyrischer Texte

3. Exemplarische Betrachtung

3.1 Wesenszüge expressionistischer Lyrik: Begründung der Gedichtauswahl

3.2 Analyse I – Georg Heym: Berlin I

3.3 Analyse II – Gottfried Benn: Nachtcafé

4. Fazit und Implikationen für die Unterrichtspraxis

5. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für den vermeintlich hohen Schwierigkeitsgrad lyrischer Texte beim Verstehensprozess. Ausgehend von allgemeinen Modellen der Lesekompetenz und den Faktoren des Textverstehens analysiert die Autorin, inwiefern spezifische Charakteristika lyrischer Sprache und Struktur – exemplarisch demonstriert an expressionistischer Großstadtlyrik – besondere Anforderungen an den Rezipienten stellen und welche didaktischen Implikationen sich daraus für den Literaturunterricht ableiten lassen.

  • Grundlagen des Text- und Leseverstehens
  • Faktoren der Textschwierigkeit
  • Besonderheiten lyrischer Textgattungen
  • Analyse expressionistischer Großstadtlyrik (Georg Heym, Gottfried Benn)
  • Didaktische Perspektiven und Empfehlungen für die Unterrichtspraxis

Auszug aus dem Buch

3.3 Analyse II – Gottfried Benn: Nachtcafé

Auf Ebene der Textoberfläche stellt sich das Szenario im Nachtcafé zunächst als unzugänglich dar. Bereits auf Wortebene leistet das Gedicht einigen Widerstand. Die Bedeutung der Zahl „824“ (I,1) erschließt sich zunächst nicht und auch die Bedeutung „Der Frauen Liebe und Leben“, I,1) wird sich erst bei wiederholter Rezeption als eine Art Untertitel oder Ankündigung des Themas des Gedichtes darstellen. Was dann folgt, lässt sich nur verstehen, wenn der Leser die folgenden Musikinstrumente („Cello“, „Flöte“, I,2 / „Trommel“, I,4) nicht als Instrumente, sondern als Metonymie identifiziert, die im Sinne des pars pro toto für die Musiker stehen, die diese Instrumente spielen. Eine weitere Schwierigkeit stellt die Ironie des ‚schönen Abendbrotes‘ (I,3) dar, das in Bezug auf den rülpsenden Flötenspieler einen unangenehmen Geruch impliziert, der eben nicht ‚schön‘ ist.

Die Metonymie als stilistisches Mittel zieht sich durch das ganze Gedicht hin fort. Dabei werden nicht nur Personen, sondern auch Gegenstände auf ihre einzelne Teile reduziert. „Glaube Liebe Hoffnung“ (III,9) beispielsweise bezeichnet eine Kette mit drei Anhängern, einem Kreuz, einem Herzen und einem Anker, die entsprechend Glaube, Liebe und Hoffnung symbolisieren. Neben den Metonymien erweisen sich zudem bestimmte Begriffe, wie etwa „Kropf“ (IV,10), „Sattelnase“ (IV,10), „Bartflechte“ (V,12), „B-Moll: die 35. Sonate“ (VI,14), „Chopin“ (VII,16) oder „Kanaanitisch“ (VIII,20), als schwierig. Sie setzen bereits einen umfangreicheren Wortschatz sowie ein breiteres Vorwissen voraus und erhöhen damit die Anforderungen an die Kenntnisse des Lesers.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ablehnende Haltung gegenüber Lyrik in der Schulpraxis und führt in die zentrale Forschungsfrage nach der besonderen Schwierigkeit dieser Gattung ein.

2. Literarisches und lyrisches Textverständnis: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Leseforschung und erläutert die Wechselwirkung zwischen Textmerkmalen und Lesereigenschaften sowie die Spezifika lyrischer Sprache.

3. Exemplarische Betrachtung: Hier erfolgt eine praktische Anwendung der theoretischen Erkenntnisse anhand von zwei expressionistischen Gedichten, um die spezifischen Rezeptionsbarrieren aufzuzeigen.

4. Fazit und Implikationen für die Unterrichtspraxis: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Empfehlungen für einen kompetenzorientierten, erfahrungsbasierten Umgang mit Lyrik im Unterricht ab.

5. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die Grenzen der Untersuchung und identifiziert weiteren Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Rolle von Motivation und längsschnittlicher Studien.

Schlüsselwörter

Lyrik, Textverstehen, Lesekompetenz, Textschwierigkeit, Expressionismus, Großstadtlyrik, Georg Heym, Gottfried Benn, Metonymie, Poetische Sprache, Literaturunterricht, Rezeption, Bedeutungsspektrum, Textoberfläche, Bildsprache

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Gründe für die empfundene Schwierigkeit lyrischer Texte und warum diese Gattung im Literaturunterricht oft auf Ablehnung stößt oder als besonders anspruchsvoll wahrgenommen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Kognitionspsychologie des Lesens, die linguistische Analyse lyrischer Strukturen sowie die didaktische Einordnung von Lyrik in den Deutschunterricht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die „besondere Schwierigkeit“ lyrischer Texte theoretisch zu begründen und durch exemplarische Analysen nachzuweisen, um daraus Strategien für die Unterrichtspraxis abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine theoretische Fundierung durch Literatur- und Lesedidaktik mit einer exemplarischen, inhaltsanalytischen Untersuchung zweier lyrischer Werke des Expressionismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Voraussetzungen für Textverstehen geschaffen, gefolgt von einer Untersuchung der sprachlichen und inhaltlichen Charakteristika expressionistischer Großstadtlyrik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Lesekompetenz, poetische Sprache, Bedeutungsspektrum, Metonymie, Textoberfläche und Literaturrezeption.

Warum wird gerade der Expressionismus für die Analyse herangezogen?

Der Expressionismus wird gewählt, da er durch seine unkonventionelle Sprache und die radikale Abkehr von konventionellen Darstellungsformen als prädestiniert für die Untersuchung von Verständnisbarrieren gilt.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für Lehrer?

Die Autorin plädiert dafür, Lyrik weniger als Rätselaufgabe mit vorgegebener Lösung zu verstehen, sondern Schülern Raum für ästhetische Erfahrungen und das Aushalten von Ambiguitäten zu geben.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zum besonderen Schwierigkeitsgrad lyrischer Texte. Eine Faktorenanalyse am Beispiel expressionistischer Großstadtlyrik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Hauptseminar: „Keine Angst vor Gedichten: Liebeslyrik in Geschichte und Gegenwart“
Note
1,0
Autor
Annika Lüttenberg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
44
Katalognummer
V301867
ISBN (eBook)
9783956874185
ISBN (Buch)
9783668005143
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lyrik Deutschunterricht Expressionismus Stadtgedichte Lyrikunterricht Textverstehen Textschwierigkeit Verständnisschwierigkeit Textkompetenz Lesekompetenz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Annika Lüttenberg (Autor:in), 2015, Zum besonderen Schwierigkeitsgrad lyrischer Texte. Eine Faktorenanalyse am Beispiel expressionistischer Großstadtlyrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301867
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  44  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum