„Stopp Kinderarbeit: Schule ist der beste Arbeitsplatz“ (Welthungerhilfe) und „Aktiv gegen Kinderarbeit“ (earthlink e. V.). Dies sind nur zwei Beispiele für unzählige Kampagnen verschiedener Hilfsorganisationen gegen Kinderarbeit. Auch auf Lebensmitteln oder anderen Produkten ist manchmal ein Siegel wie zum Beispiel „Transfair“ zu finden. Diese sollen darauf aufmerksam machen, dass die Herstellung ohne Kinderarbeit von statten ging. Besonders in Entwicklungsländern, wie Indien oder Bolivien, werden Kinder auch heutzutage ausgebeutet. In Deutschland werden Kinder durch Gesetze vor solcher Arbeit geschützt. So ist die Beschäftigung von Jugendlichen unter 14 Jahren gemäß §5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verboten (Rothe, 2009, S.320).
Dies war jedoch nicht immer so: Denn auch im deutschen Reich mussten Kinder schon im Mittelalter und besonders in der Zeit während der Industrialisierung hart arbeiten.
In dieser Arbeit soll am Anfang darauf eingegangen werden, was Kinderarbeit eigentlich ausmacht und wie diese aus heutiger Sicht definiert wird. Danach wird beleuchtet, warum Kinder besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ge-zwungen wurden, in so jungen Jahren schon Geld zu verdienen. Was war der Unterschied zu der Zeit vor der Industriellen Revolution?
Dafür werden in zeitlicher Reihenfolge verschiedene Sektoren der Industrie angeschaut. Angefangen bei der Landwirtschaft, dem Gebiet, in dem Kinder immer schon gearbeitet haben, bis hin zu Kindern in der Dienstleistungsbranche. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit der Entwicklung des Kinderschutzes im 19. Jahrhundert in Deutschland. Gibt es wirtschaftliche Gründe, die die Arbeit von Kindern rechtfertigten?
Zum Abschluss sollen die Ergebnisse zusammengefasst und der Einfluss der Kinderarbeit auf die Industrielle Revolution betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist eigentlich Kinderarbeit?
3 Kinderarbeit zur Zeit der Industrialisierung
3.1 Ursachen für die Kinderarbeit
3.2 Kinder in der Landwirtschaft
3.3 Kinder im Bergbau
3.4 Kinder in der Fabrik
3.5 Kinder im Dienstleistungsgewerbe
4 Kinderschutz
4.1. Verhältnis Staat und Kinderarbeit
4.2. Verhältnis Unternehmer und Kinderarbeit
4.3. Kinderschutzgesetze
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und sozialen Bedingungen der Kinderarbeit in Deutschland während des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die ökonomischen Beweggründe für den Einsatz minderjähriger Arbeitskräfte sowie die langwierige Entwicklung gesetzlicher Schutzmaßnahmen zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Industrielle Revolution kritisch zu beleuchten.
- Ursachen der Kinderarbeit und sozioökonomische Faktoren (Armut, demografischer Wandel).
- Branchenspezifische Einsatzgebiete (Landwirtschaft, Bergbau, Fabrik, Dienstleistung).
- Die Rolle des Staates und der Unternehmer im Kontext des Kinderschutzes.
- Die Entwicklung der Gesetzgebung vom preußischen Regulativ bis zum Kinderschutzgesetz von 1903.
- Der Zusammenhang zwischen Bildung, Alphabetisierung und dem gesellschaftlichen Wandel.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kinder im Bergbau
Die Kohle- und Eisenindustrie war ein Betätigungsfeld, in dem Kinder nicht erst seit Beginn der Industrialisierung tätig waren. Die Allerkleinsten waren für die Schleusen zwischen den Schächten zuständig. Größere Kinder haben die Förderwägen für Kohle und Erz durch die engen Gassen geschoben (Köthe, 2007, S.38). Die tägliche Arbeitszeit betrug dabei oft über 16 Stunden, was aus heutiger Sicht selbst für Erwachsene mit einem vergleichsweise leichten Bürojob unvorstellbar scheint. Auf die negativen Folgen für die Gesundheit der Kinder ist schon im Kapitel davor eingegangen worden. Jedoch kamen durch die Arbeit unter Tage, also abseits von frischer Luft, noch Atemprobleme und starke Wachstumsprobleme, hervorgerufen durch die gebückte Körperhaltung in den engen Gängen, hinzu.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema Kinderarbeit im 19. Jahrhundert in den Kontext aktueller globaler Debatten und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den Ursachen über die verschiedenen Sektoren bis hin zur gesetzlichen Entwicklung.
2 Was ist eigentlich Kinderarbeit?: Hier werden moderne und historische Definitionen der ILO und des Historikers Erich Beermann gegenübergestellt, um den Begriff der Kinderarbeit für die Analyse zu präzisieren.
3 Kinderarbeit zur Zeit der Industrialisierung: In diesem Kapitel werden die Ursachen, wie Armut und Bevölkerungsdruck, sowie die spezifischen Bedingungen in Landwirtschaft, Bergbau, Fabriken und Dienstleistungsgewerbe detailliert analysiert.
4 Kinderschutz: Dieser Abschnitt beleuchtet die kontroversen Einstellungen von Staat und Unternehmern zur Kinderarbeit und zeichnet den Weg von ersten kritischen Berichten bis zur Einführung konkreter Kinderschutzgesetze nach.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz zur Bedeutung der Kinderarbeit für die industrielle Entwicklung und stellt fest, dass erst durch Bildung und den Wandel zur Leistungsgesellschaft eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände der Unterschicht möglich wurde.
Schlüsselwörter
Kinderarbeit, Industrialisierung, 19. Jahrhundert, Kinderschutz, Sozialgeschichte, Preußen, Fabrikarbeit, Landwirtschaft, Bergbau, Armut, Kinderschutzgesetze, Gewerbeordnung, Bildungsgeschichte, Soziale Frage, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Kinderarbeit in Deutschland während des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Industriellen Revolution.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den sozioökonomischen Ursachen, der Arbeitsrealität in verschiedenen Industriesektoren und der schrittweisen Etablierung staatlicher Kinderschutzgesetze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum Kinder als Arbeitskräfte instrumentalisiert wurden und welche wirtschaftlichen sowie politischen Faktoren zu einem Wandel hin zum Kinderschutz führten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Primärquellen, historischen Statistiken und zeitgenössischer Literatur basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen, eine Sektorenanalyse (Landwirtschaft, Bergbau, Fabrik, Dienstleistung) und eine detaillierte Auswertung der staatlichen Maßnahmen und Unternehmersichtweisen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kinderarbeit, Industrialisierung, Kinderschutz, Soziale Frage und der Wandel zur Leistungsgesellschaft im 19. Jahrhundert.
Warum war die Landwirtschaft von der Kinderarbeit besonders stark betroffen?
Wie im Text ausgeführt, war die Arbeit auf dem Feld tief in der ländlichen Tradition verwurzelt, und die ökonomische Not vieler Familien zwang Kinder dazu, bereits in jungen Jahren zum Lebensunterhalt beizutragen.
Welche Rolle spielte der Bildungsaspekt im Hinblick auf den Kinderschutz?
Die Bildung wurde zunehmend als Mittel zur sozialen Mobilität erkannt, weshalb die gesetzliche Forderung nach Schulbesuch ein zentrales Instrument war, um Kinder aus der Vollzeitarbeit in Fabriken und Gewerbe zu lösen.
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- Philipp Schmidt (Author), 2015, Kinderarbeit und Kinderschutz während der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300989