Mit der Frage nach Gott beschäftigten sich bereits viele Dichter, Denker, Philosophen, Theologen, Schriftsteller und Künstler. Allerdings ist dies ein problematisches Gebiet, weil die Bibel – die größte Sammlung von Erzählungen über Gott – Lücken enthält, Übersetzungsfehlern unterliegt und auch viele unterschiedliche Darstellungen beinhaltet. Auf Grund dessen bietet die Bibel eine große Angriffsfläche für Kritiker und eine geringe Anzahl von historischen Belegen. Somit kann die Theologie nur durch Lückenbüßer-Argumente der Wissenschaft entgegentreten.
Für Gegner der Theologie beinhaltet die Bibel sonderbare Widersprüche im Denken über Gott, denn zum einen wird Gott in der Bibel als Gewalttäter und zorniger Gott dargestellt und im Gegensatz dazu auch als liebender, barmherziger und gnädiger Gott. Zudem gibt es gravierende Unterschiede zwischen der Darstellung von Gott im Alten und im Neuen Testament.
Durch die Emanzipation finden sich Frauen nicht mehr selbstverständlich damit ab, dass ausschließlich Männer Gott, die Welt und das Wesen der Frau definieren und somit wurde auch die Frage, warum Gott eigentlich ein Mann sein soll, immer lauter.
In dieser Arbeit werde ich einen Einblick in die Gottesbilder im Allgemeinen, im Alten Testament und im Neuen Testament geben. Insbesondere beschäftige ich mich mit dem Unter-schied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament und untersuche dabei vor allem die gegensätzlichen Darstellungen von Gott.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verschiedene Gottesvorstellungen
2.1. Atheismus & Theismus
2.2. Monotheismus
2.3. Polytheismus
2.4. Deismus
2.5. Pantheismus
2.6. Animismus
3. Gottesbilder des AT
3.1. Gott als Schöpfer/ Anfang der Welt
3.2. Gott als Gesetzgeber/ Richter /Ordnung
3.3. Gott als Vater-Figur/ JHWH
3.4. Gott der Gewalttaten
3.5. Gott der Barmherzigkeit/ Gerechtigkeit
3.6. Weibliche Gottesdarstellung
4. Gottesbilder des NT
4.1. Unsichtbarer Gott
4.2. Existenz Gottes durch Jesus
4.3. Der Gott der Armen
4.4. Handeln Gottes durch Jesus
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die unterschiedlichen Gottesvorstellungen innerhalb der Bibel, wobei der Schwerpunkt auf der kontrastierenden Darstellung von Gott im Alten und Neuen Testament liegt. Ziel ist es, die Entwicklung sowie die teils gegensätzlichen Gottesbilder aufzuzeigen und dabei auch moderne kritische Perspektiven sowie feministische Ansätze zur Gottesdarstellung zu berücksichtigen.
- Vergleichende Analyse von Gottesbildern im Alten und Neuen Testament
- Philosophische und theologische Einordnung verschiedener Gottesvorstellungen
- Untersuchung von Gerechtigkeit, Gewalt und Barmherzigkeit in biblischen Erzählungen
- Feministische Perspektiven auf weibliche Gottesdarstellungen
- Die Rolle von Jesus Christus als Vermittler und Offenbarer Gottes
Auszug aus dem Buch
3.4. Gott der Gewalttaten
Wenn man versucht zu hinterfragen, warum Gott in der Bibel stellenweise als gewalttätiger und zorniger Gott dargestellt wird, muss man zurück gehen zur Vor- und Frühgeschichte des biblischen Jahwe-Glauben, denn die frühen Bibeltexte geben darüber Aufschluss. Es lässt sich vermuten, dass der Name JHWH ursprünglich einer Stammesgottheit angehört hat, die für die Menschen kämpfte. Die Waffen die er dabei verwendete legen einen Wetter- und Sturmgott nahe, woraus sich auch die Vermutung schloss, dass JHWH von dem hebräischen „hawwâ“ abgeleitet ist und ursprünglich „wehen“ bedeutete.
Ein Beispiel für die Bezeichnung von JHWH als Wettergott ist Amos 9,6: „Er baut seine Hallen im Himmel und gründet sein Gewölbe auf die Erde; er ruft das Wasser des Meeres und gießt es über die Erde – Jahwe ist sein Name.“ Wenn der Herr zornig ist auf die Menschen und diese bestraft liegt das an den Sünden die die Menschen begangen haben. Wenn der Mensch Sünde begeht, verstößt er gegen die Gesetze Gottes. Allerdings ist das für Gott nicht der schlimmste Aspekt dabei, sondern die Tatsache, dass der Mensch gegen die Beziehung zu Gott handelt. Jede Sünde richtet sich somit gegen Gott persönlich und pikiert seine Heiligkeit. Dazu kommt, dass wenn der Mensch in seiner Eitelkeit behauptet, dass Gott über seine Sünden nicht in Zorn geraten könne, leugnet er die Heiligkeit Gottes und verletzt Gott damit am meisten (Jes 5,18 f.), denn so eine Aussage entspricht einer Leugnung der Heiligkeit Gottes. Allerdings ist es schwierig von den Begriffen „Gottes Gewalt“ zu sprechen und dabei Gewalthandlungen zu meinen. Der Begriff „Gewalt“ wird im Sinne der Bibel meistens als Synonym für „Macht“ verwendet und hat somit keine negative Bedeutung, sondern eher eine neutrale.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der biblischen Gottesbilder ein, thematisiert die Herausforderungen theologischer Interpretationen und stellt das Ziel der Arbeit vor.
2. Verschiedene Gottesvorstellungen: Dieses Kapitel erläutert grundlegende philosophische und religiöse Konzepte wie Atheismus, Theismus, Monotheismus, Polytheismus, Deismus, Pantheismus und Animismus.
3. Gottesbilder des AT: Hier werden die vielfältigen Facetten Gottes im Alten Testament analysiert, angefangen vom Schöpfergott über den Gesetzgeber bis hin zu komplexen Themen wie Gottes Gewalt und weiblichen Gottesdarstellungen.
4. Gottesbilder des NT: Dieses Kapitel untersucht, wie sich das Bild Gottes im Neuen Testament wandelt, insbesondere durch die Menschwerdung und das Wirken Jesu Christi.
5. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Unterschiede zwischen den beiden Testamenten und betont den Charakter der Gottesbilder als interpretative Sprachbilder.
Schlüsselwörter
Gottesbilder, Altes Testament, Neues Testament, Monotheismus, Theologie, JHWH, Jesus Christus, Schöpfung, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Feministisch, Gottesvorstellungen, Bibel, Religionswissenschaft, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich von Gottesvorstellungen im Alten und Neuen Testament sowie deren Einordnung in den Kontext verschiedener religiöser Grundkonzepte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Gottesbildern, die Differenz zwischen dem zornigen und dem liebenden Gott, die Rolle der Armut sowie die feministische Kritik an männlich geprägten Gottesbildern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, einen fundierten Einblick in die biblischen Gottesbilder zu geben und insbesondere die gegensätzlichen Darstellungen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, bei der theologische Fachliteratur und Bibelstellen herangezogen werden, um die Gottesbilder systematisch zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Einordnung der Begriffe, eine detaillierte Untersuchung der Gottesbilder des Alten Testaments und eine Analyse der spezifischen Präsenz Gottes im Neuen Testament durch Jesus Christus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gottesbilder, Altes Testament, Neues Testament, Monotheismus, Theologie und feministische Gottesdarstellung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Darstellung Gottes im Alten Testament von der im Neuen Testament?
Während im Alten Testament ein aktiver, oft als Gesetzgeber und Richter agierender Gott im Vordergrund steht, tritt Gott im Neuen Testament meist in den Hintergrund und offenbart sich primär durch seinen Sohn Jesus Christus.
Was bedeutet der Begriff „Gewalt“ im Kontext des Alten Testaments laut der Autorin?
Die Autorin stellt dar, dass der Begriff „Gewalt“ in der Bibel oft als Synonym für „Macht“ verwendet wird und daher eher neutral als negativ zu verstehen ist.
- Arbeit zitieren
- Julia Löwe (Autor:in), 2013, Biblische Gottesbilder. Gottesvorstellungen im Alten und Neuen Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300743